Inflation in Sachsen-Anhalt: Preise steigen stärker als im Bundesschnitt
Sachsen-Anhalt: Inflation trifft besonders hart

Inflation trifft Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich hart

Die Preisentwicklung in Deutschland verlief in den vergangenen Jahren keineswegs einheitlich. Während die Inflation bundesweit von 2020 bis 2025 bei 21,8 Prozent lag, mussten die Menschen in Sachsen-Anhalt einen deutlich stärkeren Preisanstieg verkraften. Laut einer aktuellen Auswertung des Ifo Dresden fiel die Inflation im mitteldeutschen Bundesland um 1,6 Prozentpunkte höher aus als im Bundesdurchschnitt.

Ostdeutsche Länder besonders betroffen

Die Analyse zeigt ein klares Ost-West-Gefälle. Neben Sachsen-Anhalt verzeichneten auch Brandenburg (plus 1,8 Prozentpunkte), Sachsen und Bremen (jeweils plus 1,7 Prozentpunkte) überdurchschnittliche Inflationsraten. Am anderen Ende der Skala steht Hamburg, wo die Preise um 2,1 Prozentpunkte schwächer stiegen als im Bundesschnitt.

Besonders auffällig war in den ostdeutschen Flächenländern der Bereich andere Waren und Dienstleistungen, der die Inflation maßgeblich antrieb. Zu dieser Kategorie gehören Friseurdienstleistungen, Pflege in sozialen Einrichtungen sowie verschiedene Versicherungen, etwa für Kraftfahrzeuge.

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Mögliche Ursachen für regionale Unterschiede

Die Ifo-Forscher Ricarda Kluth, Robert Lehmann und Marcel Thum sehen einen möglichen Zusammenhang mit der Mindestlohnentwicklung. „Denkbar wäre, dass die Anhebung des Mindestlohns in Ostdeutschland stärker auf die Preise durchschlägt als in den westdeutschen Bundesländern“, schreiben die Wissenschaftler.

Für den überdurchschnittlichen Preisanstieg bei Pflegedienstleistungen spreche zudem die demografische Entwicklung. In den ostdeutschen Flächenländern mit ihrer älteren Bevölkerungsstruktur sei die Nachfrage nach Pflegeleistungen besonders stark gestiegen. Warum Versicherungsdienstleistungen in diesen Regionen teurer wurden, bleibt laut der Studie jedoch unklar.

Wohnkosten dämpfen Inflation in Sachsen-Anhalt

Interessant ist der Blick auf den Bereich Wohnen inklusive Strom, Gas und anderer Brennstoffe. Dieser hatte in Sachsen-Anhalt eher einen dämpfenden Effekt auf die Gesamtinflation. Auch in Hamburg stiegen die Wohnkosten deutlich langsamer als im Durchschnitt, während sie in Bremen überproportional zulegten. Da Wohnkosten einen hohen Anteil im Warenkorb haben, wirken sich regionale Unterschiede hier besonders stark aus.

Reale Lohnentwicklung fällt positiv aus

Betrachtet man nicht nur die Preisentwicklung, sondern auch die Lohnsteigerungen, ergibt sich ein deutlich günstigeres Bild für die ostdeutschen Bundesländer. Die reale Stundenlohnentwicklung – also die Lohnsteigerungen abzüglich der Inflation – fiel im Osten Deutschlands überwiegend positiv aus.

Die Ifo-Daten zeigen für den Zeitraum 2020 bis 2024:

  • Thüringen: Löhne stiegen 3,6 Prozentpunkte stärker als Preise
  • Berlin: Plus von 2,6 Prozentpunkten
  • Mecklenburg-Vorpommern: Plus von 2,5 Prozentpunkten
  • Brandenburg: Plus von 1,7 Prozentpunkten
  • Sachsen-Anhalt: Plus von 1,4 Prozentpunkten
  • Sachsen: Plus von 1,3 Prozentpunkten

Bremen mit negativer Bilanz

Am negativsten fällt die Bilanz in Bremen aus. Hier trafen unterdurchschnittlich steigende Löhne auf überdurchschnittlich steigende Preise, was zu einem Minus von 3,9 Prozentpunkten bei der realen Lohnentwicklung führte.

Für die Menschen in Sachsen-Anhalt bedeutet diese Entwicklung trotz der überdurchschnittlichen Inflation ein reales Plus. Die Löhne stiegen in den betrachteten Jahren stärker als die Preise, sodass die Kaufkraft insgesamt zunahm. Diese positive Entwicklung könnte sich jedoch ändern, wenn die Lohnsteigerungen in Zukunft nicht mit der weiterhin hohen Inflation Schritt halten.

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