Fanforscher warnt vor Finale um Regionalliga-Reform: „DFB droht massiver Vertrauensbruch!“
Fanforscher warnt vor DFB-Vertrauensbruch bei Regionalliga-Reform

Fanforscher vor entscheidender Regionalliga-Sitzung: „DFB droht ein massiver Vertrauensbruch!“

Die Stimmung bleibt heiß vor der entscheidenden Sitzung der Arbeitsgruppe Regionalliga-Reform am Mittwoch in der DFB-Zentrale. An diesem Wochenende werden verstärkte Fanproteste erwartet, die dem Motto „Meister müssen aufsteigen“ Nachdruck verleihen sollen. BILD sprach exklusiv mit dem renommierten Fanforscher Prof. Dr. Harald Lange (57) von der Universität Würzburg über die brisante Situation.

Zwei-Klassen-Gesellschaft sorgt für Unmut

Bislang steigen die Meister der Regionalligen Südwest und West direkt in die 3. Liga auf, während die Staffelsieger in Nord, Bayern und dem Osten dies nur alle drei Jahre dürfen und sonst in eine Relegation müssen. „Die Fans haben dafür kein Verständnis“, erklärt Lange. „Für sie ist das maximale Ungleichbehandlung und Benachteiligung, auch wenn das formal argumentativ von den Verbänden anders begründet wird. Der Fan, der mitfiebert, jede Woche bei Wind und Wetter bei seinem Verein mitreist und sich freut, dass sein Team Meister wird – der sieht das als zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit an.“

Konstruiertes System mit schwerwiegendem Strukturfehler

Der DFB führt als Argument die im Südwesten und Westen höhere Anzahl an Mannschaften im Männer-Spielbetrieb an. Doch Lange bewertet dies kritisch: „Das ist ein konstruiertes System, auch wenn man es schon sehr lange betreibt und es sich traditionell entwickelt hat. Es steht in keinem Verhältnis zur sportlichen Wertigkeit.“ Der Wissenschaftler identifiziert einen grundlegenden Konflikt: „Die Logik des Sports und der Fans ist: Ich will aufsteigen und es muss gerecht zugehen. Die Logik des Funktionärstums in den Verbänden tickt anders. Hier steht das Wachsen von Landes- und Regionalverbänden im Blick, die als Einheit den DFB ergeben.“

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Lange spricht von einem „ganz schwerwiegenden Strukturfehler“, bei dem Machtverhältnisse sportliche Prozesse übertönen und übersteigern würden. Besonders im Osten Deutschlands fühlen sich Klubs und Fans doppelt bestraft – durch die wirtschaftlich schwächere Situation der Region und den Abwanderungseffekt nach der Wende.

Technologischer Kompromiss versus fundamentale Ungerechtigkeit

Die vorgeschlagene Reform sieht vor, dass die dann 80 statt 90 Regionalligisten jedes Jahr neu nach den kürzesten Fahrtstrecken in vier Staffeln eingeteilt werden. „Zunächst einmal ist das ein rein technologischer Kompromiss, den man mitgehen kann“, so Lange. „Während enge Derbys sicher bleiben, werden weiter entfernte Traditionsduelle auch mal ein Jahr ausfallen. Das kann leichte Kritik hervorrufen.“

Doch der Fanforscher macht deutlich: „Es ist keinesfalls vergleichbar mit den Protestwellen, die sich seit über einem Jahrzehnt zur Aufstiegsfrage von Meistern gebildet haben. Diese Wertvorstellung ist deutlich höher zu gewichten.“

Letzte Warnung an den DFB

Sollte der DFB es erneut aufgrund seiner Machtstrukturen nicht schaffen, eine gerechte Lösung durchzusetzen, warnt Lange vor schwerwiegenden Konsequenzen: „Das wäre ein massiver Vertrauensbruch, der sich in eine Kette anderer Entscheidungen einreihen würde. Es ist den Verantwortlichen zu raten, sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Es wäre eine heikle Nummer.“

Die Fans haben ihre Position klar gemacht – nun liegt der Ball beim Deutschen Fußball-Bund. Die Entscheidung am Mittwoch könnte nicht nur über die Zukunft der Regionalliga entscheiden, sondern auch über die Glaubwürdigkeit des deutschen Fußballverbandes.

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