Ehemaliger Fifa-Chef Blatter übt scharfe Kritik an Nachfolger und US-Präsident
Der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter hat in einem aktuellen Interview mit Radio Canada erneut heftige Vorwürfe gegen seinen Nachfolger Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump erhoben. Der 89-Jährige sprach von einer 'totalen Diktatur' im Weltfußballverband und kritisierte insbesondere die Einmischung Trumps in die Planung der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft.
'Schlimmer als früher' – Blatter vergleicht Ära Infantino mit eigener Amtszeit
Obwohl Blatters eigene Präsidentschaft von 1998 bis 2015 von zahlreichen Korruptionsskandalen geprägt war, behauptet der Schweizer, die Situation unter Infantino sei 'schlimmer als früher'. 'Funktionären werden heute Handschellen angelegt', erklärte Blatter. 'Überall werden Menschen mit Geld oder Aufstiegsmöglichkeiten zum Schweigen gebracht.'
Blatter forderte die Mitglieder des Verbands zum Widerstand auf: 'Warum stehen wir nicht auf? Wir haben noch Zeit, etwas zu unternehmen.' Allerdings lehnte der ehemalige Fifa-Chef die Idee eines Boykotts ab.
Trump-Einmischung als 'das Schlimmste, was der Fifa passiert ist'
Besonders scharf kritisierte Blatter die Einflussnahme von US-Präsident Donald Trump auf die WM-Planung. Trump hatte zuletzt damit gedroht, Spiele aus demokratisch regierten Städten zu verlegen. Blatter nannte dies 'das Schlimmste, was der Fifa passiert ist' und kritisierte eine 'diffamierende Politik gegenüber allem Fremden' in den USA.
Die enge Beziehung zwischen Infantino und Trump sorgt bei Blatter für besonderes Unverständnis. Vor allem die Verleihung des eigens geschaffenen 'Fifa-Friedenspreises' an den US-Präsidenten stößt auf seine Ablehnung: 'Niemand ist aufgestanden, um zu sagen, man solle diesem Zirkus ein Ende setzen.'
Blatters eigene Vergangenheit und aktuelle Position
Sepp Blatter hatte den Weltfußballverband von 1998 bis 2015 geführt und war während dieser Zeit immer wieder mit Bestechungs- und Korruptionsvorwürfen konfrontiert worden. Im Dezember 2015 sperrte ihn die Fifa-Ethikkommission wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsführung zunächst für acht Jahre, später wurde die Sperre auf sechs Jahre verkürzt.
Blatter selbst hat sich stets keines Fehlverhaltens bewusst gezeigt. 'Ich bin mit mir im Reinen', sagte er noch 2018 in einem Interview. Trotz seiner eigenen kontroversen Vergangenheit positioniert sich der 89-Jährige nun als Kritiker des aktuellen Fifa-Systems.
Die Weltmeisterschaft 2026 soll vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada stattfinden. Die anhaltenden Kontroversen um die Führung des Weltverbands und die politischen Einflussnahmen werfen jedoch bereits jetzt Schatten auf das Mega-Event.



