BVB-Analyse von Michael Makus: Dortmunds bittere Titel-Wahrheit und die notwendigen Sommer-Veränderungen
Die BVB-Stars Julian Brandt, Karim Adeyemi und Maximilian Beier vor der Partie gegen RB Leipzig. Borsigplatz, wir haben ein ernstes Problem! Der von den Dortmund-Fans so sehnlichst ersehnte Meister-Korso muss trotz des emotionalen Last-Minute-Ausgleichs in Leipzig auch im 14. Jahr in Folge auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Die harte Realität des Meisterkampfes
Selbst wenn der BVB im deutschen Klassiker am nächsten Samstag der K&K-Eliteeinheit die zweite Saison-Niederlage zufügen würde, bliebe der Rückstand auf die Münchener nach 23 Spieltagen bei fünf Punkten. Diese Meisterschaft geben die Bayern kaum mehr her, dafür muss man kein Seher sein. Die Bundesliga-Situation ist absurd: Die Kovac-Borussen spielen punktetechnisch die beste Saison seit 15 Jahren, haben erst eine Niederlage kassiert und sind trotzdem chancenlos im Duell um die Silberware.
Die vier Kernprobleme des BVB
Zur bitteren Wahrheit gehören vier fundamentale Probleme, die sich die Dortmunder größtenteils selbst eingebrockt haben:
- Die überflüssige Champions-League-Ehrenrunde: Die Play-off-Spiele gegen Atalanta Bergamo waren unnötig wie die Zoll-Wut von Trump. Ausgerechnet zwischen den Top-Spielen gegen Leipzig und Bayern terminiert, haben diese finanziell lukrativen Begegnungen maximale Aufmerksamkeit und Frische für den Liga-Alltag geraubt.
- Die verpasste Winter-Verstärkung: Nach den jüngsten Ausfällen von Nico Schlotterbeck, Emre Can, Niklas Süle und Filippo Mane rächt sich jetzt, dass die BVB-Bosse es im Winter versäumt haben, einen dringend benötigten Abwehr-Transfer nachzulegen, besonders nach der peinlichen Klausel-Panne um Leihspieler Aaron Anselmino.
- Zu viele Unentschieden: Sieben Remis nach 22 Spieltagen sind schlicht zu viel, wenn man bis zum Ende gegen die Über-Bayern um die Schale mitspielen will. Das Dramatische: Zumeist waren es Spiele, in denen der BVB die Siege allesamt auf den letzten Drücker fahrlässig hergeschenkt hat.
- Der Abstieg von Karim Adeyemi: Der 24-jährige Offensivspieler ist seit seinen Eskapaden vom Unterschiedsspieler zum Bank-Mitläufer geschrumpft. Nur fünf Liga-Tore und vier Vorlagen sind für einen potenziellen Weltklassespieler einfach viel zu wenig. Kein einziges 90-Minuten-Spiel in der Bundesliga in dieser Spielzeit ist alles andere als eine WM-Empfehlung.
Die notwendigen Veränderungen im Sommer
Dortmund verabschiedet sich schleichend aus dem Meister-Duell. Realist Niko Kovac, der betont, dass man zunächst in den Rückspiegel schauen und das Champions-League-Ziel erreichen muss, wird mit seiner defensiven Prognose wohl recht behalten. Seine persönliche Titel-Gier wird das sicher nicht schmälern, doch im Sommer ist definitiv eine intensive Kader-Auffrischung vonnöten. Nachhaltig kommt der BVB sonst nur noch schwerlich an Bayern vorbei.
Immerhin: Mit einem Heimsieg im Klassiker am Samstag kann Kovac in Dortmund weiter an seinem Kult-Status unter den Fans arbeiten. Doch die strukturellen Probleme erfordern tiefgreifende Veränderungen, wenn der BVB langfristig wieder ernsthaft um die Meisterschaft mitspielen will.



