AfD-Parteitag in Sachsen: Jörg Urban als Landeschef bestätigt - Ergebnis fällt historisch schwach aus
Die sächsische AfD hat auf ihrem Landesparteitag in Löbau auf personelle Kontinuität gesetzt und Jörg Urban für weitere zwei Jahre im Amt des Landesvorsitzenden bestätigt. Das Ergebnis stellt jedoch einen deutlichen Dämpfer für den 61-Jährigen dar, der seit 2018 die Geschicke des Landesverbandes lenkt.
Historisch schwaches Wahlergebnis für Urban
Urban erhielt bei der Wahl lediglich 76,5 Prozent der Stimmen - das ist das schlechteste Ergebnis, das er seit seiner ersten Wahl zum Landesvorsitzenden im Jahr 2018 erreichte. Zum Vergleich: Bei seiner letzten Wiederwahl 2024 kam er noch auf gut 91 Prozent, und selbst sein bisher schwächstes Ergebnis von 87,5 Prozent aus dem Jahr 2020 wurde deutlich unterboten.
„Das Ergebnis entspricht dem, was ich erwartet habe. Also, es ist in Ordnung, es ist ein stabiles Ergebnis, damit kann man arbeiten und die Mitglieder, die jetzt vielleicht ein bisschen das Vertrauen noch nicht haben, die gewinnen wir noch“, kommentierte Urban das Resultat nach außen hin gelassen.
Weitere Personalentscheidungen und schwache Ergebnisse
Neben Urban wurde auch Generalsekretär Jan Zwerg in den Vorstand gewählt, der mit nur 66,1 Prozent der Stimmen ein noch schwächeres Ergebnis als der Landesvorsitzende erzielte. Zu den drei Vize-Landesvorsitzenden wurden die Landtagsabgeordneten Martina Jost, Ferdinand Wiedeburg und Sebastian Wippel bestimmt.
Der Diplomingenieur für Wasserbau sitzt seit 2014 für die AfD im sächsischen Landtag und führt seit Oktober 2017 die Fraktion. Der von ihm geleitete Landesverband zählt aktuell knapp 4.300 Mitglieder.
Urbans Ambitionen für 2029
Trotz des schwachen Wahlergebnisses bekräftigte Urban seinen Anspruch, bei der Landtagswahl 2029 als Spitzenkandidat der AfD anzutreten. „Bis dahin fließt noch viel Wasser die Elbe runter“, relativierte er die Bedeutung des aktuellen Ergebnisses für seine weiteren politischen Pläne.
Der Landesvorsitzende betonte, keine Amtsmüdigkeit zu verspüren: „Ich fühle mich motiviert wie noch nie und ich glaube, das geht den meisten unserer Mitglieder ganz genauso.“ Gleichzeitig rief er die Parteimitglieder zu mehr Professionalität und Geschlossenheit auf: „Nur so können wir in diesen stürmischen Zeiten erfolgreich kämpfen. Die Angriffe unserer Gegner werden zunehmen, je erfolgreicher wir sind.“
Bundessprecher Chrupalla relativiert das Ergebnis
AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla, der dem Parteitag ein Grußwort übermittelte, wertete Urbans Abschneiden als „stabiles und respektables Ergebnis“. Ein Ergebnis von 76 Prozent sei kein Abstrafen der Parteibasis.
Auf die Frage eines Journalisten, ob Urban damit an Rückenwind für die nächste Landtagswahl verliere, antwortete Chrupalla ausweichend: „Also wir haben jetzt 2026, bis 2029 noch drei Jahre. Über das Thema reden wir heute noch nicht.“ Das werde man Ende 2027, Anfang 2028 angehen.
Strategische Ausrichtung auf Regierungsfähigkeit
Chrupalla gab in seiner Rede den Machtwechsel im Bund und in Sachsen für 2029 als strategisches Ziel aus. „Wir müssen uns aber auch weiterentwickeln von einer Oppositionspartei hin zu einer Regierungspartei. Das muss jetzt unsere Aufgabe sein und auch unser nächster Schritt“, forderte der Bundessprecher.
Die AfD sei nicht mehr die „Ein-Themen-Partei“, für die man sie vor Jahren noch gehalten habe - „teilweise zurecht“, räumte Chrupalla ein. Mittlerweile habe man in vielen Bereichen Fachkompetenzen dazugewonnen. „Wir müssen aber auch daran denken, dass wir unseren Wählern auch irgendwann Erfolge präsentieren müssen in Form von Regierung.“
Für 2029 sehe er in Sachsen vielleicht die letzte Chance: „Ergreifen wir sie. Denn Chancen sind wie Sonnenaufgänge: Wer zu lange wartet, verpasst sie.“ Mit einem Appell an die Parteibasis schloss Chrupalla: „Wer zünden will, muss brennen.“



