Ein Bundesliga-Tor, das Geschichte schrieb und einen Torwart bis heute verfolgt
Das Bremer Weserstadion war Schauplatz zahlreicher historischer Momente und spektakulärer Weser-Wunder. Einer der herausragendsten davon ist zweifellos Diegos sagenhafter Treffer aus über 60 Metern Entfernung, der sich heute vor genau 19 Jahren ereignete. Während Fußballfans diesen Geniestreich noch immer feiern, bleibt das damalige 'Opfer' des Schusses, Torwart Kristian Nicht, bis in die Gegenwart hinein von Frustration erfüllt.
Diegos unvergesslicher Moment im Frühling 2007
Der brasilianische Mittelfeldspieler Diego Ribas da Cunha, der von 2006 bis 2009 die Fans von Werder Bremen mit seiner Raffinesse, technischen Finesse und kreativen Spielweise begeisterte, erzielte am 20. April 2007 das denkwürdigste Tor seiner gesamten Karriere. In der Nachspielzeit des Heimspiels gegen Bundesliga-Aufsteiger Alemannia Aachen, das später zum offiziellen Tor des Jahres 2007 gekürt wurde, vollbrachte der damals 22-jährige Spieler eine fußballerische Meisterleistung.
Es war kein typisch brasilianischer Kunstschuss mit Hackentrick oder spektakulärer Akrobatik, sondern ein schlichter, aber umso beeindruckenderer Fernschuss, der nur von absoluten Fußballgenies verwirklicht werden kann. Frank Baumann, damals Kapitän und später Geschäftsführer von Werder Bremen, äußerte sich begeistert: „Den Versuch starten viele, aber nicht jeder hat die Power und das Gefühl zu treffen. Ein Weltklasse-Tor.“
Die dramatischen Sekunden eines Jahrhundertschusses
In der Nachspielzeit führte der tabellenführende Werder Bremen nur knapp mit 2:1 gegen das abstiegsbedrohte Alemannia Aachen. Nach einem Freistoß etwa zehn Meter hinter der Mittellinie köpfte Clemens Fritz den Ball aus der Gefahrenzone. Diego, der sich als vorderster Spieler befand, erkannte blitzschnell die Gelegenheit: Das gegnerische Tor war ungeschützt, allerdings in schwindelerregender Entfernung.
Der Brasilianer stand noch in der eigenen Hälfte, als er ohne Zögern abschloss. Spätere Messungen ergaben eine Entfernung zwischen 62,60 und 63,14 Metern. Der Ball segelte in hohem Bogen Richtung Aachener Strafraum, überflog den verzweifelt zurückeilenden Verteidiger Daniel Lehmann, setzte im Fünfmeterraum auf, prallte von der Lattenunterkante ab und landete im Netz.
Die ewige Frustration des 'Opfers'
Torwart Kristian Nicht, der aus Jena stammende Schlussmann von Alemannia Aachen, sackte nach dem Tor entgeistert zu Boden. Der heute 44-Jährige blickt auch fast zwei Jahrzehnte später mit gemischten Gefühlen auf den Moment zurück: „Das war natürlich eine Katastrophe. Diese Bilder werde ich nie genießen können, da bleibt auf ewig einfach nur Wut.“ Nicht betonte, er sei „in 100-Meter-Weltrekordzeit“ zurückgeeilt, doch vergeblich.
Im Bremer Weserstadion brach unter den 40.300 Zuschauern tobender Jubel aus. TV-Reporter Oliver Forster rief spontan „Tor des Jahres“ aus – eine Einschätzung, die sich später bestätigen sollte. Zum damaligen Zeitpunkt hatte in der Bundesliga-Geschichte nur Klaus Allofs 1986 für den 1. FC Köln aus weiterer Entfernung getroffen (70 Meter). Später übertrafen Georgios Tzavellas (2011, 73 Meter) und Moritz Stoppelkamp (2014, 83 Meter) diese Marke.
Ein Meilenstein in Diegos Karriere
Für Diego, der in der Bundesliga insgesamt 57 Tore für Werder Bremen und den VfL Wolfsburg erzielte, blieb dieser Schuss der unvergesslichste Höhepunkt seiner Laufbahn: „Dieses Tor war das beste meiner Karriere. Von der Schönheit und der Schwierigkeit her.“ Der mittlerweile 41-jährige Brasilianer war bis Ende 2022 als Profifußballer aktiv, unter anderem bei Juventus Turin, Atlético Madrid, Fenerbahce und zuletzt Flamengo Rio de Janeiro.
Die Einschätzung, dass er an jenem Frühlingsabend vor 19 Jahren das Tor seines Lebens geschossen hat, hat sich bis heute nicht geändert. Während die Fußballwelt diesen Geniestreich feiert, bleibt Torwart Kristian Nicht das ewige 'Opfer' eines Moments, der die Bundesliga-Geschichte nachhaltig prägte.



