Wal-Strandung in der Ostsee: Experten klären über Ursachen und Rettungsmaßnahmen auf
Wal-Strandung in der Ostsee: Experten klären Ursachen

Wiederholte Wal-Strandungen in der Ostsee: Hintergründe und aktuelle Rettungsbemühungen

Erneut ist ein Wal in der Ostsee gestrandet – diesmal handelt es sich um einen jungen Buckelwal in der Lübecker Bucht vor Niendorf. Die Polizei hat das Gelände abgesperrt, um das Tier nicht zu beunruhigen, während Meeresschützer von Sea Shepherd mit Schlauchbooten versuchen, den Wal vom Strand wegzubringen. Doch warum verirren sich diese großen Säugetiere immer wieder in die Ostsee? Experten geben umfassende Antworten auf die drängendsten Fragen.

Welche Walarten sind eigentlich in der Ostsee heimisch?

Nur Schweinswale sind in der Ostsee heimisch, wie Almut Neumeister, Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, erklärt. Diese mit etwa zwei Metern Länge vergleichsweise kleinen Wale werden häufig mit Delfinen verwechselt. Die Population der Schweinswale ist jedoch rückläfug – in der zentralen Ostsee leben nach Monitorings nur noch etwa 200 Tiere, in der Beltregion einige Tausend. Sie gehören zu den bedrohten Arten.

Warum tauchen größere Walarten in der Ostsee auf?

Normalerweise ist die Ostsee keine Heimat für große Wale. Der wahrscheinlichste Grund für ihr Auftauchen sei, dass sie auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen, so Neumeister. Ein weiterer Faktor könnte Unterwasserlärm sein, der die Orientierung der Tiere beeinträchtigt. Gerade junge Wale erkunden zudem gerne ihre Umgebung. Tatsächlich wurden allein 2025 mehrere Buckelwale gesichtet, und in den vergangenen Jahrzehnten auch Belugas, Narwale und Zwergwale.

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Details zum aktuellen Fall in Niendorf

Bei dem gestrandeten Wal handelt es sich laut Sven Biertümpfel von Sea Shepherd und dem Deutschen Meeresmuseum um einen Buckelwal, vermutlich einen jungen Bullen. Männliche Tiere sind im Gegensatz zu den Kühen auf Wanderschaft. Ausgewachsene männliche Buckelwale werden etwa 15 Meter lang und wiegen rund 35 Tonnen – weibliche Tiere sind sogar noch etwas größer. Interessanterweise geht Biertümpfel davon aus, dass es sich um denselben Wal handelt, der seit März im Hafen von Wismar gesichtet wurde. Drohnenaufnahmen zeigen Teile des Netzes, in dem er sich dort verfangen hatte.

Die Herausforderungen bei der Rettung gestrandeter Wale

Durch das enorme Gewicht der Säugetiere ist es äußerst schwierig, Wale von Sandbänken oder flachem Wasser wieder ins tiefere Wasser zu bringen. Aus eigener Kraft kommen sie nicht los. Mögliche Methoden umfassen den Einsatz von Luftkissen oder Seilen. Wichtig ist jedoch, dass die Tiere bei Rettungsaktionen nicht zusätzlichem Stress ausgesetzt werden. Deshalb müssen sich Unbeteiligte fernhalten – weder aus der Luft mit Drohnen noch von Wasser- oder Landseite.

Weitere aktuelle Wal-Sichtungen in der Region

Anfang Januar schwamm ein Finnwal in der Flensburger Förde zwischen dem Hafen und dem dänischen Kollund. Bei diesem etwa acht Meter langen, jungen Tier handelte es sich nach Judith Denkinger vom Deutschen Meeresmuseum um die zweitgrößte Walart der Erde. Finnwale sind meist allein oder zu zweit unterwegs und ernähren sich von Krill, kleinen Fischen und Krustentieren. Der Wal war vermutlich bei der Nahrungssuche in die Beltsee geschwommen, wo er normalerweise nicht vorkommt.

Die zunehmenden Sichtungen größerer Walarten in der Ostsee hängen laut Experten auch mit wachsenden Populationen zusammen. Viele Tiere finden jedoch wieder den Weg zurück in die Nordsee. Die aktuelle Strandung in Niendorf unterstreicht die Bedeutung von Schutzmaßnahmen und fachkundigen Rettungseinsätzen für diese majestätischen Meeressäuger.

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