Gelbe Karten bei Bayern: Kimmich und Olise gesperrt – Absicht oder Pech?
Der FC Bayern München steht nach einem deutlichen 6:0-Sieg im Achtelfinal-Hinspiel gegen Atalanta Bergamo so gut wie sicher im Viertelfinale der Champions League. Doch zwei Schlüsselspieler werden im Rückspiel fehlen: Kapitän Joshua Kimmich und Flügelspieler Michael Olise sind nach Gelben Karten gesperrt. Die Frage, ob es sich um absichtliches Verhalten oder unglückliche Zufälle handelt, beschäftigt die Fußballwelt.
Die umstrittenen Szenen im Detail
In der 83. Minute des bereits entschiedenen Spiels erhielt Joshua Kimmich eine Gelbe Karte wegen Zeitspiels. Beim Ausführen eines Freistoßes am Mittelkreis benötigte der Mittelfeldspieler auffällig viele Anläufe, die er immer wieder abbrach. Schiedsrichter Espen Eskas sah sich gezwungen, die Verwarnung auszusprechen. Nur sechs Minuten zuvor war Michael Olise ebenfalls wegen Zeitverzögerung bei einem Eckstoß verwarnt worden.
Beide Spieler hatten bereits zwei Gelbe Karten in dieser Champions-League-Saison gesammelt – die dritte Verwarnung bedeutet automatisch eine Sperre für das nächste Spiel. Da das Rückspiel gegen Atalanta nach dem klaren Hinspielergebnis nahezu bedeutungslos ist, könnten beide Spieler im Viertelfinale gegen mögliche Kontrahenten wie Real Madrid oder Manchester City ohne Gelb-Karten-Belastung antreten.
Die Reaktionen der Beteiligten
Joshua Kimmich zeigte sich nach dem Spiel verärgert über die Situation. "An sich war es unnötig", erklärte der Kapitän gegenüber Prime Video. "Ich habe nach einer passenden Anspielstation gesucht, man will nicht ins Pressing reinspielen. Ich glaube, wenn jetzt nicht der gegnerische Spieler auf mich zustürmt, gibt er auch nicht die Gelbe Karte."
Auf die Frage, ob er traurig sei, das Rückspiel zu verpassen, antwortete Kimmich diplomatisch: "Generell bin ich jemand, der jedes Spiel machen möchte. Aufgrund des guten Ergebnisses im Hinspiel, glaube ich, schaffen wir das auch so." Die Vermutung, die Gelbe Karte absichtlich provoziert zu haben, wies er mit einem entschiedenen "Nee!" zurück.
Historischer Präzedenzfall: Der Fall Sergio Ramos
Die Situation erinnert an einen bekannten Fall aus dem Jahr 2019. Damals hatte sich Sergio Ramos, damals Innenverteidiger von Real Madrid, im Achtelfinal-Hinspiel gegen Ajax Amsterdam ebenfalls eine Gelbe Karte eingehandelt und später zugegeben, dass dies Absicht gewesen sei. Die Uefa sperrte Ramos daraufhin wegen eines Verstoßes gegen ihre Disziplinarregularien für ein zusätzliches Spiel.
Kimmich zeigte sich unbeeindruckt von diesem Präzedenzfall. Auf die Frage, ob er ähnliche Konsequenzen fürchte, antwortete er: "Nö, also warum? Eine Gelbe Karte ist ja jetzt nichts Strafbares." Höchstens das Zugeben einer Absicht könnte problematisch werden – was beide Spieler konsequent vermieden.
Die Position des Trainers und der Uefa
Trainer Vincent Kompany betonte, keine Absprache mit seinen Spielern getroffen zu haben. "Das war für mich kein Thema. Es ging nur um das Spiel", versicherte der Belgier. Gleichzeitig sieht er in der Situation eine Chance: "Es ist eine super Möglichkeit für andere Jungs zu zeigen, dass sie in den anderen Runden eine Chance haben zu spielen. Wir werden das nutzen in jedem Fall."
Ob die Disziplinar-Kommission der Uefa Ermittlungen einleiten wird, bleibt offen. Nach Informationen der AZ ist dies jedoch unwahrscheinlich. Interessant ist der Vergleich mit Dayot Upamecano: Der Innenverteidiger ging ebenfalls mit zwei Gelben Karten in der laufenden Saison ins Spiel, blieb aber ohne weitere Verwarnung.
Die moralische Frage: Clever oder unsportlich?
Unterm Strich stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Sportlichkeit solcher Manöver. Ist es taktisch klug, sich in einem bereits entschiedenen Spiel eine Sperre für ein unbedeutendes Rückspiel einzuhandeln, um für wichtige Spiele im Viertelfinale ohne Gelb-Karten-Belastung antreten zu können? Oder handelt es sich um unsportliches Verhalten, das den Geist des Wettbewerbs untergräbt?
Die Antwort darauf bleibt subjektiv. Während Puristen solche Aktionen verurteilen, sehen Pragmatiker darin einen cleveren Schachzug im hochkompetitiven Profifußball. Sicher ist: Sowohl Kimmich als auch Olise werden im Rückspiel pausieren müssen – ob absichtlich oder nicht, wird ihr Geheimnis bleiben.



