Kita-Krise erreicht Neubrandenburg: Eltern und Erzieher verlieren die Geduld
Die letzte Station einer landesweiten Tournee durch Mecklenburg-Vorpommern führt die regionale Kita-Zukunftskonferenz nach Neubrandenburg. Am Donnerstag, dem 26. März, laden die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW MV) und der Kita-Landeselternrat ins Haus der Kultur und Bildung am Marktplatz ein. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr und bietet Raum für mindestens 400 Teilnehmer, was die wachsende Bedeutung des Themas unterstreicht.
Personalmangel und schlechte Betreuungsschlüssel
Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet bundesweit den schlechtesten Personalschlüssel in der frühkindlichen Bildung. Aktuell betreut eine Erzieherin durchschnittlich sechs Krippenkinder, vierzehn Kindergartenkinder oder zweiundzwanzig Hortkinder. Diese alarmierenden Zahlen sind allen Beteiligten bekannt – dennoch geschieht nach Ansicht der Veranstalter zu wenig, um die Situation zu verbessern.
Robert Priebe, Vorsitzender des Kita-Kreiselternrats Mecklenburgische Seenplatte und stellvertretender Vorsitzender des Kita-Landeselternrats MV, äußert sich deutlich kritisch. „Qualifiziertes Personal wird entlassen, Auszubildende finden keine Arbeitsstelle – und das in einem Bundesland, das gleichzeitig über den schlechtesten Betreuungsschlüssel in Deutschland klagt“, so Priebe. Statt Einrichtungen zu schließen, fordert er Investitionen in Fachkräfte, Perspektiven und pädagogische Qualität.
Format der Zukunftskonferenz
Die Neubrandenburger Konferenz bildet den Abschluss von fünf regionalen Veranstaltungen und setzt auf einen intensiven Austausch:
- Ein wissenschaftlicher Impulsvortrag eröffnet die Diskussion
- Ein Überblick über die aktuelle Arbeit von Kita-Landeselternrat und GEW wird präsentiert
- Ausreichend Raum für Fragen, Netzwerken und Perspektiven aus dem pädagogischen Alltag bleibt erhalten
Eine vorherige Anmeldung ist für interessierte Besucher nicht erforderlich. Das erklärte Ziel der Veranstaltung ist die Entwicklung eines gemeinsamen Zukunftsplans für Kitas, der die Qualität der frühkindlichen Bildung stärken und die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessern soll.
Politische Diskussionen ohne konkrete Lösungen
Erst kürzlich zeigte eine Podiumsdiskussion im Neubrandenburger Albert-Einstein-Gymnasium, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Eingeladen hatten der Kita-Kreiselternrat und der Schul-Kreiselternrat Mecklenburgische Seenplatte. Der Betreuungsschlüssel blieb das beherrschende Thema des Abends.
Alle anwesenden Politiker räumten ein, dass die aktuellen Verhältnisse nicht ausreichen. Konkrete Zeitpläne für Verbesserungen blieben jedoch aus. Das nüchterne Fazit lautete: Fachkräfte, Träger und Eltern haben die Geduld verloren, auf bloße Absichtserklärungen zu warten.
Bürokratische Hürden verschärfen die Krise
Zusätzlich zu den personellen Engpässen kommen neue Konfliktherde hinzu. Die geplante Novellierung des Kita-Fördergesetzes sieht vor, dass Einrichtungen künftig täglich dokumentieren müssen, wann Kinder gebracht und abgeholt werden. Trägervertreter und pädagogische Fachkräfte lehnen diese Regelung entschieden ab.
Ihre Kritik: Mehr Bürokratie stehe dem Anspruch auf pädagogische Qualität direkt entgegen. Statt sich um administrative Aufgaben kümmern zu müssen, sollten Erzieherinnen und Erzieher Zeit für die eigentliche Bildungsarbeit haben. Diese zusätzliche Belastung verschärft die ohnehin angespannte Situation in den Kitas weiter.
Die Zukunftskonferenz in Neubrandenburg bietet nun die letzte Gelegenheit, diese brennenden Themen auf regionaler Ebene zu diskutieren und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln. Ob die Politik auf die Forderungen von Eltern und Erziehern reagieren wird, bleibt abzuwarten.



