Emotionale Rückkehr nach Pöbel-Vorfall: Dynamo schließt Fan endgültig aus
Das Zweitliga-Topspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC am Ostersamstag markiert für Toni Leistner eine höchst emotionale Rückkehr ins Rudolf-Harbig-Stadion. Der 35-jährige Abwehrspieler bestritt hier 2011 sein erstes Profispiel für die SGD, doch seine letzte Partie in Dresden am 14. September 2020 endete in einem handfesten Skandal.
Der Vorfall, der Wellen schlug
Nach der 1:4-Niederlage des Hamburger SV im DFB-Pokal wurde Leistner von Dynamo-Fan Uwe B. (33) so massiv beschimpft, dass der Profi die Beherrschung verlor und auf die Tribüne sprang, um den Störenfried am Kragen zu packen. Die Konsequenzen waren hart: Leistner erhielt eine vier Spielsperre plus 6.000 Euro Geldstrafe, Dynamo Dresden musste 2.000 Euro an den DFB zahlen.
Jetzt erfuhr BILD: Dem pöbelnden Fan wurde inzwischen die Dynamo-Mitgliedschaft entzogen. Grund waren nicht nur die ausstehende Strafe, sondern auch nicht gezahlte Mitgliedsbeiträge. Uwe B. hatte sich bis heute um seine Verantwortung gedrückt.
Leistners Rückkehr mit klaren Worten
Was geht dem gebürtigen Dresdner durch den Kopf, wenn er an den Ort des Geschehens zurückkehrt? „Das Bonbon wurde jetzt wirklich oft genug durchgelutscht. Wenn sowas nochmal passieren würde, dann wären es Nachahmer, die versuchen, einen aus dem Konzept zu bringen. Da habe ich gar keine Angst. Ich bin Profi genug, um das runterzuschlucken“, erklärt Leistner selbstbewusst.
Der Hertha-Verteidiger betont seine positive Einstellung: „Ich gehe da immer positiv ran. Generell hast du in jedem Stadion ein, zwei Idioten. Aber wenn ich in Dresden durch die Stadt laufe, bekomme ich eigentlich nur positives Feedback.“ Für die emotionale Rückkehr hat er 30 Tickets für Familie und Freunde organisiert, seine Frau sitzt mit den Kindern in der Loge des langjährigen Dynamo-Sponsors Thomas Dathe.
Sportlich brisantes Aufeinandertreffen
Das Spiel hat für beide Teams enorme Bedeutung:
- Dynamo Dresden kämpft verzweifelt gegen den Abstieg
- Hertha BSC könnte mit einem Sieg noch in den Aufstiegskampf eingreifen
Leistner zeigt Respekt vor seinem Ex-Verein: „Da wurden in der Winterpause extrem gute Transfers getätigt, die voll eingeschlagen haben. Das ist jetzt in der Rückrunde eine sehr erfolgreiche Mannschaft.“ Doch gleichzeitig macht er klar: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken, haben auch zehn Punkte aus den letzten vier Spielen geholt.“
Karriereausblick und private Veränderungen
Der Vertrag des erfahrenen Verteidigers bei Hertha BSC läuft zum Saisonende aus, doch Leistner plant noch keine Karrierebeendigung: „Wir wollen uns zeitnah zusammensetzen und die ersten Gespräche führen. Ich fühle mich topfit, habe in diesem Jahr nur eine einzige Trainingseinheit verpasst.“
Privat hat sich viel verändert: Der geplante Hausbau in Dresden wurde aufgegeben. „Das Stadtplanungsamt hat uns das nicht wirklich schmackhaft gemacht mit den ganzen Vorschriften“, erklärt Leistner. Stattdessen haben sich die Leistners in Potsdam niedergelassen: „Wir haben ein schönes Häuschen gefunden, das wir gerade umbauen. Die Kinder fühlen sich extrem wohl.“
Ironischerweise findet sich sogar ein Stück Heimat in der neuen Umgebung: „Mein Nachbar hat ein Dynamo Dresden-Nummernschild am Auto...“ – ein Symbol für die bleibenden Verbindungen trotz aller Kontroversen.



