WM-Qualifikation im Fokus: Die DFB-Frauen auf dem Weg nach Brasilien 2027
Die deutschen Fußballerinnen durchlaufen die WM-Qualifikation mit beeindruckenden Ergebnissen, doch Bundestrainer Christian Wück sieht noch Luft nach oben. Vor dem wichtigen Rückspiel gegen Österreich am Samstag in Ried betont der 52-Jährige, dass die Überlegenheit gegen vermeintlich schwächere Gegner deutlicher auf dem Platz gezeigt werden muss. Nach drei von sechs Qualifikationsspielen zieht das Team eine gemischte Halbzeitbilanz auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien.
Stärken der Mannschaft: Solide Defensive und offensive Flügel
Im Tor bleibt Olympia-Heldin Ann-Katrin Berger mit 35 Jahren eine verlässliche Stütze, auch wenn sie bisher selten ernsthaft gefordert wurde. Nur ein Gegentor in der Qualifikation spricht für die defensive Disziplin der gesamten Mannschaft. Im defensiven Mittelfeld glänzen regelmäßig Sjoeke Nüsken, die Erfahrung aus der englischen Liga einbringt, und Elisa Senß. Auf den Außenbahnen sorgen Rückkehrerin Vivien Endemann und die konstante Jule Brand für Tempo und Gefahr, während Klara Bühl verletzungsbedingt fehlt.
Schwächen und Verbesserungspotenzial
Das Spiel mit dem Ball wirkt oft noch unruhig und unpräzise. Wück kritisiert wiederholt die Passsicherheit und -schärfe. Zudem moniert er die Bewegung ohne Ball: „Die Spielerinnen, die nicht am Ball waren, waren zu wenig in Bewegung“, so der Chefcoach. Trotz der Einordnung als Weltklasseteam hapert es spielerisch noch an vielen Stellen. Von der Ballsicherheit spanischer Weltmeisterinnen ist das Wück-Team deutlich entfernt.
Newcomer und Konkurrenzkampf
Debütantinnen wie Larissa Mühlhaus von Werder Bremen im Angriff oder Jella Veit von Eintracht Frankfurt in der Abwehr erhöhen den Druck auf die Etablierten. Auch Wolfsburgs Camilla Küver und Shekiera Martinez von West Ham United gehören zu den neuen Gesichtern. Als jüngste Nachwuchshoffnung gilt die 22-jährige Sarah Mattner-Trembleau vom SKN St. Pölten.
Schlüsselspielerinnen und taktische Ausrichtung
Abwehrchefin Janina Minge übernimmt nach dem erneuten Ausfall von Giulia Gwinn eine Führungsrolle. Die zentrale Achse mit Berger, Minge und Nüsken steht fest, doch die Position der Mittelstürmerin bleibt unklar. Lea Schüller kämpft sich nach einem schwierigen Jahr zurück, während Nicole Anyomi uneinheitlich performt. Giovanna Hoffmann fehlt nach einem Kreuzbandriss.
Taktisch setzt Wück auf offensives Spiel gegen schwächere Gegner, mit aktiven Außenverteidigerinnen im 4-2-3-1-System. Gegen stärkere Teams könnte er die Zehner-Position opfern, um mehr Kompaktheit zu erreichen. Die Frage bleibt, ob Ballbesitz oder Konter gegen Spitzenteams priorisiert werden.
Perspektiven und Ausblick
Der Gruppensieg und das direkte WM-Ticket könnten bereits am 5. Juni in Köln gegen Norwegen gesichert werden. Bis zur WM muss das Team an Tempo, Ballsicherheit und Effizienz arbeiten. Wück hat mehr Alternativen als im Vorjahr, was den Konkurrenzkampf verschärft. Zusammen mit seinen Assistentinnen Saskia Bartusiak und Maren Meinert zeigt er ein gutes Händchen für Neulinge. Langfristig hofft er auf Rückkehrerinnen wie Giulia Gwinn und Klara Bühl, während Topgegner wie Spanien und Frankreich wichtige Entwicklungsschritte ermöglichen.



