DFB-Vize Winkler attackiert Reform-Vorschlag als instinktlos und ungerecht
Kaum hatte die Arbeitsgruppe zur Regionalliga-Reform ihre Arbeit offiziell beendet, brachen heftige Kontroversen innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aus. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht ein als Regionen-Modell bezeichneter Vorschlag, der insbesondere die stärkste Staffel des Ostens ohne nachvollziehbare Begründung zerschlagen soll. Die Teams aus dem Osten würden dabei unter dem geschönten Begriff des Regionen-Modells einfach auf den Norden und Bayern aufgeteilt werden.
Hinterzimmerspiele und scharfe Kritik
Der Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), Hermann Winkler (62), reagierte im MDR äußerst scharf auf die Hinterzimmerspiele seiner Kollegen Dr. Christoph Kern vom Bayerischen Fußball-Verband und Ralph-Uwe Schaffert vom Norddeutschen Fußball-Verband. Winkler bezeichnete den Vorschlag als instinktlos und warf vor, dass Vereine, die sich für die Initiative „Meister müssen aufsteigen“ eingesetzt hatten, nun bestraft werden sollen.
„Als Belohnung dafür, dass wir – Verband und Vereine – uns für eine gerechtere Lösung zum Aufstieg in die 3. Liga in ganz Deutschland eingesetzt haben, erhalten wir den Vorschlag, dass ein Teil von uns in den Norden und einer nach Bayern gehen soll. Das ist nicht akzeptabel und kann nicht die Lösung sein“, begründete der DFB-Vize seine ablehnende Haltung.
Gemeinsame Ablehnung aus betroffenen Regionen
Nach Informationen der BILD stimmten die Vereinsvertreter Florian Egbers vom SV Meppen für den Norden, Sebastian Dremmler vom FC Bayern München II für Bayern und Tommy Haeder vom Chemnitzer FC für den Nordosten gemeinsam mit dem NOFV gegen das Regionen-Modell. Aus den drei betroffenen Regionen ergab sich somit ein Stimmverhältnis von 2:4 gegen den Vorschlag, da lediglich der Bayerische und der Norddeutsche Verband dafür votierten.
Der Vorschlag wurde offensichtlich nur durchgesetzt, weil die Regionalligen West und Südwest ihre Sonderrechte behalten wollten. Diese beiden Staffeln haben bisher immer einen Direktaufsteiger, während Bayern, der Norden und der Osten dieses Privileg nur alle drei Jahre genießen.
Kompassmodell als gerechtere Alternative
Winkler favorisiert stattdessen das sogenannte Kompassmodell, das er als gerechter bezeichnet, weil sich alle Regionen dafür bewegen und gemeinsam das Problem lösen würden. „Ich halte es auch für umsetzbar“, betonte der NOFV-Präsident. In den Stadien hatten Fanszenen bundesweit ebenfalls aktiv für diese Variante demonstriert.
Einschüchterung und Unregelmäßigkeiten
Brisant ist, dass der DFB-Geschäftsführer Spielbetrieb, Manuel Hartmann, der das Kompassmodell entwarf und einbrachte, intern von den Regionalverbandsbossen – mit Ausnahme des NOFV – massiv angegriffen wurde. Hartmann wurde laut BILD-Informationen so eingeschüchtert, dass er sich in der Arbeitsgruppe für sein eigenes Konzept nicht mehr einsetzte. Der DFB enthielt sich deshalb mit seiner Stimme und ergriff keine Partei für den ausgewogenen Kompromiss.
Zusätzlich gibt es Beweise für Unregelmäßigkeiten bei der Verkündung der Ergebnisse der Arbeitsgruppe. Der DFB erklärte, dass das Regionen- und Kompassmodell gleichwertig beschlossen wurden, doch das Sitzungsprotokoll des dritten AG-Treffens zeigt eine andere Realität. Dort heißt es: „Die Priorität der AG liegt nach den Meinungsäußerungen beim ‚Kompassmodell‘.“ Diese Passage kommt sogar zweimal vor und hatte sich bis zum Ende der Sondierungen nie geändert.
Unmut bei Vereinsvertretern
Daniel Meyer (46), Sportdirektor vom Halleschen FC, bewertet das Regionen-Modell als schlechten Scherz. Es zeige, auf welch „erschreckendem Irrweg sich einige Personen auf Verbandsebene im deutschen Fußball bewegen.“ Die Aufstiegsreform-Initiative mit ihren 70 Klubs wird die Kompasslösung geschlossen unterstützen und damit den Widerstand gegen das umstrittene Regionen-Modell weiter verstärken.



