Goethes grüner Daumen: Die gärtnerische Seite des Dichterfürsten in Weimar
Weimar in Thüringen ist untrennbar mit Johann Wolfgang von Goethe verbunden, doch nicht nur seine literarischen Werke prägen die Stadt. Der Dichterfürst entpuppte sich auch als leidenschaftlicher Gärtner, der in Weimar zahlreiche grüne Spuren hinterließ. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach lockte Goethe erfolgreich in die Stadt und schenkte ihm ein Gartenhaus, das zum Ausgangspunkt seiner botanischen Aktivitäten wurde.
Vom Wohnhaus am Frauenplan zum Gartenhaus an der Ilm
Rund 40 Jahre lebte Goethe in seinem Anwesen am Frauenplan, wo heute ein Museum steht. Der Garten dort soll bis zur geplanten Wiedereröffnung im Jahr 2030 neu angelegt werden, um authentischer an die Goethezeit heranzurücken. „In der Neukonzeption wird es neben dem bisherigen Ziergarten auch wieder einen Nutzgarten geben“, erklärt Michael Sperber von der Klassik Stiftung Weimar. „Wir wollen damit den Dichter als Naturwissenschaftler zeigen, der er war.“ Zu Goethes Lebzeiten spross dort reichlich Gemüse, besonders Spargel als seine Leibspeise.
Ein regulärer Besuch von Goethes Wohnhaus ist nach der Saison 2026 erst ab 2030 wieder möglich. Doch Geduld ist nicht nötig, denn das Weinberghaus an der Ilm, auch Goethes Gartenhaus genannt, bietet eine Alternative. Nur zehn Minuten zu Fuß von Weimars Zentrum entfernt, plante Goethe hier seinen ersten eigenen Garten und drängte Hofgärtner zur sofortigen Umsetzung. „Zwischendurch gärtnerte Goethe auch selbst“, sagt Stephan Herbarth von der Klassik Stiftung, „jedoch schleppte er sicherlich keine schweren Steine.“
Gartenkunst und Welterbe: Goethes Einfluss auf die Parklandschaft
In den langen Blumenrabatten von Goethes Gartenhaus blüht es monatelang: Rosen, bunte Stauden, Astern und eine geradlinige „Allee aus Malven“. Der obere Obstgarten folgt den Prinzipien des Englischen Landschaftsgartens. Goethe und Herzog Carl August verwandelten einst sumpfige Wiesen in den idyllischen Park an der Ilm, der heute zum UNESCO-Welterbe gehört. „Der Spaziergang im Grünen war erfunden“, erläutert Franziska Rieland von der Klassik Stiftung.
Markante Parkdenkmäler wie das Römische Haus zeugen von dieser Schaffensperiode. Goethes Gartendenkmal „Stein des guten Glücks“ rief 1777 Entrüstung hervor, da es abstrakt und nicht figürlich gestaltet war – ein Zeichen seiner Vorreiterrolle.
Weitere grüne Schauplätze: Von Schloss Kochberg bis zum Kirms-Krackow-Haus
Ein Besuch in Großkochberg, 15 Kilometer von Weimar entfernt, führt zu Schloss Kochberg, wo Goethe seine angebetete Frau von Stein besuchte. Das angeschlossene Liebhabertheater lässt das Lebensgefühl der Weimarer Klassik aufleben. „Mit unseren Vorstellungen in historischer Aufführungspraxis wollen wir die Epoche wiederbeleben“, sagt Silke Gablenz-Kolakovic, die künstlerische Leiterin.
In Weimar selbst zeigt das Kirms-Krackow-Haus, wie ein Bürgergarten zu Goethes Zeiten aussah. „Oftmals kam Goethe im Garten von Franz Kirms zu Besuch“, erklärt Kurator Christian Hill. „Kirms war verrückt nach Nelken und Primeln, den Modeblumen der Goethezeit.“ Goethes spätere Ehefrau Christiane Vulpius kümmerte sich maßgeblich um seine Privatgärten, stets unter seiner Aufsicht. Bis zu seinem Tod blieb die Leidenschaft fürs Grüne lebendig – neben seinem Totenbett fanden sich To-do-Listen mit präzisen Gartenanweisungen.
Praktische Informationen für Besucher
Die Gärten in Weimar sind zumeist kostenlos zugänglich, nur der Garten am Wohnhaus kostet Eintritt. Empfehlenswert sind auch der englische Landschaftsgarten von Schloss Tiefurt und der Barockgarten von Schloss Belvedere. Blühzeiten variieren von Tulpen im Frühling bis zu Dahlien im Spätsommer. Ausstellungen und Aktivitäten, wie im Liebhabertheater von Schloss Kochberg, bieten vertiefende Einblicke in Goethes Welt.



