Der Absturz eines einstigen NBA-Superstars
Ja Morant zählte einst zu den größten Stars der NBA. Durch Eskapaden neben dem Feld und anhaltende Verletzungsprobleme brachte er sich selbst aufs Abstellgleis. Die Frage stellt sich immer drängender: Hat er sein letztes Spiel für die Memphis Grizzlies bereits absolviert?
Vom Megastar zur negativen Schlagzeile
Vom einstigen Hype um den NBA-Megastar ist nahezu nichts mehr übrig. Stattdessen dominieren um Ja Morant negative Schlagzeilen: schwankende Leistungen, Eskapaden abseits des Feldes und massive Verletzungsprobleme. Zuletzt kursierten Trade-Gerüchte, die jedoch ins Nichts verliefen. Die Memphis Grizzlies konnten ihre einstige Hoffnung nicht loswerden, da vernünftige Angebote fehlten. Mehr denn je stellt sich die Frage, ob Morant je wieder für die Grizzlies auflaufen wird.
Vor wenigen Tagen, am 19. Februar, vermeldete Memphis, dass Morant wegen einer Ellenbogenverletzung mindestens zwei weitere Wochen ausfallen werde. Der Guard mache zwar Fortschritte in seiner Rehabilitation, habe aber weiterhin Beschwerden. Ein Spieler, der nicht spielt und den keiner will – ein Umstand, der vor wenigen Jahren noch völlig unvorstellbar schien.
Der steile Aufstieg zum Superstar
Zum Start seiner NBA-Karriere begeisterte Morant die Liga mit seinem Spielwitz und spektakulären Dunks. Der zweite Pick des NBA-Drafts 2019 galt als eines der zukünftigen Gesichter der Liga. Gleich in seiner Rookie-Saison überzeugte der Point Guard mit 17,8 Punkten und 7,3 Assists pro Spiel und wurde zu Recht zum Rookie of the Year ausgezeichnet.
In den folgenden Jahren steigerte er sich kontinuierlich. In der Saison 2021/22 wurde Morant zum absoluten Superstar: Er verbesserte sein Scoring auf 27,4 Punkte im Schnitt bei 6,7 Assists pro Spiel. Die Belohnungen folgten prompt: Auszeichnung als Most Improved Player, Platz sieben im MVP-Voting, erste All-Star-Nominierung und Wahl ins NBA-All-Second-Team. Seine Spielweise begeisterte die Fans – der nur 1,88 Meter große Morant nutzte seine Athletik für spektakuläre Dunks über deutlich größere Gegenspieler.
Der Beginn des Niedergangs
Die Saison 2022/23 sollte die letzte sein, in der Morant sportlich positive Schlagzeilen schrieb. Mit 26,2 Punkten und 8,1 Assists pro Spiel erreichte er Platz zwölf im MVP-Voting und seine zweite All-Star-Nominierung.
Doch im März 2023 zeigte er sich in einem Instagram-Livestream mit einer Schusswaffe in einem Stripclub. Es folgte eine Sperre von acht Spielen. Einen Lerneffekt hatte dies nicht: Im Mai desselben Jahres wiederholte sich der Vorfall. Erneut zeigte er sich in einem Livestream mit einer Waffe. Die Grizzlies suspendierten ihn daraufhin, die NBA sperrte ihn für 25 Spiele.
Sportlicher und persönlicher Absturz
Auch sportlich ging es bergab. In der Saison 2023/24 absolvierte Morant nur neun Spiele – insgesamt sind seit Saisonstart 23/24 lediglich 79 Partien zusammengekommen. Zu den Sperren gesellten sich zunehmende Verletzungsprobleme.
In der aktuellen Spielzeit sanken seine Statistiken auf den niedrigsten Wert seit der Saison 2020/21. In 20 Einsätzen erzielte er nur noch 19,5 Punkte pro Spiel. Speziell seine Wurfquoten gingen dramatisch in den Keller: 41 Prozent aus dem Feld und bescheidene 23,5 Prozent von hinter der Dreierlinie. Das ist deutlich zu wenig für einen Spieler, der noch bis 2028 unter Vertrag steht und knapp 39 Millionen Dollar pro Saison verdient.
Da Morant zudem immer wieder mit Trainer Tuomas Iisalo aneinander geraten sein soll, wollte Memphis ihn traden. Das erhoffte große Paket aus jungen Spielern und Draft Picks wollte jedoch niemand bieten, weshalb Morant blieb – und aktuell weiterhin nicht spielt.
