Dieselpreis-Explosion bedroht Rostocker Schausteller-Existenz
Der Iran-Krieg hat direkte Auswirkungen auf den Rostocker Ostermarkt erreicht. Die seit Kriegsbeginn explosionsartig gestiegenen Dieselpreise setzen die knapp 90 Mitglieder des Schaustellerverbandes Mecklenburg-Vorpommern massiv unter Druck. Für viele Betriebe ist die aktuelle Situation mittlerweile existenzbedrohend, wie mehrere Betroffene auf dem gerade eröffneten Ostermarkt berichten.
Bis zu 1000 Euro für eine einzige Tankfüllung
Alfred Geisler, langjähriger Schausteller und ehemaliger Betreiber des Riesenrads auf der Warnemünder Mittelmole, schildert die Lage drastisch: „Ich sehe die Gefahr des finanziellen Ruins, wenn die Preise nicht wieder runtergehen.“ Der Unternehmer bezahlt aktuell bis zu 1000 Euro für eine einzige Tankfüllung seiner insgesamt 14 Zugmaschinen. Zum Unternehmen der Schausteller-Familie Geisler gehören mehr als 80 Fahrzeuge für verschiedene Fahrgeschäfte, die bundes- und europaweit unterwegs sind.
Marco Welte, Betreiber der Speedy-Achterbahn und eines Autoscooters mit fünf Lastwagen, bestätigt die dramatische Situation: „Wir haben schwer zu kämpfen. Rostock ist für uns ein Heimspiel, da müssen wir nicht so weit fahren. Aber nach dem Ostermarkt geht es für mich nach Brandenburg und Sachsen-Anhalt.“ Dann werde er die Mehrkosten deutlich zu spüren bekommen. Viele Schausteller können sich kein Volltanken mehr leisten und versuchen nur noch, von Ort zu Ort zu kommen.
Klare Forderungen an die Politik
Peer Hamberger, Vorsitzender des Schaustellerverbandes MV und selbst aus einer alteingesessenen Rostocker Schaustellerfamilie stammend, hat unterdessen klare Forderungen an die Politik formuliert: „Für die Schaustellerbetriebe müssen kurzfristig die Preise in Form von Dieselvergünstigungen gesenkt werden.“ Sein Kollege Marco Welte ergänzt ironisch: „Wir wollen doch nicht, dass unsere Spezialtransporte plötzlich wegen Dieselmangels auf der Straße liegen bleiben und den Verkehr blockieren!“
Die Schausteller betonen, dass sie die gestiegenen Kosten nicht einfach an die Besucher weitergeben wollen. „Wenn wir die Preise anziehen, sind wir bald kein Volksfest mehr, weil es sich das Volk dann nicht mehr leisten kann“, erklärt Hamberger. Marco Welte sieht das ähnlich: „Wir können die hohen Spritpreise nicht einfach an die Mutti mit Kind weitergeben, wir können die Preisschraube nicht immer weiter drehen. Dann kommt keiner mehr.“
Zusätzliche Probleme durch schrumpfende Flächen
Neben den explodierenden Dieselpreisen kämpfen die Rostocker Schausteller mit einem weiteren strukturellen Problem: immer geringer werdenden Flächen für ihre Veranstaltungen. Peer Hamberger schildert: „Allein die Fläche für den Weihnachtsmarkt ist von 9000 auf jetzt 5500 Quadratmeter gesunken. Und demnächst werden es nur noch 3500 Quadratmeter sein.“ Hintergrund ist vor allem der Wegfall des Bussebarts, wo das neue Volkstheater gebaut wird.
Die Folgen sind gravierend:
- Weniger Flächen bedeuten weniger Fahrgeschäfte
- Geringere Einnahmen für die Schaustellerbetriebe
- Verlust an Attraktivität für den Weihnachtsmarkt
- Rückgang der Touristenzahlen, insbesondere aus Skandinavien
Unsicherer Blick in die Zukunft
Unter diesen doppelten Belastungen wird es für die Schausteller immer schwieriger, die Preise an den Ausschankbuden und für die Fahrgeschäfte stabil zu halten. „Unsere Umsätze sinken natürlich und die Investitionen in den eigenen Betrieb und die nächsten Volksfeste stagnieren“, berichtet Peer Hamberger. Bislang haben die Schausteller die Preise noch halten können, doch die Zukunft sieht düster aus. Marco Welte blickt besorgt voraus: „Was zum Rostocker Pfingstmarkt passiert, ist noch offen.“ Die Branche steht vor einer existenziellen Krise, die ohne politische Unterstützung kaum zu bewältigen sein wird.



