Der Eishockey-Bundestrainer Harold Kreis geht in seine vierte Weltmeisterschaft. Nach dem Vorrunden-Aus im Vorjahr und der enttäuschenden Olympia-Leistung in Mailand steht der 66-Jährige unter besonderer Beobachtung. Doch Kreis selbst zeigt sich gelassen: „Es ist Teil des Geschäfts: die Ergebnisse, wie tritt die Mannschaft auf, leben wir unsere Werte und Identität? Nach dem Turnier wird das dann diskutiert und entschieden“, sagte er im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). „Aber das beeinträchtigt mich jetzt nicht in meiner Arbeit, das belastet mich nicht heute. Ich mache das schon lang genug.“
Die Entwicklung unter Kreis
Der Deutsch-Kanadier, der 187 Länderspiele bestritt, ist seit 28 Jahren Trainer. Er wurde zweimal Meister in der Schweiz, musste aber auch schon Entlassungen hinnehmen. Seit seinem Amtsantritt als Bundestrainer 2022 gewann er bei der WM 2023 sensationell Silber. Doch danach ging es bergab: 2024 schied man im Viertelfinale aus, 2025 bereits in der Vorrunde. Bei den Olympischen Spielen in Mailand verpasste das Team mit Superstar Leon Draisaitl, das als „beste Nationalmannschaft aller Zeiten“ galt, das Halbfinale durch eine Niederlage gegen die Slowakei.
Kein besonderer Druck trotz Erwartungen
Auf die Frage, ob er beim Turnier in Zürich und Fribourg mit einer stark ersatzgeschwächten Mannschaft besonderen Druck verspüre, antwortete Kreis kurz und knapp: „Nein.“ Er räumte jedoch ein: „Rein am Ergebnis gemessen, haben wir seit 2023 vielleicht nicht den Fortschritt gemacht, den sich einige vorgestellt haben.“ Dennoch betont er: „Aber wir sind Jahr für Jahr eine Mannschaft, die in die WM hineingeht, um erstmal das Viertelfinale zu erreichen und dann zu sagen: Jetzt gehen wir aufs Ganze. Das hat sich überhaupt nicht verändert.“
Lehren aus Mailand
Bei der Analyse des olympischen Turniers sei „die Liste der Dinge, die wir hätten besser machen können, etwas länger“ gewesen als die der positiven Aspekte. Kreis hebt hervor: „Unsere Tugenden sind Leidenschaft, Kampfgeist, Zusammenhalt – die sind ja nicht verloren gegangen, sie waren vielleicht ein bisschen eingestaubt, weil man sie nicht immer wieder in Erinnerung gerufen hat.“
Fokus auf die Mannschaft
Ohne die Stars Draisaitl, Tim Stützle, John-Jason Peterka und viele andere Leistungsträger der vergangenen Jahre soll in der Schweiz wieder mehr die Mannschaft im Mittelpunkt stehen. „Ich habe das Gefühl, dass die Spieler sie jetzt auch leben, es sind nicht nur beliebige Begriffe“, sagte Kreis. Der WM-Auftakt steigt am Freitag (16.20 Uhr/ProSieben und MagentaSport) gegen den Olympiadritten Finnland.



