Demokratiefest als Antwort auf AfD-Parteitag in Erfurt
Vier bekannte Thüringer Bundestagsabgeordnete haben zu einem großangelegten Demokratiefest in Erfurt aufgerufen. Die Veranstaltung soll als bewusstes Gegensignal zum geplanten Bundesparteitag der AfD in der Thüringer Landeshauptstadt dienen. Unter den Initiatoren befinden sich der ehemalige Ministerpräsident und aktuelle Vize-Bundestagspräsident Bodo Ramelow von den Linken, die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, Bundesumweltminister Carsten Schneider von der SPD sowie Michael Hose von der CDU.
Historisch belastetes Datum sorgt für Kontroversen
Der AfD-Parteitag ist für den 4. und 5. Juli 2026 in Erfurt angesetzt – ein Datum, das besondere historische Bedeutung trägt. Genau 100 Jahre zuvor, am 4. Juli 1926, fand nicht nur der zweite Reichsparteitag der NSDAP in Thüringen statt, sondern an diesem Tag wurde auch die Hitlerjugend gegründet. Diese zeitliche Koinzidenz hat bereits seit Wochen zu scharfer Kritik geführt, obwohl die AfD etwaige Parallelen zurückweist.
In einem gemeinsamen Aufruf betonen die vier Abgeordneten: „Erfurt darf nicht als Ort in die Geschichte eingehen, an dem Rechtsextremismus normalisiert wird.“ Sie laden bewusst zur selben Zeit zu einem Fest der Demokratie ein, das als positive Alternative verstanden werden soll. Bodo Ramelow erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass es dabei keine starren Vorgaben gebe, sondern vielmehr eine Plattform für vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen werden solle.
Breites Bündnis für demokratische Werte
Laut Ramelow haben bereits zahlreiche Vereine, Institutionen und Organisationen den Aufruf unterzeichnet, darunter auch Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften und Kirchen. „Das ist alles in einer großen Vielfalt eingebettet“, so der Linken-Politiker. Die vier Abgeordneten betonen in ihrer gemeinsamen Erklärung, dass Demokratie nicht selbstverständlich sei, sondern aktive Beteiligung erfordere. „Der beste Schutz der Verfassung ist ihre gelebte Praxis“, heißt es in dem Text, der von allen vier Politikern gemeinsam verfasst wurde.
Katrin Göring-Eckardt unterstrich die Bedeutung des Engagements über Parteigrenzen hinweg: „Es gibt Dinge, die größer sind als das Parteibuch. Die Freiheit und die Demokratie in unserem Land gemeinsam zu verteidigen, gehören dazu.“ Sie bezeichnete die AfD als Gefahr für die Freiheit und verwies auf Erfurts weltoffenen Charakter sowie seine jüdische Geschichte und demokratische Tradition.
Sicherheitsbehörden bereiten sich auf Großveranstaltung vor
Die Sicherheitsbehörden rechnen bereits mit Zehntausenden Teilnehmern an dem Juli-Wochenende. Vor diesem Hintergrund betonte Ramelow ausdrücklich, dass es sich bei dem Aufruf nicht um eine Aufforderung zu Blockaden oder gewaltsamen Aktionen handele: „Wir wollen dem finsteren Treiben ein fröhliches Gesicht entgegenstellen.“ Er verwies dabei auf Ausschreitungen, die bei einer Neugründung der AfD-Jugendorganisation in Gießen im vergangenen Jahr stattgefunden hatten.
Besonders ungewöhnlich findet Ramelow die Wahl Thüringens als Austragungsort für den Bundesparteitag, da hier keine Landtagswahl anstehe. Er vermutet, dass die Partei damit ihrem Landesvorsitzenden Björn Höcke den roten Teppich ausrollen wolle. Die Thüringer AfD unter Höcke wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und entsprechend beobachtet.
Kulturelle Veranstaltungen unabhängig vom politischen Geschehen
Unabhängig von den politischen Veranstaltungen sind in Erfurt an dem betreffenden Wochenende auch große Konzerte geplant. So werden unter anderem Auftritte des aus Erfurt stammenden Musikers Clueso und von Roland Kaiser erwartet. Diese kulturellen Highlights könnten zusätzlich Besucher in die Stadt locken und für eine besondere Atmosphäre sorgen.
Das geplante Demokratiefest versteht sich somit nicht nur als politische Gegenveranstaltung, sondern auch als bewusste Betonung der vielfältigen und lebendigen Zivilgesellschaft in Thüringen. Die Initiatoren hoffen auf eine breite Beteiligung aus allen gesellschaftlichen Bereichen, um ein deutliches Zeichen für demokratische Werte und gegen rechtsextreme Tendenzen zu setzen.



