Abschied von Karsten Wettberg: Löwen-Idol mit großem Herz und sozialem Engagement
Abschied von Karsten Wettberg: Löwen-Idol mit großem Herz

Abschied von Karsten Wettberg: Löwen-Idol mit großem Herz und sozialem Engagement

Karsten Wettberg war weit mehr als nur der legendäre "König von Giesing". Der frühere Trainer des TSV 1860 München prägte den Verein und seine Fans nicht nur durch fußballerisches Können, sondern vor allem durch sein großes Herz, sein soziales Engagement und seine unermüdliche Hilfe für Menschen in Not. Sein Leben war eine beeindruckende Verbindung aus Fußball, Politik, Ehrenamt und gelebter Nächstenliebe.

Ein Leben zwischen Fußball und Menschlichkeit

Matthias Eicher | 08. April 2026 - 22:41 Uhr

Karsten Wettberg besuchte den schwer erkrankten Ex-Stürmer Olaf Bodden im Stadion – ein bewegendes Bild für seine gelebte Nächstenliebe und unermüdliche Unterstützung. Was bleibt, sind Liebe, Dankbarkeit und unzählige wertvolle Erinnerungen. Das Haifischbecken Profifußball ist bekanntlich ein schnelllebiges Geschäft, das oft rücksichtslos und unbarmherzig sein kann. Karsten Wettberg jedoch war das genaue Gegenteil, wie sein umfangreiches Wirken eindrucksvoll belegt.

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"Karsten war ein absolut toller Kerl, ein herzensguter Mensch. Seinen Titel 'König von Giesing' hat er sich mehr als verdient. Aber was für mich noch mehr bedeutet hat, war sein enormes Engagement", sagt Olaf Bodden der AZ über Wettberg, der am vergangenen Sonntag im Alter von 84 Jahren in Wasserburg am Inn friedlich eingeschlafen ist.

Trauerfeier für eine Vereinslegende

An Ostern 2025 hat der TSV 1860 mit Kult-Trainer Werner Lorant († 76) eine absolute Vereinslegende verloren. Kurz vor Ostern 2026 folgte nun der nächste Mann, der bei den Sechzgern über seine Rolle als Trainer hinaus tiefe Fußspuren hinterlassen hat. Am 10. April (19 Uhr) wird Karsten Wettberg mit einer würdigen Trauerfeier geehrt, genau wie zuvor schon Werner Lorant.

Frühe Jahre und bayerische Wurzeln

Die Nächstenliebe wurde dem am 11. November 1942 in Friesack geborenen Brandenburger praktisch in die Wiege gelegt: Wettbergs Vater war dort der ortsansässige evangelische Pfarrer. Der Zweite Weltkrieg sorgte dafür, dass die Familie nach Bayern verschlagen wurde. In Mainburg, im niederbayerischen Landkreis Kelheim, fanden die Wettbergs in der Holledau ein neues Zuhause.

Neun Jahre war der kleine Karsten alt, als er beim FC Mainburg mit dem Fußballspielen begann. 1974 folgte der Umzug ins nahe gelegene Elsendorf. Es sollte eine lange und erfolgreiche Karriere als Trainer werden, wenngleich ihn der Weg als aktiver Fußballer nicht in den Profibereich führte. Von 2007 bis 2008 übernahm Wettberg bei 1860 Verantwortung als Vizepräsident, später kurze Zeit als Aufsichtsrat und immer wieder als ehrenamtlicher Scout und treuer Freund des Sechzgerstadions.

Nicht zu vergessen: Wettberg führte vielfach die Traditionself der Sechzger an, für die er mit über 80 Jahren noch selbst kickte – am liebsten stets für den guten Zweck.

Engagement weit über den Fußball hinaus

Was Karsten Wettberg über seine Erfolge in seiner schönsten Nebensache der Welt hinaus stets ausgezeichnet hat, war sein außergewöhnlich hohes Engagement: Bei der Deutschen Post durchlief er seine berufliche Laufbahn bis zum Postoberamtsrat. Zwischen 2002 und 2020 saß er als SPD-Mitglied im Kreisrat und setzte sich für die Belange der Bürger ein.

Im Jahr 2006 wurde ihm für sein vielfältiges Engagement der Bundesverdienstorden verliehen. 2018 wurde er für sein beeindruckendes Lebenswerk in Gewerkschaft, Politik, Sport und Sozialem mit der Hans-Bröckler-Medaille ausgezeichnet. Immer hatte er ein Herz für die Löwen, wie zahlreiche Begegnungen und gemeinsame Momente belegen.

Benefizarbeit und sportliche Leidenschaft

Für den FC Sternstunden, der Benefiz-Fußballmannschaft des Bayerischen Rundfunks, lief Wettberg regelmäßig zur Höchstform auf: Der leidenschaftliche Sportler absolvierte über 100 Spiele, betätigte sich über Jahrzehnte als unermüdlicher Spendensammler und wurde schließlich zum Ehrenspielführer gekürt.

Überliefert ist zudem, dass der Mann, der sich bis ins hohe Alter mit Krafttraining und Rennradfahren fit hielt, im Jahr 2018 bei der Aktion "Liegestützen für den guten Zweck" den ehemaligen Ingolstädter Spieler Andreas Buchner besiegt hat – Wettberg war damals stattliche 77, der Ex-Profi Buchner gerade einmal 33 Jahre alt.

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Hilfe für Olaf Bodden und andere Schicksale

Eine absolute Selbstverständlichkeit war für den glühenden Löwen, sich in schweren Zeiten für den am Chronischen Erschöpfungssyndrom erkrankten Olaf Bodden einzusetzen: Wettberg organisierte mehrere Benefizspiele im Grünwalder Stadion, bei denen er entweder als Spieler oder Trainer mitmischte, er richtete ein Spendenkonto ein und zeigte sich nimmermüde, auf das schwere Schicksal des einstigen Bundesliga-Torjägers der Blauen aufmerksam zu machen.

"Karsten hat mir durch die Benefizspiele und seine ungebrochene Unterstützung sehr geholfen. Als ich an den Rollstuhl gefesselt war, haben wir uns erst richtig kennengelernt. Ich werde ihm nie vergessen, wie sehr er sich für mich eingesetzt hat." Wettberg war nicht nur für Bodden ein ganz Großer, sondern für unzählige Menschen, denen er in schwierigen Situationen beistand.

Was bleibt, sind unendliche Liebe, tiefe Dankbarkeit und wertvolle Erinnerungen an einen Mann, der den Begriff Menschlichkeit mit Leben füllte und dessen Vermächtnis weit über den Fußballplatz hinausreicht.