Neid im Beruf: Wie Missgunst Teams belastet und was dagegen hilft
Neid im Beruf: Wie Missgunst Teams belastet

Neid im Beruf: Wie Missgunst Teams belastet und was dagegen hilft

Eine Kollegin erhält einen Sonderbonus, ein Teammitglied wird für ein gelungenes Projekt gelobt, der Abteilungsleiter ist Mitarbeiter des Monats: In solchen Momenten freuen sich nicht immer alle im Team mit. Stattdessen können Neid und Missgunst aufkommen. Doch warum ist das so – und wie lässt sich konstruktiv damit umgehen?

Die zwei Gesichter des beruflichen Neids

„Neid entsteht durch den Vergleich“, erklärt die Wirtschaftspsychologin Saskia Bülow. Viele Beschäftigte vergleichen sich ständig mit ihren Kolleginnen und Kollegen, besonders in Berufen mit hoher Konkurrenz. Dabei entsteht schnell das Gefühl, selbst gerne das zu haben, was ein anderer besitzt.

„Neid ist aber per se nichts Schlechtes“, betont Business-Coach Ralf Winnen, der sich auf Emotionen am Arbeitsplatz spezialisiert hat. Neid sei kein Zeichen für einen schlechten Charakter. Entscheidend ist vielmehr, wie man mit diesem Gefühl umgeht.

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Wer Neid im Job verspürt, sollte Winnen zufolge in sich gehen und die Ursachen ausloten. Was genau löst den Neid aus? Ist es die Aufmerksamkeit, die der andere genießt? Das Gehalt? Die Jobposition? Ist die Ursache klar, eröffnet sich eine konstruktive Perspektive. Denn der Erfolg anderer kann auch als Ansporn dienen. „Das ist die gutartige Seite des Neids“, so Winnen.

Wenn Neid zu Missgunst wird

Doch Neid kann auch kippen. Wenn der ständige Vergleich in Konkurrenzdenken übergeht, werden Teammitglieder zu Rivalen. Etwa im Wettbewerb um Beförderungen oder die Gunst der Führungskraft. „In einem solchen Fall wird der Erfolg des anderen als eigener Misserfolg gewertet“, erklärt Saskia Bülow.

Diese Entwicklung hat gravierende Folgen: Es entsteht Missgunst – die destruktive Seite des Neids. „Man gönnt es dem anderen nicht, versucht ihn auszubremsen und kleinzumachen“, beschreibt Bülow typische Denk- und Verhaltensmuster. Das belastet nicht nur das Betriebsklima nachhaltig. „Auch die Produktivität leidet erheblich“, warnt die Wirtschaftspsychologin.

Alarmzeichen für Missgunst im Team

Wie zeigt sich Missgunst konkret im Arbeitsalltag? Nicht immer ist sie eindeutig zu erkennen, sagt Ralf Winnen. Dennoch gibt es typische Anzeichen dafür, dass Menschen im Beruf um ihren Erfolg beneidet werden:

  • Sabotage: Informationen werden vorenthalten. Neiderinnen oder Neider halten sich mit Unterstützung zurück. „Jemand, der immer geholfen hat, zieht sich plötzlich zurück“, so Bülow.
  • Ausschluss: Teammitglieder, die beneidet werden, werden bei Besprechungen ignoriert oder bei gemeinsamen Aktivitäten wie Kaffeepausen ausgegrenzt.
  • Feindseligkeit: Sticheleien, schnippische Bemerkungen oder unberechtigte Kritik nehmen zu. „Missgünstige können Halbwahrheiten oder sogar Lügen über eine Person verbreiten, um deren Ruf zu schädigen“, warnt Winnen.

Das Arbeitsumfeld als entscheidender Faktor

Ob Neid in Missgunst umschlägt, hängt nicht nur von Einzelpersonen ab. Das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle. Manche Unternehmen oder Arbeitsplätze fördern ein Klima der Missgunst geradezu. Das ist etwa der Fall, wenn es an Wertschätzung und Kommunikation mangelt oder Entscheidungen nicht transparent getroffen werden.

Auch Führungskräfte, die nur „Sieger“ fördern, verstärken Konkurrenzdenken und begünstigen Konflikte im Team. Hinzu kommt der Eindruck von Bevorzugung. Wenn einzelne Mitarbeitende häufiger spannende Aufgaben erhalten oder mehr Kontakt zur Führungskraft haben, kann das Unmut auslösen. „Wer nicht zu den Bevorzugten gehört, fühlt sich schnell benachteiligt“, erklärt Saskia Bülow.

Vier Schritte gegen Neid und Missgunst

In einer von Neid geprägten Atmosphäre zu arbeiten, ist anstrengend und belastend. Doch was lässt sich konkret tun, wenn Missgunst den Arbeitsalltag beeinträchtigt? Experten empfehlen vier strategische Schritte:

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  1. Lage beobachten: „Wichtig ist, dass diejenigen, die Neid und Missgunst erleben, erst einmal genau ihr Arbeitsumfeld beobachten“, rät Bülow. Handelt es sich um einen einmaligen Vorfall oder wiederholt sich das Verhalten? Einzelne Situationen sollten nicht überbewertet werden.
  2. Fakten ansprechen: Zeigt sich jemand dauerhaft weniger hilfsbereit oder äußert wiederholt unberechtigte Kritik, sollte das Gespräch gesucht werden. Bülow empfiehlt, sachlich und konstruktiv nach den Gründen für das Verhalten zu fragen und um ein gutes Miteinander zu bitten.
  3. Grenzen setzen: Bleibt das Verhalten bestehen, ist es wichtig, klar zu reagieren. „Dabei dann auch unmissverständlich Grenzen setzen und klare Regeln einfordern“, betont Winnen.
  4. Führungskraft einbeziehen: Wenn die Situation die eigene Arbeit oder das Teamklima beeinträchtigt, sollten Beschäftigte die Führungskraft einbeziehen. „Dann müssen alle gemeinsam nach guten Lösungen suchen“, so Winnen.

Sympathie durch Offenheit

Eine interessante Erkenntnis aus der Forschung: Wer neben Erfolgen auch eigene Rückschläge oder Misserfolge offenlegt, kann missgünstigen Neid deutlich abschwächen. In Studien im Unternehmermilieu zeigte sich, dass erfolgreiche Personen durch solche Offenheit sympathischer und nahbarer wirken. Dies reduziert negative Reaktionen und verbessert die Beziehung zu Kolleginnen und Kollegen nachhaltig.

Neid am Arbeitsplatz bleibt ein komplexes Phänomen, das sowohl individuelles Verhalten als auch strukturelle Rahmenbedingungen betrifft. Mit Bewusstsein, klarer Kommunikation und angemessenen Grenzen lässt sich jedoch ein produktiveres und angenehmeres Arbeitsklima schaffen.