Trauer im Fußball-Osten: Dynamo-Legende Hansi Kreische verstorben
Die Fußballwelt trauert um einen ihrer markantesten Charaktere: Hans-Jürgen „Hansi“ Kreische ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Der ehemalige DDR-Nationalspieler gehörte zu den herausragenden Talenten des ostdeutschen Fußballs und prägte über Jahrzehnte den Verein Dynamo Dresden wie kaum ein anderer. Der Club bestätigte den Tod des Vereinsidols am Mittwochmittag.
Ein Vereinsikone mit unverwechselbarem Charakter
Dynamos Präsident Ronny Rehn würdigte Kreische mit bewegenden Worten: „Auch wenn ich nicht mehr das Glück hatte, ‚Hansi‘ Kreische selbst auf dem Rasen erleben zu dürfen, so waren die Geschichten um die von ihm geschlagenen Schlachten legendär. Mit großem Interesse lauschte ich seinen Anekdoten, die immer für einen Schmunzler zu haben waren. Die Sportgemeinschaft ist Dir auf ewig zu größter Dankbarkeit verpflichtet, Hansi! Ruhe in Frieden!“ Vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstagabend wird es eine Gedenkminute zu Ehren von Kreische geben, die Mannschaft tritt zudem mit Trauerflor an.
Eine außergewöhnliche Karriere voller Erfolge
Die sportliche Laufbahn von Hansi Kreische war von beeindruckenden Erfolgen geprägt:
- Fünfmal DDR-Meister mit Dynamo Dresden
- Viermal Torschützenkönig der DDR-Oberliga
- Teilnahme an der WM 1974, wo er mit der DDR die Bundesrepublik besiegte
- Olympia-Dritter 1972 in München
Seine Karriere endete jedoch auf spektakuläre Weise: 1977, nachdem Trainer Walter Fritzsch ihn im Top-Spiel gegen Magdeburg nicht einwechselte, warf Kreische wutentbrannt seine Fußballschuhe vor die Füße des Trainers – und zog sie nie wieder an. Diese impulsive Geste wurde zum Symbol seiner geradlinigen, ungeschminkten Art.
Trainer und Scout mit legendärem Spruch
Nach seiner aktiven Zeit absolvierte Kreische sein Trainer-Diplom und arbeitete im Nachwuchsbereich von Dynamo. Nach der Wende übernahm er 1995 die Profimannschaft nach dem Bundesliga-Zwangsabstieg unter schwierigsten Bedingungen. Angesichts eines völlig unzureichenden Kaders prägte er den inzwischen legendären Satz: „Ich kann aus Scheiße keine Bonbons machen!“ Diese direkte Art charakterisierte ihn auch in seinen späteren Funktionen als Scout für den Hamburger SV und RB Leipzig sowie als Übergangskoordinator im Dynamo-Nachwuchs ab 2020.
Hansi Kreische hinterlässt eine Lücke in der Fußballwelt – nicht nur durch seine sportlichen Leistungen, sondern auch durch seinen unverwechselbaren Charakter, der ihn bei Fans und Kollegen gleichermaßen beliebt machte. Sein Tod markiert das Ende einer Ära im ostdeutschen Fußball.



