Endre Strömsheim gehörte in der Saison 2024/25 zu den dominierenden Athleten im norwegischen Biathlon-Team. Er führte zeitweise den Gesamtweltcup an und krönte sich bei den Weltmeisterschaften in der Lenzerheide zum Doppel-Weltmeister in der Staffel und im Massenstart. Doch nur etwas mehr als ein Jahr später hat sich sein sportlicher Werdegang radikal verändert. Der 28-Jährige ist aus den norwegischen Nationalkadern gestrichen worden.
Absturz vom Weltmeister zum Aussortierten
Noch vor Kurzem war Strömsheim fester Bestandteil des norwegischen Top-Teams um Johannes Thingnes Bö, Tarjei Bö und Sturla Holm Laegreid. Den Auftakt des Winters 2024/25 gewann er sogar und trug kurzzeitig das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Seinen Leistungszenit erreichte er bei der WM 2025, als er mit der Staffel Gold holte und tags darauf im Massenstart erneut triumphierte. „Ich wusste, dass die Medaillen erst in der letzten Runde vergeben werden. Mein Fokus lag darauf, Energie zu sparen und gut zu schießen. Der Plan ist perfekt aufgegangen“, sagte Strömsheim damals. Doch nun ist von dieser Glanzzeit nichts mehr übrig.
Miserable Saison 2025/26
Der norwegische Verband gab am Mittwoch bekannt, dass weder Strömsheim noch sein Teamkollege Vebjörn Sörum künftig zum Elitekader gehören. Selbst im B-Team sind sie nicht mehr vorgesehen. Stattdessen rücken Johan-Olav Botn und Isak Frey in die A-Mannschaft auf. Biathlon-Legende Ole Einar Björndalen zeigte Verständnis für die Entscheidung: „Beide hatten, gemessen an den Erwartungen, eine miserable Saison. Einer hatte Rückenprobleme, der andere hatte andere Herausforderungen. In dieser Mannschaft könnten zehn Läufer sein, aber es gibt nur sieben Plätze im Elitekader.“
Der sportliche Absturz von Strömsheim zeichnete sich bereits früh ab. Zum Auftakt des Weltcups 2025/26 in Östersund landete er nur auf den Rängen 56, 52 und 38 und sammelte lediglich drei Punkte. Daraufhin verlor er seinen Platz im Weltcup-Team und startete im zweitklassigen IBU-Cup, wo er ebenfalls enttäuschte. Ende Januar erhielt er in Nove Mesto eine letzte Chance im Weltcup, während die Olympiafahrer bereits im Trainingslager waren. Doch das Rennen endete im Desaster: Nach drei fehlerfreien Anschlägen leistete er sich im letzten Stehendschießen fünf Fehler und fiel auf Rang 84 zurück. „Alles ist komplett auseinandergefallen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. So etwas habe ich noch nie erlebt“, gestand Strömsheim anschließend.
Vorzeitiges Saisonende und Kaderausschluss
Nach dem Debakel zog Strömsheim die Konsequenzen und beendete die Saison vorzeitig. „Dieses Jahr lief einfach alles schief: Krankheiten, das Schießen, die Form. Irgendwann stellt sich die Frage, ob es Sinn ergibt, weiter gegen die Wand zu laufen“, erklärte er. Die verspätete Quittung folgte nun mit dem Kaderausschluss. Ohne Zugehörigkeit zu einem Kader muss der ehemalige Weltmeister bei Null anfangen. Der Weg zurück an die Spitze wird angesichts der starken Konkurrenz in Norwegen und dem Aufstieg Frankreichs zur führenden Biathlon-Nation steinig.



