Bundesliga-Tragödie: HSV-Trainer Branko Zebec betrunken auf der Bank vor 46 Jahren
Bundesliga-Tragödie: HSV-Trainer Zebec betrunken auf der Bank

Eine Bundesliga-Tragödie: Branko Zebec' betrunkener Auftritt vor 46 Jahren

Das Duell zwischen Borussia Dortmund und dem Hamburger SV am 19. April 1980 ging nicht nur wegen des sportlichen Ausgangs, sondern vor allem wegen eines peinlichen Vorfalls in die Geschichte der Bundesliga ein. Der damalige HSV-Trainer Branko Zebec erschien betrunken zum Spiel und sorgte für einen Skandal, der die Fußballwelt erschütterte.

Der Beginn der Alkohol-Odyssee

Die Tragödie um den Meistertrainer, der 1969 mit dem FC Bayern und 1979 mit dem Hamburger SV die deutsche Meisterschaft gewonnen hatte, nahm ihren Lauf bereits am Tag vor dem Auswärtsspiel in Dortmund. Der jugoslawische Trainer begann am Abreisetag zu trinken und verpasste zunächst das Training, später dann auch die Abfahrt des Mannschaftsbusses. HSV-Manager Günter Netzer ließ den Bus ohne Zebec abfahren, woraufhin dieser sich mit einem Leihwagen auf den Weg machte.

„Als ich abfuhr, war ich völlig klar“, behauptete Zebec später. Doch die Realität sah anders aus: Bei Ascheberg, etwa 60 Kilometer vor Dortmund, wurde er von der Polizei gestoppt. Die Atemalkoholmessung ergab einen Wert von 3,25 Promille. Sein Führerschein wurde eingezogen, und die Polizei brachte ihn samt Auto zum Teamhotel „Römischer Kaiser“. Dort wirkte er auf das Personal „reichlich betrunken“.

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Der peinliche Auftritt im Stadion

Am Spieltag schien es Zebec zunächst besser zu gehen. Laut Manager Netzer hielt er „eine wirklich brillante Spieler-Sitzung“ ab. Doch danach griff er erneut zur Flasche. Um 14:15 Uhr wankte er aus dem Mannschaftsbus, und ein Ordner wollte ihn zunächst nicht in die Kabine lassen: „Betrunkene kommen hier nicht rein.“ Der HSV setzte sich zwar durch, doch von ihrem Trainer hatten die Spieler an diesem Tag wenig Unterstützung.

Bereits eine halbe Stunde vor Anpfiff saß Zebec verwirrt auf der Bank. Als Borussia Dortmunds Trainer Udo Lattek ihm die Hand reichte, packte Zebec sie mit beiden Händen, ohne ihn anzusehen – eine Geste, die Lattek irritiert zurückließ. Statt letzte Anweisungen zu geben, schaute sich Zebec das Vorspiel zweier Jugendmannschaften an. Ein Journalist musste zweimal verhindern, dass er von der Bank fiel.

Das Spiel der Verwirrung

Als das Bundesligaspiel um 15:30 Uhr begann, feuerte Zebec die falsche Mannschaft an. Bei Ballbesitz des BVB rief er: „Weiter so – Tempo, Tempo!“ Immer wieder sackte er zusammen, seine Brille rutschte halb von der Nase. Als sein eigenes Team das 2:0 erzielte, „hat er versucht zu klatschen, aber seine Hände haben sich nicht mehr getroffen“, berichtete der Dortmunder Stadionverwalter.

Die unbarmherzigen Fernsehkameras sendeten ein Bild des Jammers in die Fußballwelt hinaus, und die dpa meldete von „Trunkenheit im Dienst“. Quasi unbetreut ging der HSV dennoch mit einer 2:0-Führung in die Pause – für Zebec war dies bereits das Ende. Assistent Alex Ristic führte ihn in die Kabine, wo er seufzte: „Ich kann nicht mehr!“

Die Aufklärung und gesundheitlichen Hintergründe

Manager Netzer ließ Zebec von Ordnern in den Bus setzen und vertrat ihn auf der anschließenden Pressekonferenz mit den Worten: „Unser Trainer fühlt sich nicht wohl!“ Auf Nachfragen wich er aus: „Ich bin kein Arzt.“

Die Öffentlichkeit verlangte nach Aufklärung. HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein erklärte im ZDF-Sportstudio: „Unser Trainer ist nicht ganz gesund. Er hat etwas mit der Bauchspeicheldrüse. Und wenn er einen Tropfen Alkohol trinkt, kann das böse Folgen haben.“

Am nächsten Tag entschuldigte sich Zebec, von seiner Ehefrau Dusica zum Training gefahren, stocknüchtern bei der Mannschaft. Vier Tage nach dem Vorfall gab er in der Bild-Zeitung Einblick in seine gesundheitlichen Probleme: „Wenn ich unvernünftig lebe, steigen meine Zuckerwerte im Blut sehr hoch an. Dann findet kein Stoffwechsel mehr statt.“ Dies seien späte Folgen einer Bauchspeicheldrüsen-Operation vor zehn Jahren.

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Zebec betonte: „Ich bin kein Alkoholiker!“ Doch er trank weiterhin Alkohol, den sein Körper nicht verarbeiten konnte. Nach dem verlorenen Landesmeister-Finale gegen Nottingham Forest vier Wochen später warf er seinen Spielern ein Frustbier vor: „Mit Betrunkenen trainiere ich nicht“ – eine Aussage, die ihm den letzten Kredit in der Mannschaft kostete.

Das bittere Ende und eine ironische Wendung

Im Dezember 1980 wurde Branko Zebec nach einem weiteren Vorfall entlassen. Manager Günter Netzer resümierte traurig: „Am meisten tat mir weh, dass ich Branco nicht helfen konnte.“ Die ironische Pointe der Geschichte: Zebecs nächster Verein in der Bundesliga wurde ausgerechnet Borussia Dortmund – jener Klub, vor dessen Augen sich die Tragödie abgespielt hatte.

Dieser Vorfall bleibt als einer der peinlichsten Momente der Bundesliga-Geschichte in Erinnerung und wirft ein schwieriges Licht auf den Umgang mit Suchtproblemen im Profisport der damaligen Zeit.