Vier Profis, vier Probleme: Die Sorgenkinder des FC St. Pauli in der Bundesliga
Zwei Spieler stehen außen vor, einer hat sich noch nicht durchgesetzt und der Letzte kämpft oft mit Verletzungen. Trotz der angespannten Personalsituation in den vergangenen Wochen kommen vier Profis beim FC St. Pauli kaum bis gar nicht zum Einsatz. Die Gründe für Taichi Hara (26), Connor Metcalfe (26), Louis Oppie (23) und Martijn Kaars (27) sind dabei unterschiedlich gelagert.
Taichi Hara: Der Neue aus Japan
Der Stürmer wechselte im Winter von Kyoto Sanga in die Bundesliga. Damals fiel Andréas Hountondji aus, der inzwischen wieder fit ist und bei Trainer Alexander Blessin aktuell als Joker-Option Nummer eins gilt. Hara kam nach einem Kurzeinsatz in Leverkusen am 14. Februar bei der 0:4-Niederlage nur zu 22 Minuten Spielzeit und drückte anschließend fünfmal in Folge die Bank.
Hauke Wahl, der Mannschaftskapitän, verteidigt den Japaner: „Man darf nicht vergessen, dass er von einem anderen Kontinent kommt. Das ist nicht so einfach.“ Gegen Freiburg bei der 1:2-Niederlage brachte Blessin am Ende lieber Kaars als Hara. „Wir wollten, dass bei Flanken mit Andreas ein kopfballstarker Spieler da ist und einer, der drumherum wuselt. Und mehr Abschluss-Stärke in der Box hat“, erklärte der Trainer seine taktische Entscheidung. Da diese Idee nicht zündete, könnte Hara demnächst eine neue Chance erhalten.
Connor Metcalfe: Verletzungspech bremst den Australier
Den vielseitigen australischen Nationalspieler mit 32 Länderspieleinsätzen bremst vor allem seine Verletzungsanfälligkeit aus. Im Januar bekam er Knie-Probleme, die sich als langwieriger erwiesen als zunächst angenommen. „Anfangs dachten wir an Tage, daraus wurden mehrere Wochen. Das ist dann schwierig. Und ich finde, die drei machen es gut da vorn“, sagt Blessin über das Offensiv-Dreieck Joel Fujita, Mathias Pereira Lage und Danel Sinani.
Der Trainer fügt hinzu: „Ich weiß auch, dass Connor auf mehr Spielzeit brennt.“ Anders ausgedrückt: Metcalfe ist unzufrieden mit seiner Situation, besonders zweieinhalb Monate vor der WM ab dem 11. Juni. Vielleicht bringen ihn Nationalelf-Einsätze gegen Curacao und Mexiko in der Länderspielpause wieder in Schwung.
Louis Oppie: Die Entwicklung stockt
Zu Saisonbeginn hatte der Neue vom Drittliga-Aufsteiger Bielefeld zwei Klassen übersprungen und sich fast nahtlos als Nachfolger von Leart Paqarada auf der linken Außenbahn eingefügt. Dann kam die defensive Entwicklung ins Stocken. Nach dem Derby gegen den HSV mit 0:0 war Oppie aus der Startelf und saß sieben Spiele in Folge auf der Bank.
Als Arkadiusz Pyrka für den verletzten Manolis Saliakas nach rechts wechselte, war überraschend Lars Ritzka links die Alternative. Oppie analysiert selbstkritisch: „Ich würde nicht sagen, dass ich zu verkopft bin. Ich bin sehr ehrgeizig. Ich weiß, was ich kann, und weiß, woran ich arbeiten muss.“ Nach Ritzkas Schulter-Operation könnte er gegen Union Berlin am 5. April eine neue Startelf-Chance erhalten.
Martijn Kaars: Der teure Einkauf unter Druck
Der Holländer wird für seine Abschlussstärke im Strafraum gelobt, doch bei St. Pauli kommt diese Qualität bisher kaum zum Tragen. Einmal ließ er sie gegen Heidenheim mit zwei Treffern aufblitzen – insgesamt hat er drei Bundesliga-Tore erzielt. Blessin misst seine Qualität nicht primär an Toren, doch Kaars setzt sich möglicherweise selbst zu sehr unter Druck.
Die Bürde als „teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte“ mit einer Ablösesumme von vier Millionen Euro macht es nicht leichter. Was Kaars braucht, ist mehr Robustheit in Zweikämpfen und eine schnellere Entscheidungsfindung. Mit elf Einwechslungen und elf Startelf-Einsätzen zeigt sich, dass der Trainer ihm vertraut – nun muss der Stürmer dieses Vertrauen in konstante Leistungen ummünzen.



