Plötzliches Ende einer BVB-Ära: Sebastian Kehl verlässt Borussia Dortmund
In einer überraschenden Entwicklung hat sich Borussia Dortmund von Sportdirektor Sebastian Kehl getrennt. Der 46-Jährige muss den Verein nach insgesamt 24 Jahren als Spieler und Funktionär mit sofortiger Wirkung verlassen. Die Entscheidung fiel nur wenige Stunden nach dem dramatischen 3:2-Sieg gegen den Hamburger SV, bei dem Kehl noch über Kaderplanungen gesprochen hatte.
Gemeinsame Entscheidung nach offenem Gespräch
Sportchef Lars Ricken erklärte zur Trennung: „In einem sehr offenen Gespräch sind Sebastian Kehl, Carsten Cramer und ich zu der gemeinsamen Überzeugung gelangt, dass im Sommer der richtige Zeitpunkt für Veränderungen gekommen ist. Damit sich beide Seiten darauf vorbereiten können, haben wir uns einvernehmlich auf eine sofortige Beendigung von Sebastians Tätigkeit verständigt.“ Ricken selbst stand zuletzt ebenfalls in der Kritik, ebenso wie Kehl, der seine Kaderzusammenstellung in den vergangenen Monaten immer wieder verteidigen musste.
Sieben Spieltage vor Saisonende: BVB-Position zementiert
Der Sieg gegen den HSV zementierte praktisch die Vizemeisterschaft für Borussia Dortmund. Mit sieben Spieltagen vor Saisonende besteht ein Rückstand von neun Punkten auf Liga-Primus Bayern München und ein Vorsprung von elf Zählern auf Rang fünf. Diese gewonnene Zeit scheinen die BVB-Bosse nun für Veränderungen auf Führungsebene nutzen zu wollen.
Clubchef Carsten Cramer kommentierte: „Die Trennung von Sebastian Kehl bedeutet natürlich einen Einschnitt in unserer sportlichen Führungsebene.“ Die Entscheidung kommt überraschend, da Kehl erst in der vergangenen Woche Gespräche über die Vertragsverlängerung von Nationalverteidiger Nico Schlotterbeck geführt hatte und optimistisch äußerte, der Spieler würde in Dortmund bleiben.
Kaderplanungen bis zum letzten Moment
Kehl trieb seine Kaderplanungen bis zuletzt voran, was im Nachhinein grotesk wirkt. Dies gilt auch für eine Scoutingtour in der Champions League in der vergangenen Woche, bei der sich der BVB bereits in der Achtelfinal-Qualifikation gegen Atalanta Bergamo verabschiedet hatte. Die einkalkulierten Millionen fehlen dem börsennotierten Verein nun und drücken trotz der guten Bundesligasaison auf die Stimmung.
Die eigentlich für den Sommer geplante Saisonanalyse wird von neuem Clubchef Cramer offenbar vorgezogen. Der Nachfolger von Hans-Joachim Watzke, der ins Präsidentenamt gewechselt ist, will den BVB wieder auf Titelreife trimmen. Ob die Umgestaltung weitere personelle Konsequenzen nach sich zieht – etwa für Sportchef Ricken – bleibt unklar.
Gerüchte um mögliche Nachfolger und Kehls Zukunft
Zuletzt gab es Gerüchte um Frankfurts Markus Krösche, der bei Eintracht Frankfurt Sportvorstand ist und bei einem neuen Verein kaum eine Ebene darunter als Sportdirektor arbeiten würde. Auch um Sebastian Kehl selbst gibt es bereits Spekulationen. Sein Name wird ausgerechnet beim Gegner vom Samstagabend, dem Hamburger SV, gehandelt. Der Aufsteiger sucht noch einen Nachfolger für Stefan Kuntz, der als Sport-Geschäftsführer zum Ende des vergangenen Jahres ausgeschieden war.
Kehls emotionale Abschiedsworte
Sebastian Kehl äußerte sich emotional zu seiner Trennung: „Borussia Dortmund hat mich mein halbes Leben begleitet und ich habe eine extreme Verbundenheit zu diesem großartigen Club. Trotzdem haben wir nun gemeinsam das Gefühl entwickelt, dass es an der Zeit ist, neue Wege zu gehen – sowohl für den BVB als auch für mich.“ Der ehemalige Nationalspieler und BVB-Kapitän war 13 Jahre lang aktiv für den Verein, wurde dreimal deutscher Meister und gewann 2012 das Double.
Der 46-Jährige wurde 2018 zunächst Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung und übernahm 2022 das Amt des Sportdirektors als Nachfolger von Michael Zorc. Bei der Wahl eines Sport-Geschäftsführers war Kehl jedoch bereits übergangen worden – die Wahl fiel damals auf Lars Ricken.
Watzke würdigt Kehls Verdienste
Hans-Joachim Watzke, der die Entscheidung für Ricken 2024 noch getroffen hatte, würdigte Kehls Verdienste: „Sebastian Kehl hat bereits heute einen festen Platz in den Annalen von Borussia Dortmund. Für seine persönliche Zukunft wünsche ich ihm alles erdenklich Gute und für seine weitere Karriere größtmögliche Erfolge.“
Trainer Niko Kovac muss künftig ohne Sportdirektor Sebastian Kehl auskommen, während der BVB eine neue Ära in der sportlichen Führung beginnt. Die abrupte Trennung markiert das Ende einer 24-jährigen Verbindung zwischen Kehl und dem Verein, die eine ganze Ära im deutschen Fußball geprägt hat.



