Spannende Abstimmung im Südwesten: Bekannter Klub-Mäzen plädiert für DFB-Reform
Nach 14 Jahren kontroverser Diskussionen über die Ligen-Struktur im deutschen Fußball steht an diesem Donnerstag eine historische Abstimmung in der Regionalliga Südwest an. Ihr Ausgang ist von bundesweiter Bedeutung und könnte die Zukunft des Profi-Unterbaus nachhaltig verändern. Die SG Sonnenhof Großaspach führt aktuell die Tabelle der Südwest-Staffel an und wäre damit berechtigt, am Saisonende in die 3. Liga aufzusteigen.
Das Dilemma der fünf Regionalligen
Allerdings herrscht nicht überall in Deutschland dieselbe Aufstiegsfreude. Bei fünf existierenden Regionalligen dürfen nur vier Klubs direkt aufsteigen. Während die Staffeln Westen und Südwesten fest gesetzt sind, müssen Bayern, der Norden und der Nordosten alle drei Jahre um einen direkten Aufsteiger kämpfen und in anderen Jahren in eine Relegation. Diese Ungleichheit hat zu erheblichen Spannungen geführt.
Eine DFB-Arbeitsgruppe hat nun zwei Reformvorschläge zur Wahl gestellt, um aus den fünf Staffeln vier zu machen und das Problem für alle Beteiligten zu lösen:
- Das Kompassmodell: Mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz würden die dann 80 statt 90 Viertligisten jedes Jahr nach geographischen Gesichtspunkten neu angeordnet.
- Das Regionen-Modell: Bayern, der Norden und der Nordosten müssten aus drei Staffeln zwei bilden, was dauerhaft zu deutlich längeren Fahrtstrecken in diesen Regionen führen würde.
Ferber sieht historischen Moment für den DFB
Ulrich Ferber (66), Klub-Mäzen in Großaspach und Ehemann der Schlagersängerin Andrea Berg (60), erkennt in dieser Abstimmung einen historischen Moment für den Deutschen Fußball-Bund. „Ich glaube, dass wir jetzt eine Lösung finden müssen, wo alle Meister aufsteigen. Und zwar ohne, irgendwo verbrannte Erde zu hinterlassen“, erklärt der auf vielen Ebenen engagierte Mäzen.
Für Großaspach hätte das Kompassmodell sogar Vorteile: Durch die geografische Neuordnung würden die Gegner neben den baden-württembergischen Duellen vermehrt aus Bayern statt aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland kommen. Die Fahrtstrecken würden kürzer, und da die bayerische Regionalliga als weniger leistungsstark gilt, könnten sich die Aufstiegschancen tendenziell verbessern.
Der Südwesten in der Verantwortung
Michael Ferber, Sohn von Ulrich und Sportvorstand der SG Sonnenhof, betont die besondere Verantwortung: „Wir haben im Südwesten natürlich eine gute Situation, weil unser Meister aufsteigt und unser Träger als GmbH einen guten Job macht und die Liga-Strukturen vorangebracht hat. Man stimmt natürlich auch aus der eigenen regionalen Sicht ab.“ Diese Position teilen viele Südwestvereine.
Während die Regionalliga-Staffeln West, Nord und Bayern von ihren Verbänden in die Bedeutungslosigkeit gewirtschaftet wurden, gelten der Südwesten und der Nordosten als einzige funktionierende Regionalligen. Zusammen mit der Aufstiegsproblematik benötigen vier von fünf Staffeln dringend eine strukturelle Reform.
Bundesweite Auswirkungen der Entscheidung
„Wir sind uns der Bedeutung der Entscheidung für den gesamten deutschen Fußball bewusst“, erklärt Michael Ferber zur anstehenden Abstimmung. Sein Vater ergänzt: „Es sollten sich jetzt alle kompromissbereit zeigen, damit es klappt.“
Aus anderen Regionen, insbesondere dem Osten, kommt der Vorschlag, dass Maximilian Ziegler-Freisinger, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GmbH, bei der Einführung des Kompassmodells bundesweite Verantwortung übernehmen könnte. Der Südwesten würde damit einen Vertrauensmann in führender Position erhalten, und die erfolgreichen Erfahrungen der Südwest GmbH könnten für alle vier neuen Staffeln nutzbar gemacht werden.
Vorteile des Kompassmodells
Die Aufstiegsregelungen im Kompassmodell blieben für die Oberligen weitgehend gleich, mit dem Bonus eines zusätzlichen Aufsteigers. In allen vier Staffeln gäbe es künftig fest vier Absteiger, ohne dass sich diese Anzahl durch vermehrte Drittliga-Absteiger aus einer Region noch ändern könnte. Davon würde sogar der Südwesten profitieren.
Ein weiteres Argument: Die Zulassungskriterien würden vereinheitlicht, blieben aber für kleinere Vereine durch Übergangsfristen stemmbar. Investitionen in die Infrastruktur sollen nur sukzessive erfolgen. Die genauen Details legt eine DFB-Kommission im Nachgang mit bundesweiten Vereinsvertretern fest.
Die Fanszenen im Südwesten, darunter Saarbrücken und Darmstadt 98, haben in ihren Stadien bereits Werbung für das Kompassmodell gemacht. Die Abstimmung am Donnerstag wird zeigen, ob der Südwesten aus Solidaritätsgründen eigenen Veränderungen im Interesse des gesamten deutschen Fußballs zustimmt.



