1. FC Köln im Abstiegskampf: Trainer Kwasniok unter Druck und mit ungewöhnlichem Kohl-Vergleich
Die anfängliche Euphorie nach dem guten Saisonstart ist längst verflogen. Der 1. FC Köln steckt tief im Abstiegskampf der Bundesliga und Trainer Lukas Kwasniok gerät zunehmend unter Druck. Der extrovertierte Coach wählte vor dem wichtigen Spiel gegen Borussia Dortmund einen schräg anmutenden Vergleich, um seine Situation zu beschreiben.
Kwasniok zieht Parallele zu Ex-Kanzler Helmut Kohl
Zur Veranschaulichung seiner aktuellen Lage zog Lukas Kwasniok einen ungewöhnlichen Vergleich mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl. „Ich bin wie so ein Hahn auf dem Kirchturm“, befand der 44-jährige Trainer. „Das hat, glaube ich, Helmut Kohl mal gesagt.“ Der frühere Langzeit-Bundeskanzler meinte damit einst: „Wer an der Spitze der Politik steht, ist wie der Hahn auf dem Kirchturm.“
Davon ist Kwasniok selbst beim stets aufgeregten und emotionalen FC Köln zwar weit entfernt, doch der Trainer empfindet offenbar, gerade besonders viel aushalten zu müssen. Die Situation spitzt sich zu, nachdem der Klub zuletzt vier sieglose Spiele in Folge hinnehmen musste.
Große Aufregung am Geißbockheim: Punkte dringend benötigt
Die Aufregung rund um das Geißbockheim, dem Trainingsgelände des 1. FC Köln, ist derzeit groß. Die Angst vor dem Abstieg geht um. Der FC steht nur noch zwei Punkte über dem gefährlichen Relegationsrang 16. Nach dem enttäuschenden 0:2 gegen den FC Augsburg am vergangenen Wochenende soll es ordentlich gekracht haben.
Anfang der Woche beobachteten die FC-Bosse aus Präsidium und Geschäftsführung die von Kwasniok geleitete Übungseinheit genau. Der Kölner Coach reagiert darauf äußerlich gelassen. „Wenn du längere Zeit keine Spiele gewinnst, kommen andere Themen auf. Das ist nichts Außergewöhnliches“, sagte er.
Offizielle Rückendeckung – aber mit klaren Erwartungen
Offiziell gibt es noch Rückendeckung für Kwasniok. „Lukas Kwasniok kennt Drucksituationen und hat in seiner Laufbahn mehrfach bewiesen, dass er Mannschaften stabilisieren und entwickeln kann“, sagte Vize-Präsident Ulf Sobek nach dem Augsburg-Spiel. Das Spiel gegen den Tabellenzweiten Borussia Dortmund am Samstag ist jedoch kein Endspiel für den Trainer.
Gleichwohl soll es eine interne Ansage gegeben haben, dass aus den drei bis zur Länderspielpause anstehenden Partien gegen den BVB und die direkten Konkurrenten Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach gepunktet werden müsse. „Wir reden nichts schön, weil am Ende Ergebnisse zählen. Entsprechend konsequent analysieren wir unsere Spiele und leiten daraus unsere Entscheidungen ab“, sagte Sportchef Thomas Kessler.
Kwasniok dementiert Ultimatum – würde aber freiwillig gehen
Kwasniok dementiert ein Ultimatum. „Wir haben noch nie über die nächsten drei Spiele gesprochen. Wir sprechen immer nur über das nächste“, sagte der selbstbewusste Coach, für den der FC die erste Bundesliga-Station seiner Karriere ist. Bei anhaltendem Misserfolg vor allem beim HSV und im Derby gegen Gladbach dürfte diese Karrierephase aber beendet sein.
Das weiß auch Kwasniok selbst. Er deutete gar an, dann auch freiwillig gehen zu wollen: „Ich weiß schon, wo die Büros der Verantwortlichen sind.“ Noch aber hat er die Überzeugung, selbst gegen den starken BVB gewinnen zu können. „Wir können das“, meinte Kwasniok und bemühte wieder ein Bild, um zu überzeugen: „Wir haben halt diese Saison noch kein Samstagabendspiel gewonnen. Dann wird es halt mal Zeit.“
Der Trainer fügte philosophisch hinzu: „Im Leben ist irgendwann immer das erste Mal. Irgendwann sprichst du das erste Wort. Irgendwann fährst du das erste Mal mit dem Fahrrad zur Schule.“ Ob Kwasniok mit dem FC Köln noch das erste wichtige Sieg in dieser kritischen Phase einfahren kann, wird sich in den kommenden Spieltagen zeigen.



