Freitag der 13.: Volkskundlerin erklärt Ursprung und Funktion von Aberglauben
Freitag der 13.: Ursprung und Funktion von Aberglauben

Freitag der 13.: Die tiefen Wurzeln und modernen Formen des Aberglaubens

Wenn der Kalender den Freitag, den 13. anzeigt, bleibt dieser Tag selten ohne Kommentar. Der Aberglaube rund um dieses Datum ist auch in Thüringen weit verbreitet und fest in der kollektiven Vorstellungswelt verankert. „Schwarze Katzen bringen Unglück, oder das Durchgehen unter einer Leiter – diese Vorstellungen existieren nach wie vor in unserer Gesellschaft, und Freitag, der 13. ist dabei ein besonders hartnäckiger Klassiker“, erläutert Jana Kämpfe, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen in Hohenfelden.

Christliche Ursprünge und symbolische Zahlen

Die Wurzeln der Vorstellung von Freitag, dem 13. als Unglückstag führt Kämpfe direkt auf den christlichen Glauben zurück. „Beim letzten Abendmahl saßen zwölf Apostel gemeinsam mit Jesus, und am Ende sind zwei von ihnen tot – Jesus stirbt am Kreuz, und Judas begeht Selbstmord“, erklärt die Expertin. Der Zahl 13, ebenso wie anderen ungeraden Zahlen, wurde daher eine unheilvolle und bedrohliche Bedeutung zugeschrieben. Historische Aufzeichnungen belegen, dass bereits im Mittelalter dreizehn Gäste an einer festlichen Tafel als Unglücksbringer betrachtet wurden.

Auch die Auffassung des Freitags als Pechtag lässt sich laut Kämpfe auf diese religiösen Hintergründe zurückführen. Sie verweist dabei insbesondere auf den Karfreitag, an dem Christen traditionell an die Verurteilung und das Leiden Jesu bei der Kreuzigung erinnern. „In der Kombination ergeben die Zahl 13 und der Freitag im Aberglauben somit einen regelrechten Superlativ im Negativen“, fasst die Volkskundlerin prägnant zusammen.

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Psychologische Funktion und moderne Adaptionen

Dass sich Aberglaube bis in die heutige Zeit hält, erklärt sich Kämpfe mit der grundlegenden Natur des Menschen: „Wir sind nicht ausschließlich rational, sondern auch emotional geprägt. Es gibt unzählige Dinge im Leben, die wir nicht beeinflussen oder kontrollieren können.“ Aberglaube vermittle in solchen Situationen das tröstliche Gefühl, doch eine gewisse Kontrolle über das Unkontrollierbare zu besitzen. „Man glaubt, Schlechtes vermeiden zu können, indem man einfach nicht unter einer Leiter hindurchgeht“, beschreibt Kämpfe diesen psychologischen Mechanismus.

Als eine Art modernen Aberglauben führt die Expertin zudem persönliches „magisches Denken“ an. Ein typisches Beispiel hierfür sind Sportler, die unbedingt ein spezielles Paar sogenannter „Glückssocken“ tragen müssen, um mit einem positiven Gefühl und gestärktem Selbstvertrauen in einen Wettkampf zu starten.

Regionale Bräuche und thüringische Besonderheiten

Mit Blick auf Thüringen weiß Jana Kämpfe von spezifischen abergläubischen Bräuchen zu berichten, die tief in der regionalen Kultur verwurzelt sind. So existierte beispielsweise die Vorstellung, dass ein Ei, das zu Ostern über einen Stall geworfen wird, die darin untergebrachten Tiere und das gelagerte Getreide wirksam schützen könne. Solche Bräuche verdeutlichen, wie Aberglaube nicht nur universelle Phänomene umfasst, sondern auch lokale Traditionen und Glaubensvorstellungen prägt.

Insgesamt zeigt die Analyse der Volkskundlerin, dass Aberglaube – von Freitag, dem 13. bis zu individuellen Glücksritualen – eine komplexe Mischung aus historischen, religiösen und psychologischen Elementen darstellt, die bis heute relevant bleibt.

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