Ein norwegisches Fußballmärchen erobert die Champions League
Der norwegische Außenseiter FK Bodö/Glimt hat mit einem sensationellen 2:1-Sieg bei Inter Mailand im San Siro für eine der größten Überraschungen der aktuellen Champions-League-Saison gesorgt. Der Verein aus der kleinen Stadt Bodø setzte sich gegen den Vorjahresfinalisten durch und qualifizierte sich damit für das Achtelfinale des prestigeträchtigen europäischen Wettbewerbs.
Ministerpräsident vergisst Politik für Fußballwunder
Das historische Ereignis begeisterte sogar die hohe Politik. Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Störe verfolgte das Spiel in einer Hotellobby in Kiew, wo er sich zu Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aufhielt. "Es ist ein Märchen", jubelte der Politiker im norwegischen Rundfunk. "Ich habe schon gesehen, wie sie Manchester City in Aspmyra mit 3:1 geschlagen haben. Das war ein Wahnsinnsmoment, und danach ging es einfach immer weiter."
Störe betonte die symbolische Bedeutung des Erfolgs: "Alles ist möglich. Das ist eine Ermutigung für alle und wirkt weit über den Fußball hinaus." Der Ministerpräsident erinnerte damit an den früheren Sieg gegen Manchester City in der Gruppenphase, der bereits für Aufsehen gesorgt hatte.
Historischer Triumph im San Siro
Nach einem 3:1-Erfolg im Play-off-Hinspiel gelang Bodø/Glimt der vollständige Coup gegen die italienischen Topstars. Trainer Kjetil Knutsen zeigte sich überwältigt: "Ich bin unheimlich stolz auf das, was wir sind. Es ist unglaublich, dass ein Verein wie Bodø/Glimt es bis ins Achtelfinale der Champions League schaffen kann." Den herausragenden Torwart Nikita Haikin bezeichnete er als eine "Gabe Gottes".
Kapitän Patrick Berg sprach vom "Größten, was ich in meiner Karriere erlebt habe". Der frühere Frankfurter Jen Petter Hauge erzielte den ersten Treffer und bereitete den zweiten vor – seine Leistung brachte "fast 70.000 Zuschauer im San Siro zum Schweigen", wie norwegische Medien berichteten.
Medienjubel und historische Bedeutung
Die norwegischen Medien reagierten mit Begeisterung auf den unerwarteten Erfolg:
- NRK fühlte sich angesichts der "Glimt-Pracht von Mailand" an "Hollywood" erinnert
- Verdens Gang sprach von einer "Machtdemonstration" und sah "Glimt im Himmel"
- TV2 kommentierte: "Glimt schockiert – schon wieder"
Der italienische Corriere dello Sport stöhnte: "Bodø macht dem San Siro Schüttelfrost". Der Sieg hat historische Dimensionen: Zwar stand Rosenborg Trondheim 1996/97 im Viertelfinale, aber erstmals setzte sich ein norwegischer Klub in einem K.o.-Duell der Champions League durch.
"Alles ist möglich!" – Die Zukunft des Märchens
Torschütze Hakon Evjen fasste die Stimmung zusammen: "Das ist komplett verrückt. Wir haben etwas völlig Aberwitziges geschafft." Und zur Zukunft sagte er: "Alles ist möglich!"
Im Achtelfinale wartet bei der Auslosung am Freitag entweder Manchester City oder Sporting Lissabon als Gegner. Damit könnte sich die Gelegenheit für eine Revanche gegen Manchester City ergeben oder eine neue Herausforderung gegen den portugiesischen Vertreter.
Der Erfolg von Bodø/Glimt zeigt, dass auch kleinere Vereine mit begrenzten Ressourcen in der modernen Fußballwelt Großes erreichen können. Der norwegische Außenseiter hat nicht nur sportliche Geschichte geschrieben, sondern auch bewiesen, dass Fußballträume manchmal Wirklichkeit werden können – selbst auf der größten europäischen Bühne.



