Die „Fette Elke“ ist ein cooler Club auf Rädern und damit das kleinste mobile Tanzlokal des Landes. Nun wurde das Stralsunder Projekt mit dem Nordkurier-Musikinitiativpreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet. Auch für seine besondere Botschaft in entlegenen Regionen.
Überraschung im Stic-er Theater
Da staunten die überwiegend jungen Gäste des Stralsunder Stic-er Theaters nicht schlecht, als sie am Sonntag nach dem lustigen Kinderkonzert „Unterwegs nach Umbidu“ im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern noch auf eine Party eingeladen wurden. Im Theaterhof stand ein rotweißes Wohnmobil, genannt die „Fette Elke“. Wie ein aus Hollywoodfilmen bekannter „Gangster-Lowrider“ wippte dieser zum Mini-Tanzlokal umgebaute Mercedes Sprinter im Rhythmus der Musik. Drinnen dröhnten die Bässe: Zehn, vielleicht zwölf Kinder hüpften und kreischten gleichermaßen wild auf der sechs Quadratmeter kleinen Tanzfläche. Sie brachten den Wagen ordentlich zum Schaukeln.
Freude über die Auszeichnung
Doch die Kids waren an diesem Nachmittag nicht die einzigen mit leuchtenden Augen. Auch das Team der „Fetten Elke“ um Projektleiter Sebastian Schubert (42) hatte guten Grund zum Feiern. Soeben wurden die Stralsunder mit dem Nordkurier-Musikinitiativpreis der Festspiele MV ausgezeichnet. Der mit 5000 Euro dotierte Preis unterstützt vor allem solche Kulturschaffenden oder Initiativen, denen die menschenverbindende Kraft der Musik, das kulturelle Miteinander in der Region, schlicht eine Herzensangelegenheit ist.
„Die Nordkurier Mediengruppe und die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern setzen sich aus Überzeugung dafür ein, dass die ländliche Region nicht verödet, sondern bunt und beschwingt bleibt“, sagte Lutz Schumacher, Geschäftsführer der Nordkurier Mediengruppe. Die „Fette Elke“ passe wunderbar zu diesem Anliegen.
Politische Botschaft
„Einen großartigen Gewinner“, nannte die Intendantin der Festspiele MV Ursula Haselböck den Träger des 2. Nordkurier-Musikinitiativpreises. „Genau so sollen Musikinitiativen im Land sein!“ Das mobile Tanzlokal bringe Leben in dünn besiedelte Landstriche, engagiere sich für deren Attraktivität und leiste damit einen „wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft“.
„Ich bin überglücklich. Was für eine tolle Anerkennung“, freute sich Sebastian Schubert, der kreative Kopf hinter dem Fette Elke Tanzlokal, dessen Trägerverein übrigens Rock gegen Rechts MV ist. Wann immer die 27 Jahre alte Sprinter-Dame schunkelnd übers Land fährt und als der landesweit wohl einzige Chillout-Club auf Rädern junge Leute gerade auch in abgelegenen Orten bespaßen möchte, schwingt also eine politische Message mit: „Wir sehen es ja tagtäglich, warum es wichtig ist, ein Zeichen gegen Rechts zu setzen“, sagte Schubert, der das über Gagen, Spenden und Fördermittel finanzierte Projekt 2016 ins Leben gerufen hat.
Von Festival zu Festival
Auf dem Festival „Wasted In Jarmen“ absolvierte die Fette Elke damals ihren ersten Einsatz. Es folgten Engagements unter anderem beim Detect Classic Festival der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Sieben Jahre später kann das mobile Tanzlokal auf einen Stamm von 20 bis 25 DJs und Helfern zurückgreifen. „Auf Festivals machen wir nach der letzten Band gern den Abriss für all diejenigen, die noch nicht schlafen gehen wollen“, erzählte Sebastian Schubert mit einem Augenzwinkern.
Der Name und die Technik
Bis zu 25 Feiernde passen maximal in den Wagen, der dank seines Hochdachs eine Deckenhöhe von 2,50 Meter aufweist. Das Tolle an diesem zwischen April und September umhertourenden Kleinst-Club: Bei geschlossenen Türen schallt recht wenig Lärm nach außen. „Theoretisch könnten wir auch mitten in der Stadt lange Party machen, ohne dass es Ärger gibt“, meinte der Gründer des Projekts. Ihren zugegeben uncharmanten Namen verdankt die „Fette Elke“ übrigens einem Achtziger-Jahre-Hit der Band „Die Ärzte“. Sebastian Schubert zitierte die für ihn ausschlaggebende Songzeile: „Im Sommer gibt sie Schatten und im Winter hält sie warm“.
Wenig später ertönte an diesem Nachmittag noch der ein oder andere Song der angeblich „besten Band der Welt“ aus den Lautsprechern. Inzwischen hatten auch etliche Erwachsene ihr Tanzbein in dem teils mittlerweile schon sehr angerosteten Auto geschwungen.
Preisgeld für Reparaturen
„Wir freuen uns, dass wir insgesamt 14 wunderbare Einreichungen für den 2. Musikinitiativpreis hatten“, sagte Jurymitglied Peter Kranz, Leiter des Landesmarketings Mecklenburg-Vorpommern. Kleinsträume für Diskotheken habe er schon in Berlin und anderswo gesehen, aber dass dieses Tanzlokal „auch noch mobil ist und eine Botschaft mitträgt, hat uns in der Jury überzeugt“.
Das Geld fließt übrigens in die Reparatur der Karosserie: „Der Rost frisst sich schon durch, und nächstes Jahr steht wieder der Tüv an“, sagte Sebastian Schubert, nachdem ihm Claudia Schneider von der Nordkurier Mediengruppe den Preis überreicht hatte. „Wir wünschen der Fetten Elke noch viele gute Jahre, auch mit Hilfe des Musikinitiativpreises“, so die Regionalmanagerin des Nordkurier.



