Dresden: Bombenblindgänger-Fund an Carolabrücke - Evakuierung von 18.000 Menschen droht
Im Umfeld der ehemaligen Carolabrücke in Dresden werden potenzielle Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht. Die Stadtverwaltung stellt sich auf mögliche weitreichende Folgen ein, darunter eine Evakuierung von rund 18.000 Anwohnern. Die Entscheidung darüber, ob eine Räumung notwendig wird, fällt am kommenden Dienstag.
Untersuchungen am Neustädter Elbufer
Ab etwa 16 Uhr werden die beiden Fundstellen am Neustädter Elbufer genauer untersucht. Dafür wird zunächst ein kleiner Sperrkreis mit einem Radius von 150 Metern eingerichtet. Anwohner sind von dieser ersten Maßnahme nicht betroffen, jedoch wird der Elberadweg für diese Zeit gesperrt. Auch die Schifffahrt kann nicht passieren. Besonders brisant: In der Zone liegen die Sächsische Staatskanzlei und mehrere Ministerien.
Zwei mögliche Evakuierungsszenarien
Feuerwehrsprecher Michael Klahre erläuterte vor Ort die möglichen Entwicklungen. Wenn sich herausstellt, dass die gefundenen Gegenstände ungefährlich sind, muss nicht evakuiert werden. Handelt es sich jedoch tatsächlich um kampffähige Munition, sind zwei Szenarien denkbar:
- Bei einer prekären Auffindsituation der Bombe müsste sofort ein erweiterter Sperrkreis mit einem Radius von 1.000 Metern eingerichtet werden. Eine Evakuierung könnte dann bereits am Dienstagabend notwendig werden.
- Lässt es die konkrete Gefahrenlage zu, würde die Evakuierung erst am Mittwochmorgen beginnen.
Betroffene Einrichtungen und Personen
Von einer möglichen Räumung wären nicht nur die etwa 18.000 Anwohner des betroffenen Gebietes betroffen. Hinzu kommen Pendler, Touristen und zahlreiche wichtige Einrichtungen. In der potentiellen Evakuierungszone befinden sich:
- Die Polizeidirektion Dresden
- Kommunale und Landesbehörden
- Mehrere Alten- und Pflegeheime
- Kindertagesstätten
- Weitere soziale Einrichtungen
Hintergrund: Funde bei Bauvorbereitungen
Die mutmaßlichen Blindgänger wurden bei vorbereitenden Arbeiten zum Neubau der eingestürzten Carolabrücke entdeckt. Seit Oktober läuft bereits eine umfangreiche Kampfmittelsondierung im Bereich des Neustädter Elbufers. Auf der Altstädter Seite der Elbe waren die Untersuchungen bereits Ende vergangenen Jahres ohne Bombenfunde abgeschlossen worden.
Seit Mitte Februar werden auf der Neustädter Seite sogenannte „Störstellen“ in einer Tiefe von jeweils zwei bis vier Metern geöffnet und überprüft. Bereits im vergangenen Jahr gab es bei Abrissarbeiten an der eingestürzten Carolabrücke vier Bombenfunde. Im August mussten damals 17.000 Menschen für die Entschärfung einer Bombe evakuiert werden. Die Stadt Dresden hat somit bereits Erfahrung mit solchen Großoperationen.
Die Behörden betonen, dass alle Maßnahmen der Sicherheit der Bevölkerung dienen. Die genaue Vorgehensweise wird nach der Untersuchung am Dienstag festgelegt. Die Stadt bittet um Verständnis für eventuelle Einschränkungen und wird die Bevölkerung zeitnah über weitere Entwicklungen informieren.



