Sepp Blatters unermüdlicher Kampf um Rehabilitation
Auch kurz vor seinem 90. Geburtstag am Dienstag zeigt sich der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter ungebrochen kämpferisch. Der Schweizer, der den Weltfußballverband rund vier Jahrzehnte prägte, ringt weiter um die Wiederherstellung seines schwer beschädigten Rufes. In zahlreichen aktuellen Interviews betont der bald neunzigjährige Funktionär sein "reines Gewissen" und erklärt: "Ich bereue nichts, was ich nicht gemacht habe, wie ich auch nicht bereue, was ich gemacht habe."
Die symbolträchtige Geldregen-Episode
Ein besonders prägendes Bild aus Blatters letzter Amtsphase bleibt der Vorfall im Juli 2015, als ein britischer Komiker während einer Pressekonferenz Spielgeld für eine fiktive WM in Nordkorea in die Luft warf und auf den damaligen FIFA-Chef herabregnen ließ. Diese Szene entwickelte sich zum Sinnbild für eine Ära, die von zahlreichen Korruptionsvorwürfen, juristischen Auseinandersetzungen und tiefgreifenden Vertrauenskrisen geprägt war. Blatter flüchtete damals empört - ein Moment, der sich ins kollektive Fußballgedächtnis eingebrannt hat.
Schärfste Kritik am Nachfolger Infantino
Besonders aufbrausend reagiert Blatter, wenn er über seinen Nachfolger Gianni Infantino spricht. Der ehemalige mächtigste Funktionär des Weltfußballs bezeichnet die aktuelle FIFA-Führung regelmäßig als "totale Diktatur" und wirft Infantino vor, wie ein "Sonnenkönig" zu regieren. Diese scharfe Kritik steht im Kontrast zu Blatters eigener Amtszeit, in der er sich als gewiefter Taktiker präsentierte, der Einnahmen in neue Höhen trieb und sich durch großzügige Verteilung von Geldern Einfluss sicherte.
Von Dassler zur FIFA-Spitze
Blatters Karriere beim Weltverband begann 1975 durch die Vermittlung des späteren Adidas-Chefs Horst Dassler. Als treuer Verbündeter von Präsident João Havelange stieg er zunächst zum Generalsekretär auf, bevor er 1998 selbst den FIFA-Thron erklomm. Schon diese Wahl war von Korruptionsvorwürfen überschattet - damalige Berichte sprachen davon, dass Blatter die notwendigen Stimmen im Hotel "gekauft" haben soll, um sich gegen UEFA-Kandidat Lennart Johansson durchzusetzen.
Das Ende der Ära Blatter
Das "System Blatter" geriet endgültig ins Wanken, als am 27. Mai 2015 eine spektakuläre Razzia im Züricher Nobelhotel Baur au Lac den Weltfußball erschütterte. Hochrangige Funktionäre wurden hinter Bettlaken abgeführt, US-Behörden sprachen von Machenschaften, die man sonst nur von kriminellen Organisationen kenne. Blatter bestritt zwar, dass die FIFA "mafiös" gewesen sei, räumte aber ein: "Es gab Leute, die in Abhängigkeitsverhältnissen standen und Geld angenommen haben." Nach den Festnahmen konnte er sich zunächst im Amt bestätigen lassen, musste seinen Posten aber schließlich unter massivem Druck räumen.
Juristische Auseinandersetzungen und späte Freisprüche
Es folgten Jahre intensiver juristischer Auseinandersetzungen, darunter Betrugsvorwürfe, eine lange Sperre durch die FIFA-Ethikkommission und der Prozess um eine umstrittene Millionenzahlung an den damaligen UEFA-Chef Michel Platini. Erst vor einem Jahr wurde Blatter endgültig freigesprochen. Einen Monat zuvor hatte er noch als Zeuge im sogenannten "Sommermärchen"-Prozess ausgesagt, konnte zur Aufklärung der Vorgänge um die WM-Vergabe 2006 aber kaum beitragen. Die zuständige Richterin kommentierte seine Aussagen gnädig als "Vernehmung eines in die Jahre gekommenen Präsidenten".
Das Leben nach der FIFA
Ein ruhiges Rentnerdasein in den malerischen Bergen seines Heimatkantons Wallis kommt für Blatter nicht infrage, obwohl sich die Fußballwelt längst ohne ihn weiterdreht. Trotz gewisser gesundheitlicher Probleme betont er, es gehe ihm gut. Seinen 90. Geburtstag wird er im kleinen Kreis feiern. Sein Kampf geht jedoch weiter - mit einem vermutlich utopischen Wunsch: Blatter möchte sich noch "ehrenhaft" auf einem FIFA-Kongress verabschieden können. Erst dann, so versprach er in einem Interview, "wäre die Ära Blatter bei der FIFA endgültig vorbei".



