Bodo Ramelow wird 70: Kein Ruhestand in Sicht, aber ein zeitliches Limit für die Politik
Bodo Ramelow mit 70: Politik-Limit gesetzt, aber kein Ruhestand

Bodo Ramelow feiert 70. Geburtstag im kleinen Kreis

Der ehemalige Ministerpräsident Thüringens und aktuelle Bundestags-Vizepräsident Bodo Ramelow begeht seinen 70. Geburtstag am Montag nicht mit großer öffentlicher Feier, sondern im engsten Familienkreis. „Ich begehe den 70. im ganz kleinen Familienkreis – keine zehn Leute. Jeder von ihnen ist mir sehr wichtig“, erklärt der Linke-Politiker im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Aufwendige Huldigungen mit Stehempfängen und Blumengrüßen lehnt er entschieden ab.

Vom Thüringer Regierungschef zum Bundestags-Vize

Bodo Ramelow war als linker Ministerpräsident in Thüringen lange Jahre eine politische Besonderheit in Deutschland. Nach dem Mauerfall kam der gebürtige Niedersachse als Gewerkschaftsfunktionär nach Thüringen und wechselte in den 1990er Jahren in die Politik. Nach der Landtagswahl 2024, bei der die Linke Stimmen verlor und Ramelow keine dritte Amtszeit möglich war, engagierte er sich bei den „Silberlocken“ seiner Partei. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2025 gewann er seinen Wahlkreis in Erfurt und wurde mit 69 Jahren zum Bundestags-Vizepräsidenten gewählt.

Sein Terminkalender ist nach wie vor prall gefüllt, ähnlich wie während seiner Zeit als Regierungschef. Kurz vor seinem Geburtstag besuchte er das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und sprach bei der Eröffnung des ersten Moschee-Neubaus in Thüringen. „Wenn ich etwas mache, mache ich es ganz“, betont Ramelow.

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Ein klares Limit für die aktive Politik

Über das Älterwerden denkt Ramelow pragmatisch nach. „Manchmal denke ich, ich bin wie das sprichwörtliche alte Zirkuspferd.... Aber irgendwann ist Schluss“, sagt er. Er hat sich für die aktive Politik ein zeitliches Limit gesetzt: noch drei Jahre bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode. Für eine weitere Amtszeit im Bundestag wird er definitiv nicht kandidieren.

Wichtig ist ihm, körperlich und geistig fit zu bleiben. Er und seine Frau haben sich E-Bikes zugelegt, und sie gehen regelmäßig mit Hündin Lilo um die Bleilochtalsperre spazieren, wo das Ehepaar ein Ferienhaus besitzt. „Wenn Leute verblüfft sind, dass ich 70 bin, dann freut mich das“, gesteht Ramelow. Er lernt immer noch dazu, auch von jungen Menschen – die Linke hat schließlich die jüngste Fraktion im Bundestag.

Die Zukunft nach der Politik

Wenn Ramelow über die Zeit nach der aktiven Politik spricht, schweift er nicht in ferne Zukunftsvisionen ab, sondern bleibt in der Gegenwart verankert. Sein aktuelles Buch beim Verlag CH Beck ist ein Erfolg, und ein zweites Buchprojekt beim Verlag bene! ist bereits in Arbeit. Es soll noch in diesem Jahr auf der Buchmesse vorgestellt werden.

Ramelow kann sich vorstellen, auch nach seiner politischen Karriere als Schlichter bei Tarifkonflikten tätig zu sein. Erfahrungen hat er bereits bei Auseinandersetzungen mit Lokführern, Lufthansa-Bodenpersonal oder der BVG Berlin gesammelt. Seine Themen bleiben Religion, Bildung und sozialer Zusammenhalt. Und natürlich will er das Grundstück an der Talsperre genießen – „wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen“. „Es wird nicht so sein, dass ich meiner Frau auf die Nerven gehe“, versichert Ramelow mit einem Schmunzeln.

Finanziell profitiert er nicht übermäßig von seinem Bundestagsmandat. Seine gesetzliche Rente als ehemaliger Gewerkschafter würde halbiert, und seine Ministerpräsidentenpension wird komplett mit den Abgeordnetenbezügen verrechnet. „Das ist in Ordnung, weil es um öffentliche Gelder geht“, erklärt er nüchtern.

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