Deutsche Fußballerinnen in England: Der schwierige Weg in der Women's Super League
Die englische Women's Super League übt eine große Anziehungskraft auf deutsche Fußballerinnen aus. Doch der Wechsel auf die Insel ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden, wie die aktuellen Erfahrungen von Nationalspielerinnen zeigen. Lea Schüller und Sjoeke Nüsken müssen sich in der starken und lukrativen Liga erst einmal durchsetzen – ein Prozess, der Geduld und Anpassungsfähigkeit erfordert.
Schüllers Abschied von der Komfortzone
Die Wiedersehensfreude um Lea Schüller am DFB-Campus fiel besonders herzlich aus. Die Torjägerin hatte bei den Nations-League-Finals gegen Spanien gefehlt und war in der Winterpause vom FC Bayern zu Manchester United gewechselt. Bundestrainer Christian Wück blickt immer häufiger nach England, wo die Women's Super League sowohl reizvoll als auch riskant für deutsche Fußballerinnen ist.
Schüller steht in den WM-Qualifikationsspielen gegen Slowenien und Norwegen besonders im Mittelpunkt. Der Stürmerin, die sich selbst als „Heimscheißerin“ bezeichnet, fiel der Abschied nach fünfeinhalb Jahren in München extrem schwer. „München war eine Komfortzone für mich, und da musste ich einfach raus“, erklärte Schüller im Podcast ihrer früheren Mitspielerin Lena Magull. Trotz 54 Toren in 82 Länderspielen stand sie lange im Schatten von Alexandra Popp und verlor auch bei den Bayern an Bedeutung.
Anpassung an den englischen Fußball
In Manchester hat sich Schüller noch keinen Stammplatz erkämpfen können, doch Bundestrainer Wück ist optimistisch: „Ich glaube, sie wird sich körperlich, athletisch unheimlich weiterentwickeln. Wir wissen, dass in England ein sehr athletischer, ein sehr körperlicher Fußball gespielt wird – auch gegen den Ball.“ Der Wechsel nach England könnte ihr genau die Impulse geben, die sie für ihre weitere Entwicklung benötigt.
Schüller beschreibt die Unterschiede deutlich: Bei Manchester United gebe es mehr Athletiktrainer, mehr Physiotherapeuten und eine täglich anwesende Ernährungsberaterin. Dazu stehen drei verschiedene Trainingsplätze nur für die Frauen zur Verfügung. „Das Training ist viel anstrengender. Ich mache hier momentan deutlich mehr. Und die Spiele sind hier häufiger schwer als es mit Bayern der Fall war. Das Pressing ist wirklich immer Vollgas“, so die Nationalspielerin.
Nüskens erfolgreicher Kampf um den Platz
Ein Beispiel für die rasche Veränderung in der WSL zeigt Sjoeke Nüsken. Die 25-Jährige, die 2023 von Eintracht Frankfurt zum FC Chelsea wechselte, ist eine zentrale Figur der DFB-Elf. Selbst die Mittelfeldspielerin hatte in der Hinrunde bei ihrem Club zu kämpfen und wurde bereits als Neuzugang beim FC Bayern gehandelt – doch jetzt ist sie in London plötzlich wieder gesetzt und erfolgreich.
„Ich weiß, dass sie sehr unzufrieden war, dass sie nicht gespielt hat. Und ich weiß auch, dass sie sich da unbedingt rauskämpfen wollte. Das hat sie jetzt Gott sei Dank geschafft“, sagte Wück über Nüskens Entwicklung. Ihr Beispiel zeigt, dass Geduld und Durchhaltevermögen in der englischen Liga entscheidend sein können.
Weitere deutsche Spielerinnen in England
Im Land der Europameisterinnen sind weitere deutsche Fußballerinnen beschäftigt:
- Sydney Lohmann spielt seit dieser Saison für Manchester City, wurde aber nur auf Abruf für die Nationalmannschaft nominiert – zu viele kleinere Verletzungen, zu wenig Einsatzzeiten.
- Rebekka Knaak ist die einzige deutsche Spielerin in England, die regelmäßig Spielminuten erhält, wie Wück betonte.
- Shekiera Martinez von West Ham United hat sich als neue Konkurrentin in der deutschen Auswahl empfohlen.
Interessant ist, dass Schüller und Lohmann im gleichen Appartement-Block in Manchester wohnen und sich von Fenster zu Fenster zuwinken können – eine kleine deutsche Gemeinschaft in der Fremde.
Gescheiterte England-Abenteuer
Nicht alle deutschen Fußballerinnen konnten sich in England durchsetzen. Zwei Bundesliga-Spielerinnen, die Wück ebenfalls auf dem Zettel hatte, haben das Wagnis England wieder abgebrochen:
- Torhüterin Rafaela Borggräfe verließ den FC Liverpool nach einer sechsspieligen Sperre wegen diskriminierender Aussagen und spielt nun für Bayer Leverkusen.
- Das einstige Hoffenheimer Offensivtalent Mara Alber ließ sich nach einem halben Jahr bei Chelsea an Werder Bremen ausleihen.
Diese Beispiele zeigen, dass der Weg in der Women's Super League nicht für alle deutschen Fußballerinnen erfolgreich verläuft und dass die Anforderungen in England besonders hoch sind.
Die Women's Super League bleibt für deutsche Fußballerinnen eine attraktive, aber fordernde Option. Während einige Spielerinnen wie Sjoeke Nüsken sich erfolgreich durchkämpfen, benötigen andere wie Lea Schüller noch Zeit für die Anpassung. Bundestrainer Christian Wück beobachtet die Entwicklungen genau, denn die Erfahrungen in England könnten für die deutsche Nationalmannschaft von großem Wert sein.



