Schwedische Küstenwache entert mutmaßlichen Russland-Tanker nach Ölteppich-Vorfall
Stockholm – In einem erneuten Schlag gegen die sogenannte russische Schattenflotte hat die schwedische Küstenwache den Öltanker „Flora 1“ in der Ostsee beschlagnahmt. Das Schiff steht im dringenden Verdacht, einen gewaltigen Ölteppich von etwa zwölf Kilometern Länge vor der schwedischen Insel Gotland verursacht zu haben. Der Vorfall markiert bereits den dritten derartigen Einsatz der Küstenbehörden innerhalb eines einzigen Monats.
Festsetzung und Ermittlungen wegen Umweltstraftat
Der Tanker wurde vor der südschwedischen Küste gestoppt und südlich von Ystad vor Anker gelegt. Die Küstenwache leitete umgehend Ermittlungen wegen des Verdachts auf eine schwere Umweltstraftat ein. Nach ersten Einschätzungen der Behörden wird das ausgelaufene Öl voraussichtlich nicht die Küstenlinie erreichen, doch die ökologischen Auswirkungen werden noch untersucht.
Ein Flugzeug der Küstenwache hatte den ausgedehnten Ölteppich bereits am frühen Donnerstagmorgen östlich von Gotland entdeckt. „Wir konnten ein Schiff als mögliche Quelle identifizieren und stellten fest, dass es auf der EU-Sanktionsliste steht. Außerdem gab es viele unklare Angaben zur Flagge“, erläuterte Mattias Lindholm, Pressesprecher der Küstenwache.
Unklare Flagge und Verbindung zur Sanktionsliste
Die „Flora 1“ steht auf der Sanktionsliste der Europäischen Union, doch unter welcher Flagge das Schiff tatsächlich fährt, bleibt ungewiss. Nach Angaben des Schiffsverfolgungsdienstes MarineTraffic war der Tanker im russischen Hafen Primorsk mit unbekanntem Ziel ausgelaufen. Andere Quellen berichten hingegen von einem Start in einem finnischen Hafen.
Am Freitagmorgen gingen Einheiten der Küstenwache gemeinsam mit der Polizei an Bord des festgesetzten Schiffes. Bislang wurde noch niemand festgenommen, doch die Verhöre der Besatzungsmitglieder laufen. Lindholm betonte: „Schiffe auf dieser Sanktionsliste waren oft am Transport von russischem Öl beteiligt.“
Dritter Vorfall innerhalb eines Monats
Es handelt sich bereits um das dritte Mal innerhalb von nur vier Wochen, dass die schwedische Küstenwache ein Schiff entert, das verdächtigt wird, unter falscher Flagge zu operieren. Europäische Staaten haben ihre Bemühungen massiv verstärkt, gegen die Schattenflotte vorzugehen, die mutmaßlich dazu dient, russisches Öl trotz internationaler Sanktionen zu transportieren.
Mit den Einnahmen aus diesen Öltransporten finanziert Moskau seinen seit über vier Jahren andauernden Krieg gegen die Ukraine. Die schwedische Küstenwache hat in den vergangenen Monaten gezielt Schiffe mit Russland-Verbindungen ins Visier genommen. Die russische Regierung hat dieses Vorgehen wiederholt als feindselig verurteilt.
Die anhaltenden Aktionen unterstreichen die entschlossene Haltung Schwedens und der EU, die Umgehung von Sanktionen zu unterbinden und gleichzeitig die sensiblen maritimen Ökosysteme der Ostsee zu schützen.



