Ein Jahr nach der Katastrophe: Myanmars Bevölkerung leidet weiter
Genau ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,7 in Myanmar kämpfen Millionen Menschen in dem südostasiatischen Land weiterhin mit den katastrophalen Folgen der Naturgewalt. Besonders in den zentralen Regionen Mandalay und Sagaing kommt der dringend benötigte Wiederaufbau nur äußerst schleppend voran, wie zahlreiche Hilfsorganisationen aktuell berichten. Viele betroffene Familien leben noch immer in provisorischen Notunterkünften, und der Zugang zu sauberem Trinkwasser bleibt für zahlreiche Gemeinden ein ungelöstes Problem.
Humanitäre Krise verschärft sich durch Konflikte
Der Wiederaufbauprozess stockt nicht nur aufgrund massiver Kürzungen internationaler Hilfsmittel, wie die Welthungerhilfe mitteilt, sondern wird zusätzlich durch den anhaltenden blutigen Bürgerkrieg in vielen Landesteilen Myanmars behindert. „Aktuell leiden rund 12,4 Millionen Menschen unter akuter Ernährungsunsicherheit, 8,5 Millionen sind auf dringende Nahrungsmittelhilfe angewiesen“, erklärt Henry Braun, der Landesdirektor der deutschen Hilfsorganisation in Myanmar, in einem aktuellen Statement. Das gewaltige Beben vom 28. März 2025, das selbst im benachbarten Thailand deutlich zu spüren war, traf das von Konflikten geprägte Land besonders hart.
Unklare Opferzahlen und massive Zerstörungen
Die genaue Zahl der Todesopfer bleibt auch ein Jahr nach der Katastrophe ungewiss. Je nach Quelle variieren die Angaben zwischen 3.800 und 5.300 Menschenleben. Unbestritten ist jedoch, dass Tausende weitere Bewohner verletzt wurden und unzählige Familien ihre komplette Existenzgrundlage verloren haben. Die Zerstörungen waren gewaltig und betrafen insbesondere:
- Unzählige Wohnhäuser und Gebäude
- Kritische Infrastruktureinrichtungen
- Viele heilige Stätten in den Regionen Sagaing und Mandalay
Laut den Vereinten Nationen waren insgesamt mehr als 17 Millionen Menschen vor allem im Zentrum Myanmars von den Auswirkungen betroffen, darunter etwa neun Millionen in den am schwersten zerstörten Gebieten.
Bürgerkrieg und internationale Konflikte als zusätzliche Belastung
Seit dem Militärputsch Anfang 2021 leidet die Bevölkerung Myanmars unter ständigen Angriffen und Gewalt. Die Junta geht mit äußerster Härte gegen jeden Widerstand vor, was die humanitäre Situation zusätzlich verschärft. „Der Wiederaufbau braucht auch Zeit, weil die Gemeinden weiter unter den Folgen des andauernden bewaffneten Konflikts leiden“, teilt das Internationale Rote Kreuz mit. Hinzu kommen die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten, die durch steigende Treibstoff- und Düngemittelpreise spürbare Konsequenzen für Myanmar haben.
Logistische Herausforderungen und Energieknappheit
Die aktuelle Krise verteuert nicht nur den Alltag der Menschen, sondern erschwert massiv die Lieferung von Hilfsgütern und den Zugang zu Lebensmitteln sowie medizinischer Versorgung. „An den Tankstellen bilden sich lange Schlangen, und die Transportkosten ziehen deutlich an“, betont Henry Braun von der Welthungerhilfe. Wegen der akuten Energieknappheit dürfen Fahrzeuge mittlerweile nur noch zweimal pro Woche betankt werden und entweder nur an geraden oder ungeraden Tagen fahren – eine massive Einschränkung für Hilfsorganisationen und die Bevölkerung gleichermaßen.
Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, trotz der komplexen politischen und sicherheitspolitischen Lage weiterhin humanitäre Unterstützung zu leisten, während Myanmar gleichzeitig mit den Langzeitfolgen einer der schwersten Naturkatastrophen seiner jüngeren Geschichte ringt.



