EL-Präsident Schäfer warnt: Champions League bedroht nationale Ligen
Claudius Schäfer, der Präsident des Verbandes professioneller europäischer Fußballligen, hat eindringlich vor den negativen Auswirkungen der Champions League auf den Wettbewerb in den nationalen Ligen gewarnt. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung forderte der Schweizer ein grundlegendes Umdenken im gesamten Verteilungssystem der Gelder, um den Fußball europaweit zu schützen.
Finanzielle Polarisierung als Hauptproblem
Schäfer betonte, dass die Champions League mittlerweile so groß geworden sei, dass es für die nationalen Ligen immer schwieriger werde, sich zu behaupten. Die Millionen-Einnahmen aus dem prestigeträchtigen Wettbewerb hätten einen sehr großen Effekt auf die Ausgeglichenheit im Fußball, da das Geld dort weniger solidarisch verteilt werde als in den heimischen Ligen. Dies führe zu einer unglaublichen finanziellen Polarisierung, die das Produkt Fußball insgesamt weniger interessant mache.
Als Beispiel nannte Schäfer die Bundesliga, wo der FC Bayern München zwölf der letzten dreizehn Meistertitel gewonnen habe. Wenn die Polarisierung zu groß wird, kommt es zu einer Monotonie, die den Wettbewerb langfristig schädige. Der EL-Chef sieht hier dringenden Handlungsbedarf, um die Attraktivität des Fußballs in ganz Europa zu bewahren.
Forderung nach solidarischerer Verteilung
Schäfer, der auch im Exekutivkomitee der UEFA sitzt, verwies auf den Solidaritätsgedanken als einen der Hauptzwecke des europäischen Fußballverbandes. Für das Gesamtgefüge des europäischen Fußballs müssen in Zukunft Anpassungen erfolgen, forderte er. Bislang seien bei der ungleichen Geldverteilung nur wenige Top-Ligen wie England, Spanien, Deutschland und Italien mit einem blauen Auge davongekommen.
Die negativen Effekte spürten vor allem die mittelgroßen Ligen, die unter dem finanziellen Druck stark litten. Der Verband European Leagues vertritt 40 europäische Ligen in 34 Ländern und 1170 Klubs, darunter auch die Deutsche Fußball Liga. Schäfer betonte, dass die gesamte Fußballfamilie das Verteilungssystem neu diskutieren müsse, um den Wettbewerb nachhaltig zu sichern.
Zukunft des europäischen Fußballs auf dem Spiel
Die aktuelle Entwicklung bedrohe nicht nur die sportliche Vielfalt, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität vieler Klubs in kleineren Ligen. Schäfers Warnung unterstreicht die Dringlichkeit einer Reform, die eine gerechtere Verteilung der Champions-League-Einnahmen vorsieht. Nur so könne verhindert werden, dass der europäische Fußball in eine noch größere finanzielle Schieflage gerate.
Die Diskussion um die Geldverteilung wird in den kommenden Monaten sicherlich an Fahrt gewinnen, da immer mehr Stimmen aus den mittelgroßen Ligen ähnliche Bedenken äußern. Der Ruf nach mehr Solidarität im europäischen Fußball wird lauter, und Schäfer positioniert sich hier als wichtiger Fürsprecher für einen fairen Wettbewerb.