Der fragwürdige Auftritt in Berlin
Der weiterhin erst 26-Jährige zeigte sich über die Gerüchte rund um seine Person verärgert. Beim NBA-Spiel seiner Grizzlies gegen die Orlando Magic am 15. Januar in Berlin wurde er auf einer Pressekonferenz mit den Trade-Gerüchten konfrontiert. Er beantwortete alle Fragen mit maximal einem Satz oder Gegenfragen.
Exemplarisch dafür war das Wortgefecht mit einem US-Journalisten: „Bin ich der Einzige, mit dem du gesprochen hast?“, fragte Morant zurück. Als der Journalist antwortete, dass er mit Leuten aus dem Team und Grizzlies-Mitarbeitern gesprochen habe, sagte er nur: „Ah, okay. Nächste Frage!“ Ein weiterer Journalist konfrontierte ihn mit den Wechselgerüchten – Morant begann nur zu lachen und antwortete: „Ich sehe sie. Es ist cool. Ich finde sie lustig.“
Nach nicht einmal zehn Minuten war die Pressekonferenz beendet. Im anschließenden Training setzte sich die seltsame Morant-Show fort: Zunächst schlurfte er nur herum und nahm in 15 Minuten kein einziges Mal den Ball in die Hand, um dann plötzlich komplett energiegeladen zu sein und mit Teamkollege Vince Williams Jr. anzueinandergeraten. Das Wortgefecht dauerte über eine Minute und war für die Hunderten anwesenden Journalisten deutlich zu vernehmen.
Beim Spiel gegen Orlando in Berlin kam er nicht zum Einsatz – sehr zum Ärger von NBA-Chef Adam Silver, der die Attraktion Morant bei diesem globalen Ereignis natürlich präsentieren wollte. „Ich hätte mir gewünscht, dass er spielen kann. Vielleicht kann er in London mitwirken. Aber klar, ich bin enttäuscht. Er hat eine enorme weltweite Fangemeinde“, sagte Silver überraschend deutlich.
Kurzes Comeback und erneute Verletzung
Immerhin beim zweiten internationalen Spiel der NBA in London kehrte Morant tatsächlich auf das Parkett zurück und überzeugte sportlich. Beim 126:109-Sieg gegen die Magic erzielte er 24 Punkte und 13 Assists und bekannte sich im Nachhinein öffentlich zu den Grizzlies.
Auch in den folgenden Partien spielte Morant gut auf und steuerte durchschnittlich 25,3 Punkte und 8,5 Assists bei. Das Problem: Bereits im vierten Einsatz verletzte er sich erneut. Mit einer Ellenbogenverletzung fällt er seitdem aus – und spielt womöglich nie wieder für sein Team.
Denn ob die Play-ins für Memphis (21 Siege, 35 Niederlagen) wirklich ein realistisches Ziel sind – bei sechs Siegen Rückstand auf die zehntplatzierten Clippers –, ist zu bezweifeln; vor allem nach dem Trade von Jaren Jackson Jr. Warum also in den verbleibenden Saisonspielen auf einen vermeintlichen Unruhestifter setzen, den man ohnehin traden will, und nicht auf Spieler, die man auch zukünftig im Team sieht?
Eine ungewisse Zukunft
Zur Wahrheit gehört: Morant ist erst 26 Jahre alt und hat weiterhin große Qualitäten. Sollte er sich auf das besinnen, was er kann, seine Fähigkeiten dem Teamerfolg unterordnen und nur noch sportlich für Aufsehen sorgen, kann seine NBA-Geschichte noch eine erfolgreiche Wendung nehmen.
Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch groß, dass dies wenn dann außerhalb von Memphis passieren müsste und die Grizzlies weniger Gegenwert bei einem Tauschgeschäft erhalten würden, als sie sich einst erhofft haben – und das bei einem 26-Jährigen mit dieser sportlichen Vita eigentlich angebracht wäre.
„Es ist immer noch ein bisschen schockierend zu sehen, wie sein Wert so stark gefallen ist, aber das ist jetzt einfach die Realität“, schreibt auch die Sports Illustrated. Fragezeichen bestehen reichlich – dafür hat Morant selbst gesorgt. Seine NBA-Karriere steht an einem kritischen Wendepunkt.



