FC Bayern Südkurve verurteilt Polizeigewalt in Dortmund – BVB-Ultras zeigen Solidarität
Bayern-Ultras verurteilen Polizeigewalt – BVB zeigt Solidarität

Polizeieinsatz vor Klassiker führt zu Boykott und Verletzungen

Die legendäre Südtribüne des Signal-Iduna-Parks brannte zwar mit Pyro und dem Giga-Schriftzug „Heja BVB“, doch im Gästeblock herrschte bemerkenswerte Stille. Die Ultras des FC Bayern München blieben dem Derby gegen Borussia Dortmund am 2. März 2026 fern – aus Protest gegen einen Polizeieinsatz, der zu zahlreichen Verletzungen geführt hatte.

Leerer Gästeblock und Aufklärung am Zaun

Der vordere Teil des Gästeblocks blieb über die vollen 90 Minuten leer. Keine Banner, keine Fahnen, nur leiser Fangesang. Als Bayern-Star Jamal Musiala in der 30. Minute zum Aufwärmen ging, schaute er ratlos auf die Tribüne. Erst am Zaun wurde er von Fans über die Hintergründe aufgeklärt: Vor dem Spiel war es zu einer schweren Auseinandersetzung zwischen Polizei und Bayern-Anhängern gekommen.

Beamte hatten laut Ultras-Berichten mit Schlagstöcken und Pfefferspray auf Fans eingewirkt. „Neben Knochenbrüchen und Gesichtsverletzungen mussten vor allem schwere Reizungen der Augen und Atemwege attestiert werden“, schrieb die Südkurve in einer Mitteilung. Die Gewalt habe in Quantität und Intensität vergleichbare Übergriffe in Madrid oder Athen übertroffen.

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Polizei und Südkurve: Unterschiedliche Darstellungen

Die Polizei Dortmund erklärte, eine 29-köpfige Gruppe habe versucht, sich mit nicht regulären Tickets in den Gästeblock zu schleusen. Nach Angriffen auf BVB-Ordnungsdienstmitarbeiter seien Einsatzkräfte eingegriffen. Die betroffenen Fans seien kontrolliert worden und hätten die Tribüne wohl sogar betreten dürfen.

Doch die Situation eskalierte: Aus Solidarität mit Festgenommenen kam es laut Polizei zu „tätlichen Angriffen auf Polizeibeamte“. Die Südkurve kritisiert das Vorgehen scharf: „Der Polizei wären wesentlich ungefährlichere Maßnahmen wie Videoüberwachung oder eine weniger konfrontative Ansprache zur Verfügung gestanden.“ Die Verletzungen seien ohne Not bewusst in Kauf genommen worden.

Solidarität und weitere Eskalation

Nach Beruhigung der Lage entschieden sich etwa 500 Bayern-Ultras für einen Boykott und blieben vor dem Eingang. Im Stadion waren zu Beginn der zweiten Halbzeit „Alle Bullen sind Schweine“-Rufe zu hören. Die BVB-Ultras hissten ein Banner mit der Aufschrift: „Freiheit für Gästefans in Dortmund!“ – eine klare Solidaritätsbekundung.

Auch andere Bayern-Fans zeigten Unterstützung mit einem Schriftzug: „Freiheit für Fußballfans“. Die Polizei leitete unterdessen Strafverfahren gegen 29 Fans wegen Hausfriedensbruch ein. Nach dem Spiel eskalierte die Situation erneut: Als ein Beamter einen mutmaßlich Beteiligten wiedererkannte, kam es zu weiteren Angriffen und erneutem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken.

Weitere Vorfälle am Klassiker-Wochenende

Nicht nur im Stadion gab es Probleme. In der Nacht zuvor hatten etwa 250 Bayern-Fans am Bahnhof Pasing gewartet, da ihr Sonderzug nach Dortmund Verspätung hatte. In der einstündigen Wartezeit verschandelt sie die Unterführung mit Graffiti-Tags und Aufklebern an Wänden und Schaukästen – ein weiterer unschöner Nebenaspekt des hoch emotionalen Derby-Wochenendes.

Die Kritik der Südkurve bleibt deutlich: „Der Großteil der eingesetzten Beamten ließ auch deutlich optisch wie verbal ihren Gefallen an dem Angriff auf die Fans erkennen.“ Ein Vorfall, der die Diskussion über Polizeigewalt und Fan-Kultur im Fußball neu entfacht hat.

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