Drei Darts-Legenden im freien Fall: Karriere am Scheideweg bei den UK Open
Mit den UK Open startet das dritte Major-Turnier des Jahres im Butlin's Minehead Resort, und für drei einstige Weltklassespieler wird dieses Event zum entscheidenden Wendepunkt ihrer Karriere. Peter Wright, Raymond van Barneveld und Dimitri Van den Bergh – allesamt Namen, die noch vor wenigen Jahren Ehrfurcht bei ihren Gegnern auslösten – befinden sich in einem alarmierenden Formtief.
Die dramatische Situation der Darts-Stars
Insgesamt nehmen 160 Spieler an den UK Open teil, doch die Aufmerksamkeit richtet sich besonders auf die drei kriselnden Topstars. SPORT1-Experte Philip Brzezinski, Master of Ceremonies der PDC Europe, analysiert die prekäre Lage der Spieler und wagt eine Prognose für deren Zukunft.
Peter Wright: Der zweimalige Weltmeister ist am 17. Februar erstmals seit 15 Jahren aus den Top 32 der Order of Merit gefallen. 2026 gewann er bei sechs Players-Championship-Turnieren lediglich zwei Spiele. „Seit ein paar Jahren zeigt die Formkurve nach unten“, stellt Brzezinski fest. Besonders besorgniserregend sind Wrights schwache Averages, die teils unter 80 Punkte fallen. „Wenn du auf dem Profi-Circuit in den Bereich kommst, dass du unter die 80 Punkte im Schnitt fällst, dann ist es schon ein klares Zeichen, dass einige Dinge im Spiel nicht stimmen“, betont der Experte.
Das grundlegende Problem: Darts ist Kopfsache. „Du kannst im Darts nichts erzwingen. Wenn du es erzwingen willst, wird es eigentlich nur noch schlimmer“, erklärt Brzezinski. Ende 2023 war Wright noch die Nummer vier der Welt, jetzt droht bei ausbleibendem Preisgeld sogar ein Kampf um die Tour Card für 2028.
Raymond van Barneveld: Der Kampf gegen die Zeit
Die Formkurve des 58-jährigen Niederländers zeigt bereits seit rund zehn Jahren nach unten. Nach seinem Erstrunden-Aus bei der WM 2020 beendete er zunächst seine Karriere, kehrte aber aus finanziellen Gründen nach nur zehn Monaten zurück. Seither kämpft der Weltmeister darum, in den Top 32 der Weltrangliste zu bleiben.
„Er hat das Qualifikationsturnier des Masters ausgelassen. Er hat nicht einmal daran geglaubt, dass er sich für das Turnier qualifizieren kann“, schildert Brzezinski die mangelnde Selbstsicherheit van Barnevelds. Der Experte zieht einen deutlichen Vergleich: „Beide sind im fortgeschrittenen Alter und die Zeit kann keiner aufhalten, die Zeit schlägt niemand. Irgendwann lässt du feinmotorisch nach und bist nicht mehr so belastbar wie die jüngere Generation.“
Dimitri Van den Bergh: Die mentale Krise
„Seine Situation ist noch eine Spur ernster“, leitet Brzezinski die Analyse des 31-jährigen Belgiers ein. „Barney und Wright haben vieles erreicht und sind im Spätherbst ihrer Karriere und Van den Bergh sollte eigentlich jetzt in seiner Prime sein.“ Doch seit 2025 plagen ihn mentale Probleme, die zu einer mehrmonatigen Pause führten.
„Auch bei ihm ist es keine Ergebnis-, sondern eine veritable Leistungskrise“, stellt Brzezinski heraus. „Es ist schwierig genug, wenn du nicht das Selbstvertrauen und eine mentale Krise hast, aber wenn sich das auch noch auf dein Rüstzeug auswirkt, dann ist es ganz, ganz gefährlich.“
2026 geht es für Van den Bergh um den bitteren Kampf um seine Tour Card. In der bereinigten Order of Merit steht er auf Platz 58 mit nur noch rund 8.000 Pfund Vorsprung auf die Top 64. Brzezinski hält es nicht für ausgeschlossen, dass der Belgier seine Tour Card verlieren wird: „Ich bin pessimistisch, weil die Leistung einfach nicht gut ist. Du kannst mal schlechte Ergebnisse haben, aber Dimi hat aktuell große Schwierigkeiten, über 90 Punkte im Schnitt zu spielen.“
Die Zukunft der drei Darts-Stars
Für alle drei Spieler stellen die UK Open eine entscheidende Weichenstellung dar. Während Wright und van Barneveld gegen das natürliche Karriereende kämpfen, ringt Van den Bergh mit mentalen Herausforderungen in seiner eigentlich besten Zeit. Brzezinski fasst die Situation treffend zusammen: „Ich halte bei ihm alles für möglich: Sowohl, dass er in den nächsten Jahren wieder zu alter Stärke zurückfindet, als auch, dass er von der Tour verschwindet. Er muss wieder zu sich finden und für sich spielen, für niemanden anderen sonst.“
Die kommenden Tage im Butlin's Minehead Resort werden zeigen, ob die drei einstigen Weltklassespieler den Weg zurück in die Erfolgsspur finden oder ob ihre Karrieren weiter in den freien Fall geraten.



