Trauer um FCS-Urgestein Helmut Schwan: Der Mann, der Spielern aus der Kasse half
Saarbrücken trauert um eine wahre Klub-Legende. Helmut Schwan, der über fünf Jahrzehnte den 1. FC Saarbrücken in verschiedenen Funktionen begleitete, ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Der gebürtige St. Ingberter erlitt vor wenigen Wochen einen Schlaganfall und verstarb am Dienstag. Obwohl er nie aktiv für die Mannschaften des FCS spielte, wurde er zu einer unverzichtbaren Säule des Vereins.
Ein Leben für den FCS: Betreuer, Vorsitzender und Fanbeauftragter
Helmut Schwan prägte den 1. FC Saarbrücken wie kaum ein anderer. Als Betreuer, 2. Vorsitzender, Doping- und Fanbeauftragter war er stets präsent – und das ausschließlich ehrenamtlich. Mit seinem charakteristischen verschmitzten Lächeln und seiner empathischen Art gewann er die Herzen aller Vereinsmitglieder. Sein Motto: „Mein Vertrag beim FCS geht auf Lebenszeit!“ Dieser Vertrag ist nun beendet, doch sein Vermächtnis bleibt.
Der früher talentierte Boxer, dessen Karriere durch eine schwere Knieverletzung früh beendet wurde, fand im Fußballverein seine wahre Berufung. Er pflegte enge Freundschaften zu Größen wie Franz Beckenbauer, dessen Sohn Stephan er in Saarbrücken fast väterlich betreute, und Gerd Müller. Schwan war für jeden ansprechbar, ob Spieler, Trainer oder Funktionär – immer mit einem spitzbübischen Charme, aber stets menschlich und direkt.
In der Krise: Bargeld von der Bank für die Spieler
Die wohl bewegendste Episode in Schwans Vereinsgeschichte spielte sich in den dunkelsten Stunden des FCS ab. Nach dem Bundesliga-Abstieg 1993 lastete ein hoher Schuldenberg auf dem Klub, der 1995 zum Lizenzentzug führte. Der Verein war zahlungsunfähig und konnte keine Gehälter mehr bezahlen.
In dieser Notlage handelte Helmut Schwan: Gemeinsam mit dem damaligen Physio Giovanni Carlino fuhr er zur Bank, hob Bargeld von seinen privaten Konten ab und sicherte so die Existenz der Spieler. „Damit die Spieler die Miete zahlen konnten und etwas Essen für die Familien auf den Tisch stellen konnten“, erzählte er später. Beeindruckend: Die Spieler zahlten später alles bis auf den letzten Pfennig zurück.
Ein Mensch, der andere vor sich selbst stellte
Helmut Schwan war nicht nur Vereinsfunktionär, sondern vor allem Mensch. Als selbstständiger Fliesenlegermeister konnte er praktisch helfen, wenn Spieler Unterstützung brauchten. Sein markanter Humor zeigte sich auch in kritischen Situationen: Trainern, die seiner Meinung nach falsch lagen, sagte er ins Gesicht: „Wenn du so weitermachst, kriegst du hier keine Winterjacke mehr.“ Doch dies waren stets gut gemeinte Ratschläge, keine Drohungen.
Seine legendären holländischen „Königin Wilhelmina Pfefferminz“, die er gerne verteilte, wurden zu seinem Markenzeichen. Sie symbolisierten seine Großzügigkeit und Fürsorge für die Menschen um ihn herum. Der FCS verliert mit Helmut Schwan nicht nur eine Institution, sondern einen Charakter, wie es ihn im modernen Fußball wohl kaum noch geben wird. Das Loch, das er hinterlässt, wird schwer zu stopfen sein.



