Deutschlands stärkstes Eishockeyteam aller Zeiten bei Olympia gefordert
Bundestrainer Harold Kreis hat den besten Kader zusammengestellt, den Deutschland jemals bei Olympischen Spielen im Eishockey aufbieten konnte. Mit sieben NHL-Topspielern und zwei weiteren Profis aus Nordamerika erreicht das deutsche Team eine historische Qualität. Doch die Aufgabe beim olympischen Turnier in Mailand ist enorm: Bestenfalls sieben Spiele in nur elf Tagen stehen für Leon Draisaitl und seine Mannschaftskollegen an.
Der entscheidende Start gegen Dänemark
Damit der große Traum der goldenen NHL-Generation nicht bereits nach vier Spielen endet, ist der Auftakt am Donnerstag gegen Dänemark von zentraler Bedeutung. „Es ist ganz wichtig, dass man sich sehr schnell findet. Wenn man sich direkt am Anfang Selbstbewusstsein erspielt, kann das am Ende sehr wichtig sein und dich tragen“, betonte Kapitän Leon Draisaitl. Der 30-jährige Superstar der Edmonton Oilers machte sich nach dem anfänglichen Hype in Mailand bewusst etwas rar, ließ sogar eine Trainingseinheit aus, um Kraft für das Karriere-Highlight zu sammeln.
Draisaitl konzentriert sich nun vollständig auf das Wesentliche: „Wir freuen uns darauf, der Welt zu zeigen, wie gut wir Eishockey spielen können.“ Als deutscher Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier trägt er besondere Verantwortung für dieses ambitionierte Team.
Historischer Kader mit NHL-Superstars
Weil die nordamerikanische Profiliga NHL ihren Stars 2018 und 2022 die Olympia-Teilnahme verweigert hatte, erlebt eine ganze Generation von NHL-Topspielern nun ihre ersten Winterspiele. Während die Favoriten Kanada, USA, Schweden und Finnland ihre Aufgebote traditionell mit NHL-Ausnahmetalenten bestücken, stellt der deutsche Kader etwas wirklich Besonderes dar.
Noch nie zuvor waren so viele NHL-Stars in einem deutschen Olympia-Kader vertreten:
- Leon Draisaitl (Edmonton Oilers)
- Moritz Seider (Detroit Red Wings)
- Philipp Grubauer (Seattle Kraken)
- Nico Sturm (Minnesota Wild)
- Tim Stützle (Ottawa Senators)
- JJ Peterka (Utah Mammoth)
- Weitere NHL-Profis komplettieren das Team
Nico Sturm, zweifacher Stanley-Cup-Sieger und wichtiger Defensivspezialist, frohlockte: „Wir haben die beste Mannschaft aller Zeiten.“ Der 30-jährige Stürmer betont jedoch auch die Realität: „Wir haben immer gesagt, dass das deutsche Eishockey im Aufschwung ist, jetzt ist es eine perfekte Gelegenheit, es auszutesten, wo wir stehen.“
Offensive Stärke versus defensive Herausforderungen
In der Offensive verfügt das Team von Bundestrainer Harold Kreis über außergewöhnliche Qualität. Neben Draisaitl verkörpert der 24-jährige Tim Stützle Weltklasse, während JJ Peterka sich auf dem Weg dorthin befindet. Von den 14 Kaderplätzen im Angriff sind sieben mit Profis aus Nordamerika besetzt.
Doch Sturm spricht ein zentrales Problem offen an: „Das Problem ist die Defensive.“ Für den erfahrenen Spieler stellt dies ein strukturelles Problem dar, das bis in die Jugendteams hineinreicht. „Wenn man unsere Mannschaften anschaut, fehlt uns immer in der Verteidigung ein bisschen was.“
Im aktuellen Olympiakader verkörpert nur Moritz Seider von den Detroit Red Wings diese weltklasse Verteidigerqualität. Der zweitwichtigste Abwehrspieler, Kai Wissmann von den Eisbären Berlin, kehrt gerade von einer schweren Achillessehnenverletzung zurück und hat bislang nur vier DEL-Spiele absolviert.
Die besonderen Herausforderungen des olympischen Turniers
Gegen die Vorrundengegner Dänemark und Lettland könnte das Defensivproblem zunächst weniger ins Gewicht fallen. Beim Vorrundenabschluss gegen Weltmeister und Mitfavorit USA am Sonntag sowie in der möglichen K.o.-Phase könnte es jedoch entscheidend werden.
Hinzu kommt die bei Olympia übliche kleinere Eisfläche, die für die in Europa aktiven Spieler ungewohnt ist. Sturm warnt: „Da wird schon sehr schnell gespielt werden. Das macht das Spiel brutal eng. Da werden wir nicht viel zaubern können. Da müssen wir schnell spielen.“
Das olympische Turnier wird zum echten Gradmesser für das deutsche Eishockey. Mit dem stärksten Kader aller Zeiten und der historischen Präsenz von NHL-Superstars wie Draisaitl und Seider hat Deutschland die Chance, nach Bronze 1976 und Silber 2018 erneut eine Medaille zu gewinnen. Alles hängt vom schnellen Zusammenfinden des Teams und einem erfolgreichen Start gegen Dänemark ab.



