Schwere Vorwürfe nach Polizeieinsatz bei Bundesliga-Topspiel
Vor dem Bundesliga-Topspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München ist es am Samstagabend zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Gäste-Fans und Polizeikräften gekommen. Die Münchner Fanbetreuer haben sich nun in einer deutlichen Stellungnahme zu den Vorfällen geäußert und kritisieren das Vorgehen der Ordnungskräfte scharf.
Fanprojekt München: 'Bundesweit beispielloses Vorgehen'
Das Fanprojekt München erklärte in einer Mitteilung: 'Ein Vorgehen dieser Intensität und Undifferenziertheit gegenüber Fußballfans haben unsere langjährig erfahrenen Mitarbeitenden in dieser Form bundesweit bislang nicht wahrgenommen.' Die Fanbetreuer distanzieren sich zwar grundsätzlich von Gewalt und strafbaren Handlungen, kritisieren aber das polizeiliche Vorgehen nach den ersten Vorfällen.
Laut Polizeiangaben hatten einige Bayern-Fans etwa zwei Stunden vor Spielbeginn versucht, eine Einlasskontrolle zu durchbrechen. Bei den darauffolgenden Auseinandersetzungen wurden fünf Einsatzkräfte, ein Ordner und vier unbeteiligte Personen verletzt. Die Polizei Dortmund registrierte 30 Strafanzeigen, und Borussia Dortmund stellte Strafantrag wegen Hausfriedensbruch.
Vorwürfe des undifferenzierten Einsatzes von Gewaltmitteln
Die Münchner Fanbetreuer warfen der Polizei konkret vor: 'Aus unserer Sicht standen einzelne Maßnahmen in keinem erkennbaren Verhältnis zu den vorausgegangenen Vorkommnissen.' Sie kritisierten insbesondere einen 'undifferenzierten Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray gegen alle Anwesenden', von dem auch Vereinsverantwortliche und Mitarbeiter von Fanprojekten betroffen gewesen sein sollen.
'Nach unseren Erkenntnissen kam es im Zuge dieser Maßnahmen zu mehreren Verletzten, darunter auch Personen mit teils schweren Verletzungen', hieß es in der Stellungnahme weiter. Einige Bayern-Fans boykottierten aufgrund der Vorfälle sogar die Partie in Dortmund.
Aktive Fanszene: 'Quantität und Intensität übertrafen Madrid und Athen'
Die aktive Fanszene des FC Bayern hatte bereits am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung Kritik geübt. Nach dem ersten Vorfall habe die Polizei die Situation mehrfach erneut eskaliert und sei 'in breiter Front' gegen wartende, unbeteiligte Fans vorgegangen.
Durch den Einsatz von Schlagstöcken und Reizgas habe es demnach mehrere Knochenbrüche und Gesichtsverletzungen gegeben. Auch kurz vor Abpfiff seien Polizisten noch gegen Anhänger vorgegangen. Die Fan-Vereinigungen aus der Münchner Südkurve erklärten: 'In Quantität wie Intensität übertraf das Maß an Polizeigewalt in Dortmund vergleichbare Übergriffe, die wir in Madrid oder Athen erleben mussten.'
Polizei Dortmund weist Vorwürfe zurück
Der stellvertretende Dortmunder Polizeipräsident Achim Stankowitz wies die Vorwürfe der Fans zurück: 'Die reflexhafte Schuldzuweisung an die Polizei wirkt nach Ansicht der Videodaten, die wir auch in das Strafverfahren einbringen können und werden, mehr als befremdlich.'
Die Polizei Dortmund hat ein Update zu den laufenden Ermittlungen angekündigt. Interessanterweise solidarisierten sich während der Vorfälle auch Dortmunder Fans mit den Bayern-Anhängern, was die besondere Brisanz der Situation unterstreicht.
Die Diskussion über das angemessene Verhältnis von Sicherheitsmaßnahmen und Fanbetreuung im deutschen Profifußball wird durch diese Vorfälle neu entfacht. Beide Seiten – Fans und Polizei – beharren auf ihren Versionen der Ereignisse, während die strafrechtliche Aufarbeitung erst beginnt.



