Sachsen: Neubewertung zeigt deutlich größere Zinnvorkommen im Erzgebirge
Sachsen: Größere Zinnvorkommen im Erzgebirge entdeckt

Sachsen: Neubewertung zeigt deutlich größere Zinnvorkommen im Erzgebirge

Der internationale Hunger nach Rohstoffen wie Lithium, Germanium, Indium und Zinn hat das Erzgebirge erneut in den Fokus von Bergbaufirmen gerückt. Jetzt zeigt sich, dass manche Lagerstätte üppiger ist als bisher gedacht. Eine aktuelle Neubewertung des Freiberger Bergbauunternehmens Saxore für das Projekt Gottesberg im Westerzgebirge legt nahe, dass Sachsen möglicherweise mehr Potenzial im Zinn-Bergbau besitzt als bisher angenommen.

Dreimal so viel Zinn wie bisher geschätzt

Die aktualisierte Ressourcenschätzung geht von rund 37 Millionen Tonnen Erz mit etwa 90.900 Tonnen Zinn aus, die wirtschaftlich abgebaut werden könnten. Das ist nahezu dreimal so viel wie bisher angenommen, wie Geschäftsführer Matthias Faust der Deutschen Presse-Agentur dpa mitteilte. Diese Erkenntnis basiert auf umfangreichen Erkundungen, darunter 16 Bohrungen in den Jahren 2021 und 2022, sowie der Auswertung historischer Daten aus Bergarchiven.

Erzgebirge rückt wieder in den Fokus des Bergbaus

Der internationale Rohstoffhunger und das Ziel der Europäischen Union, bei der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen unabhängiger zu werden, machen Lagerstätten in Deutschland wieder attraktiv für Bergbauunternehmen. Das Erzgebirge, das seinen Namen dem einstigen Rohstoffreichtum verdankt, steht dabei besonders im Blickpunkt. In Sachsen laufen laut Oberbergamt mehr als 30 Erkundungs- und Gewinnungsprojekte für Erze und Spate.

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Für ein mögliches Comeback des Erzbergbaus im Freistaat spielen neben Lithium, zu dem ein Bergbauvorhaben im Osterzgebirge forciert wird, auch Zinn eine entscheidende Rolle. Das Metall wird in der Elektrotechnik benötigt, aber auch für die Produktion von Bronze und Weißblech. Bereits im Herbst 2024 hatte das Oberbergamt Pläne für ein neues Bergwerk in Pöhla im Erzgebirge genehmigt, wo vor allem Zinn, aber auch Wolfram, Flussspat und Indium gewonnen werden sollen.

Bergbauprojekte erfordern langen Atem und hohe Investitionen

Auch Saxore treibt Pläne für ein Bergwerk voran. Für die Lagerstätte in Tellerhäuser liegt der sogenannte Rahmenbetriebsplan beim Oberbergamt zur Prüfung. Wird dieser genehmigt, könnte mit dem Auffahren des Bergwerks begonnen werden. Realistisch ist ein Probebetrieb frühestens im Jahr 2029. Derzeit wird mit einer Jahresproduktion von 500.000 Tonnen Zinn-Erz kalkuliert, aus denen etwa 2.500 Tonnen Zinn gewonnen werden könnten.

Für solche Vorhaben sind jedoch ein langer Atem und erhebliche finanzielle Mittel erforderlich. Laut Faust sind Investitionen in Höhe von etwa 150 bis 200 Millionen Euro für ein solches Bergwerk nötig. Das Tellerhäuser-Projekt wird bereits seit 15 Jahren bearbeitet, was die Komplexität und Dauer solcher Unternehmungen unterstreicht.

Strategische Vorbereitung für künftige Versorgungsengpässe

In Bezug auf das Vorkommen in Gottesberg betont Faust, dass das Ziel nicht der kurzfristige Beginn des Bergbaus ist. Vielmehr geht es um eine fundierte, mittelfristige Vorbereitung. Sollte es künftig zu Versorgungsengpässen oder Lieferunterbrechungen kommen, will das Unternehmen belastbare Daten darüber haben, welche Ressourcen verfügbar sind und wie sie verantwortungsvoll erschlossen werden können.

Preisentwicklung und Wirtschaftlichkeit

Die Preisentwicklung für Zinn hat zuletzt für entsprechende Bergbaupläne in Sachsen gesprochen. Der Börsenpreis für Zinn war jüngst zeitweise auf mehr als 55.000 US-Dollar je Tonne geklettert, während er vor einem Jahr noch unter 30.000 US-Dollar lag. Faust erklärt jedoch, dass für die laufenden Projekte die Wirtschaftlichkeitsgrenze bei einem Preis von deutlich unter 20.000 US-Dollar liegt, was eine gewisse Stabilität auch bei Preisschwankungen gewährleisten soll.

Diese Neubewertung unterstreicht das wachsende Interesse an heimischen Rohstoffvorkommen und die strategische Bedeutung des Erzgebirges für die deutsche und europäische Industrie.

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