Sachsen 2025: Baugewerbe bleibt Spitzenreiter bei Arbeitszeit, aber Rückgang setzt sich fort
Im Freistaat Sachsen hat das Baugewerbe auch im Jahr 2025 die längste Pro-Kopf-Arbeitszeit aller Branchen aufgewiesen. Mit 1.514 Stunden je Erwerbstätigen liegt die Baubranche deutlich vor anderen Wirtschaftsbereichen. Allerdings zeigt die aktuelle Statistik des Statistischen Landesamtes in Kamenz einen klaren und anhaltenden Trend: Sowohl das gesamte Arbeitsvolumen als auch die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf gehen kontinuierlich zurück.
Arbeitsvolumen sinkt stärker als Zahl der Erwerbstätigen
Nach vorläufigen Berechnungen leisteten die rund 2,05 Millionen Erwerbstätigen in Sachsen im vergangenen Jahr insgesamt etwa 2,76 Milliarden Arbeitsstunden. Im Vergleich zum Vorjahr 2024 bedeutet dies einen Rückgang des Arbeitsvolumens um 1,2 Prozent. Dieser Wert fällt deutlich stärker aus als der Verlust bei der Zahl der Erwerbstätigen, die um 0,7 Prozent sank.
Die durchschnittliche Arbeitszeit je Erwerbstätigen reduzierte sich auf 1.349 Stunden. Das entspricht einem Minus von sechs Stunden oder 0,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2024. Langfristig betrachtet hat sich seit 2015 eine deutliche Entwicklung abgezeichnet: Während die Zahl der Erwerbstätigen um 2,4 Prozent stieg, ging das Arbeitsvolumen im selben Zeitraum um 5,3 Prozent zurück. Die Pro-Kopf-Arbeitszeit verringerte sich sogar um 110 Stunden oder 7,5 Prozent.
Teilzeit und Nebentätigkeiten als Hauptursache
Als Hauptgrund für diese Entwicklung nennen die Statistiker den zunehmenden Anteil von Teilzeit- und Nebentätigkeiten. Diese können die Rückgänge bei Vollzeitstellen nicht ausgleichen, was zu einem insgesamt sinkenden Arbeitsvolumen führt. Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zeigt hier ihre statistischen Auswirkungen deutlich, kommentieren Experten diese Zahlen.
Branchenvergleich: Baugewerbe mit stärkstem Rückgang
Obwohl das Baugewerbe mit 1.514 Stunden die höchste Pro-Kopf-Arbeitszeit aufweist, verzeichnete diese Branche gleichzeitig den stärksten Rückgang. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Arbeitszeit je Erwerbstätigen im Baugewerbe um 1,6 Prozent oder 25 Stunden.
Die Unterschiede zwischen den Wirtschaftsbereichen bleiben weiterhin beträchtlich:
- Im produzierenden Gewerbe lag die durchschnittliche Arbeitszeit bei 1.439 Stunden (minus 0,6 Prozent)
- Im Dienstleistungsbereich wurden 1.317 Stunden (minus 0,4 Prozent) erreicht
- Die geringste Pro-Kopf-Arbeitszeit verzeichneten das Grundstücks- und Wohnungswesen sowie Finanz- und Unternehmensdienstleistungen mit 1.312 Stunden
Besonders bemerkenswert: In keiner Branche Sachsens gab es 2025 einen Anstieg der durchschnittlichen Arbeitszeit. Dieser Umstand unterstreicht den allgemeinen Trend zur Verkürzung der Arbeitszeiten im Freistaat.
Langfristige Perspektive und wirtschaftliche Implikationen
Die seit 2015 beobachtete Entwicklung zeigt eine klare Diskrepanz zwischen Beschäftigungszahlen und tatsächlich geleisteter Arbeitszeit. Während mehr Menschen in Sachsen erwerbstätig sind, arbeiten sie im Durchschnitt weniger Stunden. Diese Verschiebung hat nicht nur Auswirkungen auf die individuelle Arbeitszeit, sondern auch auf die gesamtwirtschaftliche Produktivität und die sozialen Sicherungssysteme.
Die Statistiker weisen darauf hin, dass dieser Trend wahrscheinlich anhalten wird, solange der Anteil von Teilzeit- und Nebenbeschäftigungen weiter zunimmt. Für die Wirtschaftspolitik ergeben sich daraus neue Herausforderungen bei der Sicherung von Fachkräften und der Aufrechterhaltung der Wirtschaftskraft in den verschiedenen Regionen Sachsens.



