Sachsen-Anhalt setzt auf KI für schnellere Anerkennung von Schwerbehinderungen
Wer in Sachsen-Anhalt eine Schwerbehinderung anerkennen lassen möchte, muss derzeit mit langen Wartezeiten rechnen. Politik und Verwaltung des Bundeslandes versprechen nun mehr Tempo und planen dabei den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, um die Verfahren zu beschleunigen.
Monatelange Wartezeiten für Betroffene
Derzeit warten Menschen mit Behinderungen in Sachsen-Anhalt oft monatelang auf einen Bescheid zur Anerkennung ihrer Schwerbehinderung. „Das muss deutlich schneller gehen“, forderte CDU-Fraktionschef Guido Heuer vor einer Landtagssitzung in Magdeburg. Er betonte, dass die Betroffenen einen klaren Anspruch auf zügige Bearbeitung ihrer Anträge hätten.
Eigentlich sollte bereits am 1. Februar ein neues Landesamt für Soziales, Jugend und Gesundheit geschaffen werden, um die Bearbeitung zu beschleunigen. „Das ist aus organisatorischen Gründen nicht gelungen“, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Pähle. Die Verzögerung sorgt für zusätzliche Unsicherheit bei den Antragstellern.
Künstliche Intelligenz als Lösung für die Verwaltung
Die SPD setzt auf Digitalisierung als Schlüssel zur Effizienzsteigerung. In einem ersten Schritt soll eine einfache Prüfung mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz viele Anträge vorsortieren und bearbeiten, erläuterte Pähle. Diese Technologie könnte Routineaufgaben übernehmen und so die Bearbeitungszeiten verkürzen.
Allerdings bleibt für die endgültige Entscheidung eine versorgungsmedizinische Bewertung notwendig, die nur von speziell qualifizierten Ärztinnen und Ärzten vorgenommen werden darf. Bundesweit sind solche Fachkräfte knapp, was die Verfahren zusätzlich verlangsamt. Nach Angaben der CDU hat es bereits Gespräche mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen gegeben, um Lösungen zu finden.
Kritik und Pläne für die neue Behörde
Kritik an den Plänen kommt von der Linksfraktion. „Unsere größte Sorge ist tatsächlich jetzt erst mal, dass es noch zu einer weiteren Verzögerung kommt“, sagte Fraktionsvorsitzende Eva von Angern. Sie wies darauf hin, dass für die Betroffenen jede Verzögerung höchst problematisch sei. Zudem werde kein zusätzliches Personal bereitgestellt, was die Umsetzung der Pläne erschweren könnte.
Mit dem neuen Landesamt möchte die Landesregierung Aufgaben bündeln und Verfahren beschleunigen. Die Behörde soll ihren Hauptsitz in Halle erhalten, während Nebenstellen in Magdeburg und Dessau-Roßlau geplant sind. Diese regionale Verteilung soll die Erreichbarkeit für Antragsteller verbessern.
Die Einführung von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung stellt einen innovativen Ansatz dar, um die langen Wartezeiten bei der Anerkennung von Schwerbehinderungen in Sachsen-Anhalt zu reduzieren. Ob die Technologie ihr Versprechen einlösen kann, wird sich in der Praxis zeigen müssen.



