Kita-Sterben in Sachsen: SPD warnt vor Strukturverlust durch sinkende Kinderzahlen
Der demografische Wandel hinterlässt in Sachsens Kindertagesstätten deutliche Spuren. Die Zahl der betreuten Mädchen und Jungen ist erheblich zurückgegangen, was besorgte SPD-Politiker auf den Plan ruft und Diskussionen über die Zukunft der frühkindlichen Bildung entfacht.
Statistiken zeigen alarmierenden Rückgang
Laut dem Statistischen Landesamt wurden im März 2025 nur noch etwa 312.000 Kinder in sächsischen Kitas betreut. Dies entspricht einem Rückgang von rund 7.500 Kindern innerhalb eines Jahres. Parallel dazu sank die Anzahl der Kindertagesstätten im Freistaat um 15 Einrichtungen auf insgesamt 3.050. Auch das Personal in den Kitas verringerte sich um etwa 2,4 Prozent, sodass im vergangenen März nur noch rund 43.000 Frauen und Männer in Kindergärten und Krippen tätig waren.
Minister warnt vor Zukunftsfragen
Kultusminister Conrad Clemens (CDU) kommentierte die Zahlen mit den Worten: „Mit jedem Kind weniger verliert Sachsen etwas Zukunft.“ Bis 2040 werden 25 Prozent weniger Kinder an den Grundschulen erwartet, eine Entwicklung, die bereits in Kinderkrippen und Kindergärten spürbar ist. Durch die sinkenden Kinderzahlen werden Landesgelder frei, die bereits für einen verbesserten Betreuungsschlüssel in Kindergärten eingesetzt werden. Künftig sollen auch Krippen davon profitieren, wobei etwa 210 zusätzliche Vollzeitkräfte zur Verfügung stehen sollen.
Regionale Auswirkungen und politische Reaktionen
Die Stadt Chemnitz plant angesichts des demografischen Wandels, 1.000 Kita-Plätze abzubauen und erwägt Zusammenlegungen von Einrichtungen. Ostdeutsche SPD-Politiker warnen vor einem Wegfall von Bundesmitteln und fordern mehr Unterstützung für den Erhalt von Einrichtungen und Arbeitsplätzen. In einem Forderungspapier, das an Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) geschickt werden soll, schreiben die für Kitas zuständigen Sprecher der SPD-Fraktionen aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: „Es steht erneut ein Wegbrechen der Kita-Strukturen bevor.“
Demografischer Wandel trifft Ostdeutschland besonders hart
Während in vielen westdeutschen Regionen händeringend nach Fachpersonal für Kitas gesucht wird, trifft der demografische Wandel die ostdeutschen Bundesländer mit voller Wucht. Kinderzahlen sinken rapide, Kita-Plätze bleiben frei, und Einrichtungen schließen mancherorts. Die SPD-Politiker betonen, dass dies gravierende soziale Auswirkungen hat, da gut ausgebildete und vor allem junge Fachkräfte um ihre berufliche Zukunft bangen. Die Ost-Flächenländer versuchen, mit verschiedenen Maßnahmen gegenzusteuern, was jedoch erhebliche Kosten verursacht.
Befürchtungen und Forderungen für die Zukunft
Die SPD-Politiker befürchten eine Verschärfung der Situation ab 2027, da bisher Mittel aus dem Kita-Qualitätsgesetz des Bundes auch für die Verbesserung der Personalschlüssel und zur Gewinnung von Fachkräften genutzt werden konnten. „Die vorgesehene Einstellung der Bundesmittel für diese Handlungsfelder ist nicht zu verantworten“, erklären sie. Bildungsministerin Prien hat angekündigt, in diesem Jahr einen Gesetzentwurf im Bereich frühkindlicher Bildung vorzulegen. Die SPD-Fachpolitiker fordern weiterhin Mittel für Personal an Kitas, für die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte und für längere Öffnungszeiten.
Unterschiede zwischen Ost und West
In ihrem Papier machen die SPD-Fachpolitiker auf die Unterschiede zwischen der ost- und westdeutschen Kita-Landschaft aufmerksam. In Ostdeutschland gibt es ein gut ausgebautes, flächendeckendes Kita-Netz, das es vor allem ostdeutschen Frauen und Alleinerziehenden ermöglicht, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. „Denn im Osten arbeiten mehr Elternpaare und mehr Frauen in Vollzeit“, schreiben die Sozialdemokraten. Sie warnen davor, dass der im Westen notwendige Ausbau von Plätzen und die Gewinnung pädagogischer Fachkräfte nicht zulasten des Ostens umgesetzt werden dürfen.



