London - Das große Ziel ist ein Bad in der Themse. Nach dem Gewinn der Team-Europameisterschaft im Oktober 2025 liefen die deutschen Tischtennisfrauen im kroatischen Zadar vom Strand ins Meer. Nun soll sich das bei der Mannschafts-WM in London wiederholen. „Bei einer WM-Medaille springen wir ins Wasser“, sagte Annett Kaufmann vor dem ersten Spiel gegen Frankreich. „Das ist jetzt unser Brauch!“
Historische Rückkehr nach London
1926 fand in London die erste Tischtennis-WM statt. Genau 100 Jahre später kehrt die Sportart in die Wembley Arena zurück. Die deutschen Frauen haben etwas erreicht, das über Titel hinausgeht: Sie haben die Aufmerksamkeit in einer Sportart gewonnen, die lange nur mit Timo Boll verbunden war. Sportvorstand Richard Prause lobt: „Jede einzelne Spielerin wäre in vielen anderen Nationen die unumstrittene Nummer eins. Und jede hat eine eigene starke Geschichte.“
Sabine Winter: Die Überraschung
Die 33-Jährige ist zum achten Mal bei einer Team-WM. Seit 2025 läuft ihre Karriere anders: Sie änderte ihren Spielstil und nutzt einen Antitop-Belag, der Gegnerinnen das Tempo raubt. Ihre Erfolge: Sieg beim Top-16-Turnier, Halbfinale in Singapur, Bronze beim World Cup, Platz neun der Weltrangliste. „Die Top-10-Platzierung hätte ich nie für möglich gehalten“, sagt Winter. „Aber Medaillen sind, was man jagt. Wir sind in London ein großer Medaillenkandidat.“
Annett Kaufmann: Das neue Gesicht
Die 19-Jährige ist erst seit 2025 Profi, aber seit Olympia 2024 das neue Gesicht des deutschen Tischtennis. Sie spricht offen über Hasskommentare. „Wir sind ein wirklich gutes Team“, sagt sie. „Andere Länder haben das nicht. Man merkt in der Box, wenn eine Spielerin weiß, dass die Teamkollegin ihr keinen Erfolg gönnt.“ Winters Erfolge machen ihr nichts aus: „Neid ist eine der schlimmsten Eigenschaften. Ihre Erfolge machen meine nicht kleiner.“
Ying Han: Die Kämpferin
Die 42-Jährige gewann 2016 Olympia-Silber. Nach zwei Achillessehnenrissen 2024 kämpfte sie sich zurück in die Top 20. „Ihr Kampfgeist ist krass“, sagt Kaufmann. Im Team sind auch Nina Mittelham (29), Yuan Wan (28) und die Talente Koharu Itagaki (16), Mia Griesel (20) und Josephina Neumann (16).
Eltern aus dem Leistungssport
Viele Spielerinnen haben Eltern mit Leistungssport-Hintergrund: Kaufmanns Vater war Eishockey-Profi, Yuan Wans Vater chinesischer Nationalspieler. „Diese Spielerinnen sind mit Leistungssport aufgewachsen“, sagt Prause. In London erwartet er eine enge WM. Bei den Männern ist erstmals seit 2000 ein anderer Weltmeister als China denkbar. Bei den Frauen haben die Deutschen aufgeholt.



