Effenberg äußert Zweifel an Musialas WM-Fitness
Im SPORT1 Doppelpass hat Experte Stefan Effenberg deutliche Bedenken bezüglich einer möglichen WM-Teilnahme von Jamal Musiala geäußert. Während die Nominierung des DFB-Kaders von Bundestrainer Julian Nagelsmann für die anstehenden Testspiele gegen die Schweiz und Ghana diskutiert wurde, richtete sich Effenbergs Aufmerksamkeit besonders auf den angeschlagenen Bayern-Spieler.
Die kritische Frage der Fitness
„Die entscheidende Frage bei Musiala lautet: Wird er es noch schaffen, bei 100 Prozent zu sein, bevor das Turnier beginnt? Das ist von größter Bedeutung“, erklärte Effenberg während der Sendung. Der ehemalige Nationalspieler führte seine Bedenken weiter aus: „Im Normalfall nimmt man keinen verletzten Spieler mit oder einen, der sich noch im Aufbau befindet oder nur wenig Spielpraxis hatte, zu einem solchen wichtigen Turnier.“
Diese Zweifel sind nicht unbegründet, denn Musiala wurde in den vergangenen Wochen immer wieder von Schmerzen im linken Sprunggelenk geplagt. Aus diesem Grund verzichtete der 23-Jährige nach Absprache mit Bundestrainer Nagelsmann auf die Teilnahme an den Testspielen mit der Nationalmannschaft. Auch in den letzten drei Partien des FC Bayern fehlte der Mittelfeldspieler im Kader. Laut Aussagen von Sportvorstand Max Eberl befindet sich Musiala derzeit in der Rehabilitationsphase.
Nagelsmanns Entscheidung und die Bayern-Connection
Bundestrainer Julian Nagelsmann begründete die Nichtnominierung Musialas mit einem gemeinsamen Interesse: „Vincent Kompany und ich verfolgen dasselbe Ziel: Dass der Spieler zunächst beim FC Bayern München fit und gesund wird, dass er viele Spiele in Richtung WM absolviert, um überhaupt für uns bei der Weltmeisterschaft infrage zu kommen“, erläuterte Nagelsmann. „Unter den gegebenen Umständen, dass er gesundheitliche Probleme hat, habe ich mich dagegen entschieden, ihn mitzunehmen und unter Schmerzen zwei Minuten lang aufdribbeln zu lassen. Das bringt einfach nichts.“
Positiv hob Effenberg dagegen die Nominierung von Torhüter Jonas Urbig hervor, der zusammen mit Shootingstar Lennart Karl erstmals eine Einladung für das DFB-Team erhalten hat und nun Teil des siebenköpfigen Bayern-Blocks ist. „Zu Recht finde ich diese Entscheidung. Hier hat das Leistungsprinzip ebenfalls funktioniert“, bewertete der Experte diese Personalie.
Lob für Nagelsmanns Kaderauswahl
Grundsätzlich zeigte sich Effenberg mit den Nominierungen des Bundestrainers zufrieden: „Im Großen und Ganzen können wir alle mit diesem Kader leben, vielleicht plus minus ein oder zwei Spieler.“ Besonders hervorzuheben sei dabei die konsequente Anwendung des Leistungsprinzips, das in vielen Fällen zu überzeugenden Entscheidungen geführt habe.
Der Härtefall Angelo Stiller
Einen besonderen Härtefall sieht Effenberg jedoch bei der Nichtnominierung von Angelo Stiller. Der Stuttgarter Spieler wurde von Nagelsmann nicht berücksichtigt, was der Bundestrainer mit der Rollenverteilung innerhalb der Mannschaft und Stillers Status als Nicht-Stammspieler begründete.
„Ich glaube, Stiller hat es wirklich hart getroffen. Er performt und bringt seine Leistungen beim VfB Stuttgart kontinuierlich“, urteilte Effenberg. „Wenn man jedoch dieses Überangebot im zentralen Mittelfeld betrachtet, dann trifft es den ein oder anderen Spieler eben besonders hart.“
Die finale Entscheidung steht noch aus
In der Diskussionsrunde erinnerte der ehemalige Nationalspieler Marcell Jansen daran, dass es sich bei der aktuellen Nominierung noch nicht um den finalen Kader für die anstehende Weltmeisterschaft handelt: „Ich bin ebenfalls der Meinung, dass man beim Thema Leistungsprinzip noch einmal abwarten sollte, was in den nächsten zwei Monaten passiert. Im Fußball sind zwei bis drei Monate eine sehr lange Zeit.“
Jansen betonte weiter: „Deshalb war es klug von Julian Nagelsmann, dass er noch einmal deutlich gemacht hat, dass es sich hier um eine März-Abstellung handelt und nicht um die endgültige Entscheidung.“ Diese Einschätzung unterstreicht, dass sich die Situation für viele Spieler, einschließlich Jamal Musiala, in den kommenden Wochen noch deutlich verändern könnte.



