Thüringer Wirtschaft profitiert von Milliardeninvestitionen in Militärtechnik
In Deutschland und Europa sollen in den kommenden Jahren hohe Milliardenbeträge in Militärausrüstung und Verteidigungstechnologie fließen. Diese Entwicklung eröffnet nach Ansicht von Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John erhebliche Chancen für die regionale Wirtschaft. Die CDU-Politikerin betonte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt, dass dieses Potenzial unbedingt genutzt werden müsse.
Breites Spektrum an Möglichkeiten
Das Spektrum möglicher Beteiligungen sei außerordentlich breit gefächert und reiche von klassischen Zulieferteilen der Metall- und Elektroindustrie bis hin zu hochmodernen Systemen zur Erkennung und Abwehr von Drohnen. Besonders hervorgehoben wurde der Einsatz Künstlicher Intelligenz beim Schutz kritischer Infrastruktur, ein Bereich mit wachsender strategischer Bedeutung.
„Da gibt es Potenzial. Das dürfen wir nicht liegenlassen“, erklärte Ministerin Boos-John mit Nachdruck. Bereits heute seien verschiedene Thüringer Firmen in diesen Zukunftsfeldern aktiv. Als konkretes Beispiel nannte sie einen Softwareentwickler, der sich bereits intensiv mit Technologien zur Drohnenabwehr beschäftige.
Chancen für Automobilzulieferer
Besondere Aufmerksamkeit richtet die Ministerin auf die zahlreichen Automobilzulieferer im Freistaat, die derzeit einen schwierigen Transformationsprozess durchlaufen. Viele dieser Unternehmen verfügten über hochmoderne, stark automatisierte Fertigungskapazitäten, die sich relativ flexibel an neue Anforderungen anpassen ließen. Diese technologische Basis könne bei Aufträgen aus dem Bereich der Militärtechnik einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen.
Erste konkrete Gespräche laufen
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums laufen bereits verschiedene Gespräche mit Unternehmen über mögliche Investitionen in Produktionsstätten in Thüringen. Firmennamen wollte Ministerin Boos-John aus vertraulichen Gründen nicht nennen, bestätigte aber das rege Interesse internationaler Akteure.
Andreas Krey, Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft, hatte kürzlich bekannt gegeben, dass Thüringen bei einigen internationalen Rüstungsinvestitionen in der engeren Standortwahl stehe. Internationale Produzenten von Militärtechnik suchten derzeit aktiv nach Standorten für zusätzliche Produktionskapazitäten, was mit dem europäischen Ziel zusammenhänge, in diesem Bereich unabhängiger von den USA zu werden.
Breites Investoreninteresse
Insgesamt befinde sich Thüringen derzeit mit etwa 370 möglichen Investoren oder Unternehmen in Gesprächen – darunter auch mehrere aus dem Bereich der Militärtechnik. Der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung liege jedoch weiterhin auf den traditionellen Stärken des Landes: Optik, Elektronik, Elektro- und Medizintechnik, aber auch Umwelttechnik und Maschinenbau.
Bei 66 Projekten seien die Verhandlungen bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und als realisierungsnah einzustufen, teilte das Ministerium mit. Diese positive Entwicklung unterstreiche die wachsende Attraktivität Thüringens als Wirtschaftsstandort für zukunftsorientierte Technologien.



