Enttäuschende Vorstellung: DFB-Frauen bleiben in Österreich ohne Torerfolg
Das deutsche Frauen-Nationalteam hat in der WM-Qualifikation einen unerwarteten Rückschlag erlitten. Beim 0:0 im Auswärtsspiel gegen Österreich zeigte die Mannschaft von Bundestrainer Christian Wück eine enttäuschende Leistung und verpasste gegen das Gruppen-Schlusslicht den vierten Sieg in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien.
Wück spricht von Treppensturz in der Entwicklung
Nach dem Abpfiff versammelte Christian Wück seine Spielerinnen mit konsterniertem Blick. „Heute sind wir vielleicht die Treppe, die wir schon oben waren, oder die Treppenstufe, die wir schon oben waren, wieder runtergefallen“, analysierte der 52-jährige Bundestrainer die enttäuschende Vorstellung vor 4.300 Zuschauern im ausverkauften Stadion von Ried. Während des Spiels war Wück sichtlich aufgebracht an der Seitenlinie zu sehen und rief seiner Mannschaft zu: „Auf was wartet ihr denn?“
Die österreichische Außenseiter-Mannschaft feierte ausgelassen ihren ersten Punktgewinn im neunten Duell mit dem deutschen Nachbarn und bezeichnete dies als historischen Erfolg.
Fehlende Qualität im Passspiel und offensive Schwächen
Mittelfeldspielerin Sjoeke Nüsken brachte die Probleme auf den Punkt: „Bei uns fehlte die Qualität im Passspiel. Es hat vorn und hinten nicht gepasst.“ Bereits nach dem 5:1 im Hinspiel vier Tage zuvor in Nürnberg hatte Wück ähnliche Schwächen kritisiert, doch damstimmte wenigstens noch das trügerische Ergebnis.
In der Offensive zeigten die deutschen Spielerinnen deutliche Defizite:
- Larissa Mühlhaus von Werder Bremen deutete in ihrer ersten Startelf-Einsatz auf der Zehnerposition zwar Potenzial an
- Die zuletzt starken Flügelstürmerinnen Jule Brand und Vivien Endemann kamen jedoch viel zu selten durch
- Sturmspitze Nicole Anyomi blieb weitgehend blass und ungefährlich
- Linda Dallmann vergab eine der wenigen Torchancen der verzweifelt agierenden deutschen Auswahl
Verletzung und Rote Karte verschärfen die Situation
Zu den sportlichen Problemen kamen weitere Rückschläge hinzu. Vivien Endemann musste mit einer Knieverletzung vom Platz, wobei Wück Entwarnung gab: „Es ist wohl nicht so schlimm. Wir werden das weiter untersuchen, aber sie hat jetzt keine großen Schmerzen.“
In der Schlussphase sah Kapitänin Janina Minge nach einer Notbremse die Rote Karte. Zuvor hatte die Abwehrchefin vom VfL Wolfsburg noch an die Latte geköpft und damit eine der besten deutschen Chancen vergeben.
Spielbedingungen als zusätzliche Herausforderung
Elisa Senß kritisierte nach dem Spiel die äußeren Bedingungen: „Ich bin kein Freund davon, irgendwie Ausreden zu suchen, aber ich glaube, Platz und Ball hätten besser sein können.“ Die Frankfurterin erklärte: „Der Ball hat sehr doll gehoppelt. Also wenn du das Spiel schnell machen willst und Druckball spielst, dann hoppst er halt komisch auf. Wenn du ihn nicht scharf spielst, dann ist er ewig lang unterwegs.“
Norwegen-Duell wird zur Nagelprobe
Trotz des Rückschlags bleibt das deutsche Team Tabellenführer in der Qualifikationsgruppe. Vor dem nächsten Spiel am 5. Juni in Köln gegen Norwegen liegt Deutschland mit einem Punkt Vorsprung vor den Skandinavierinnen. Nur der Gruppenerste sichert sich das direkte Ticket für die WM 2027.
Christian Wück zeigte sich nach der Enttäuschung dennoch optimistisch: „Wir haben noch alles selbst in der Hand. Wir werden jetzt unsere Lehren daraus ziehen. Wir haben hier nicht das gezeigt, was wir können. Aber wir wissen, was die Mannschaft kann.“ Der Bundestrainer räumte ein: „Man muss halt auch anerkennen, dass die Österreicherinnen es uns sehr schwer gemacht haben. Es ist nicht angenehm, so ein Spiel von der eigenen Mannschaft zu sehen. Aber wir ziehen das Positive raus. Wir wissen, wo wir ansetzen müssen, und das werden wir machen.“
Zum Abschluss der Qualifikation müssen die DFB-Frauen am 9. Juni noch nach Slowenien reisen, wo sie dringend eine deutliche Leistungssteigerung zeigen müssen, um die direkte WM-Qualifikation nicht zu gefährden.



