Sachsen-Anhalts Sozialministerin verteidigt Ganztagsanspruch in Kitas trotz sinkender Kinderzahlen
Ganztagsanspruch in Kitas: Sachsen-Anhalt hält trotz Herausforderungen fest

Sachsen-Anhalts Sozialministerin verteidigt Ganztagsanspruch in Kitas trotz sinkender Kinderzahlen

In Sachsen-Anhalt steht die frühkindliche Bildung vor erheblichen Herausforderungen: sinkende Kinderzahlen und steigende Kosten belasten das Kita-System. Dennoch will Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Ganztagsanspruch für alle Kinder festhalten. „Die Anforderungen an Kitas sind deutlich gestiegen. Sie sind längst mehr als nur Betreuungseinrichtungen, sondern Bildungsorte, die Kinder gezielt auf die Schule vorbereiten“, erklärte die Ministerin in Magdeburg. „Um diese Aufgabe erfüllen zu können, brauchen wir weiterhin umfangreiche Betreuungszeiten. Wer den Betreuungsumfang kürzt, spielt mit den Bildungschancen der Kinder.“

Herausforderungen im Kita-System

Die aktuellen Entwicklungen im Kita-Bereich sind vielschichtig:

  • Im Vergleich zum Vorjahr waren 2025 insgesamt 2.749 weniger Kinder in der Kindertagesbetreuung in Sachsen-Anhalt registriert.
  • An manchen Standorten müssen Erzieherinnen versetzt werden oder ihre Arbeitsstunden reduzieren.
  • Befristete Verträge werden teilweise nicht verlängert, und über die Schließung von Einrichtungen wird debattiert.
  • In der schwarz-rot-gelben Koalition wurde in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert, ob Änderungen am Ganztagsanspruch notwendig sind.

Kostenentwicklung und finanzielle Verantwortung

Die finanziellen Belastungen für das Land Sachsen-Anhalt haben sich in den letzten Jahren deutlich erhöht:

  • Die Kosten für die Kinderbetreuung stiegen kontinuierlich auf 449,2 Millionen Euro im Jahr 2024.
  • Für das laufende Jahr sind 445,7 Millionen Euro angesetzt.
  • Zum Vergleich: Im Jahr 2013, als eine umfassende Reform eingeleitet wurde, beliefen sich die Ausgaben noch auf 205 Millionen Euro.
Die Kindertagesbetreuung ist eigentlich Aufgabe der Kommunen. Da das Land jedoch bestimmte Standards wie Mindestpersonalschlüssel vorschreibt, beteiligt es sich durch monatliche Zuweisungen für jedes betreute Kind an den Kosten. Den Rest teilen sich Landkreise, Gemeinden und Eltern. Wie hoch der Landesanteil in den kommenden Jahren ausfallen wird, bleibt offen. Finanzexperten erwarten, dass im Haushalt ab 2027 große Lücken zu schließen sein werden.

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Politische Position und zukünftige Perspektiven

Sozialministerin Grimm-Benne betont die gesellschaftliche Bedeutung einer verlässlichen Kinderbetreuung: „Familien können sich auch in Zukunft auf den weitreichenden Betreuungsanspruch verlassen. Gerade angesichts des Fachkräftemangels müssen wir alles dafür tun, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelingt. Einschnitte beim Betreuungsumfang wären ein Rückschritt, der Familien und Wirtschaft belasten würde.“

Das Kinderförderungsgesetz wurde in den vergangenen Jahren mehrfach überarbeitet. Mit den Landesmitteln wurden unter anderem die Personalschlüssel in den Kitas verbessert, Tarifsteigerungen übernommen und eine Geschwisterkindregelung eingeführt. Diese Maßnahmen sollen die Qualität der frühkindlichen Bildung sichern und gleichzeitig Familien entlasten.

Die Diskussion um den Ganztagsanspruch in Sachsen-Anhalt verdeutlicht die Spannung zwischen finanziellen Zwängen und bildungspolitischen Zielen. Während die sinkenden Kinderzahlen strukturelle Anpassungen erfordern, bleibt die Sicherung von Betreuungsplätzen und Bildungsqualität eine zentrale politische Priorität.

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